Heiko Mell

Image- statt Suchanzeigen?

(Jubiläums-Einsendung): Es ist zu beobachten, dass Firmen zunehmend Öffentlichkeitsarbeit auch mittels Personalsuch-Anzeigen aus Imagegründen betreiben, ohne konkreten Einstellungsbedarf zu haben. In Zeiten einer Finanz- und Wirtschaftskrise ist das nachvollziehbar, es hilft potenziellen Bewerbern jedoch nicht.

Fazit: Gute Kandidaten nutzen lieber erfolgreich das „Netzwerk“, als sich auf Anzeigen hin zu bewerben. Was ist Ihre Antwort?

Antwort:

Zum 1. Absatz: Seit etwa 1965 steht die Personalanzeige (Stellenangebot) maßgeblich im Brennpunkt meiner Arbeit. Seit etwa 1970 existiert unter meiner Verantwortung u. a. auch eine Spezialagentur für Stellenanzeigen. Dort werden in branchenüblicher Form für Unternehmen entsprechende Inserate getextet, gestaltet und mit den Verlagen abgewickelt. Wir verdienen an jeder Anzeige (sonst täten wir es nicht). Es heißt also auch: viele Inserate = viel Umsatz; viel Umsatz ist gut fürs Geschäft.

Nun gibt es schwierige Fälle, sehr schwierige Fälle und (gerüchteweise) wohl auch leichte Fälle. Sehr schwierig heißt, dass der Kunde sehr pingelig ist und dass er mit geringstem finanziellen Aufwand Leute sucht, die es als Bewerber so gar nicht geben kann – nur als Arbeitslose, die der Kunde aber nicht als 1. Wahl einstuft. „Nur“ schwierig (nicht „sehr“) sind Fälle, in denen der Kunde nett, seine Ansprüche jedoch auch wieder schwer erfüllbar sind (offenbar gelte ich als Spezialist für komplizierte Suchaktionen; selbst Hochschulen haben schon angefragt, warum auf ihre Professoren-Suche niemand reagiert – worauf es durchaus Antworten gibt). Aber das ist Tagesroutine.

Dann aber, so ein Gerücht, soll es „Nirwana“-Anzeigen geben, die höchste Erfüllung schenken („völlige, selige Ruhe“): Nette Kunden geben viel Geld aus für Anzeigen, mit denen niemand gesucht wird, bei denen es keine Erfolgskontrolle gibt und bei denen es auch folgerichtig nicht darauf ankommt, in der fünften Zeile erbittert dafür zu kämpfen, „weitreichende Erfahrungen“ gegen „besonders fundierte Erfahrungen“ auszutauschen.

Das wäre Geld, verdient im Land, wo Milch und Honig fließen. Allein, ich habe solche Kunden nicht und kenne solche Kunden nicht – ich höre nur immer wieder die Gerüchte aus Bewerberkreisen.

Natürlich ist im Einzelfall alles möglich. Und es gibt Personal-Image-Anzeigen, in denen niemand konkret gesucht wird und mit denen das Unternehmen nur sein Image aufpoliert. Aber wenn da steht „Wir suchen einen Entwicklungsingenieur für linksdrehende Dampfturbinen“, dann wurde in meinen vielen Berufsjahren zum Zeitpunkt der Aufgabe des Inserats (je nach Insertionsmedium Tage bis Wochen vor Abdruck) immer auch konkret jemand dieser Art gesucht. Manchmal wird dann kein Externer eingestellt, sondern doch ein interner Hilfsentwickler befördert o. Ä. Aber dann folgt ein Inserat „Neuer Hilfsentwickler für … gesucht“. Falls Unternehmen viel inserieren, ohne konkret zu suchen – sie hätten in mir einen dankbaren, glücklichen Dienstleister.

Zum Netzwerk: Das ist wichtig, hilfreich und eine rundum gute Sache. Aber den funktionierenden Arbeitsmarkt mit veröffentlichten Anzeigen kann es nicht ersetzen. Ein Netzwerk kann immer nur „einen Job“ liefern – nur als Zufall „die rundum passende Position“. Denn der überregionale Arbeitsmarkt spiegelt den Bedarf einer ganzen Volkswirtschaft wider, aber auch das beste Netzwerk umfasst nur einen Ausschnitt daraus.

Frage-Nr.: 2323
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-06-10

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