Heiko Mell

Eine „Lücke“ verschwiegen

Seit knapp drei Jahren bin ich nun berufstätig. Nach fünfzehn Monaten hatte ich bei meiner (ersten) Firma A gekündigt und zu Firma B gewechselt.

Dort hatte es mir überhaupt nicht gefallen. Schon nach zwei Wochen fragte ich bei meinem ehemaligen Vorgesetzten bei A an, ob meine alte Stelle schon anderweitig besetzt wäre. Das war nicht der Fall, man bot mir die Rückkehr an, die ich gerne in die Tat umsetzte.

Seitdem sind zwanzig Monate vergangen, und ich habe mich erneut beworben (bei Firma C).

Insgesamt habe ich bei A eine „Lücke“ von vier Wochen, die ich im Lebenslauf nicht angegeben habe, dort ist durchgängig eine knapp dreijährige Beschäftigungszeit bei A angegeben. Auch im ersten Vorstellungsgespräch habe ich dies nicht dargelegt.

Nun habe ich Bedenken, dass bei einem Wechsel zu C dieser das Arbeitszeugnis von A ausgehändigt haben möchte. Wie soll ich mich in dem zweiten Vorstellungsgespräch bei C verhalten: Den zwischenzeitlichen Arbeitgeberwechsel verschweigen oder doch noch den damaligen Wechsel zu B und zurück zu A erklären?

Antwort:

Diese Serie dient ja weniger der Beratung einzelner Personen – dafür wäre der „Umweg“ über eine Veröffentlichung viel zu aufwändig -, sondern vorrangig der Information einer breiten Leserschaft.

Und daher müssen wir uns zunächst damit beschäftigen, was Sie bisher so alles angestellt haben:

1. Man verlässt seinen ersten Arbeitgeber nicht schon nach fünfzehn Monaten, wenn nicht äußerst zwingende Gründe vorliegen. Die hat es nicht gegeben, sonst wären Sie ja später nicht dorthin zurückgegangen. Man schafft sich im Gegenteil beim ersten Arbeitgeber nach Möglichkeit ein „Dienstzeitpolster“ an – als eine Art Vorsorge für spätere Probleme und Experimente.

Sie hatten dort schon nach fünfzehn Monaten gekündigt. Das bedeutet, dass Ihr Entschluss zum Wechsel schon nach etwa zwölf Monaten gefallen war. Das ist viel zu früh!

2. Mit nur einem Jahr Berufserfahrung kann man sich weder mit hinreichender Sicherheit einen optimalen neuen Arbeitgeber aussuchen, noch kann man sicher genug beurteilen, ob die Verhältnisse dort wirklich unerträglich sind.

Wenn Sie so fünf Jahre bei einem Arbeitgeber bleiben, haben Sie immer noch Spielraum für vier bis fünf Firmenwechsel im Lebenslauf – und sammeln mehr Erfahrung für Wechselentscheidungen und Arbeitgeberauswahl.

3. Ihre Rückkehr zu A, also zum alten Arbeitgeber, hat sich erwartungsgemäß nicht als glücklich erwiesen. Das ist sie – sofern man in die alte Position zurückkehrt – praktisch nie.

Die Geschichte ist ganz einfach: Sie waren ja schon früher in dieser Position gewesen, sie hatte Ihnen nicht gefallen, Sie wollten „da weg“. Nach Rückkehr war alles wie früher: Die unveränderte Position gefiel Ihnen natürlich immer noch nicht, Sie wollten wieder „da weg“. Also sind Sie nur zwanzig Monate später wieder am gleichen Punkt angelangt. Das war absolut vorhersehbar.

4. Sie haben nicht nur eine „eher unbedeutende Lücke“ in Ihrer Bewerbung bei C verschwiegen, sondern mehr:

4.1 Sie haben bisher drei Arbeitsverhältnisse gehabt:- ein altes, durch Kündigung und Zeugnis vollständig abgeschlossenes (bei A),- ein eigenständiges, durch Vertrag und Kündigung begründetes und abgeschlossenes bei B (es gibt wegen der allzu kurzen Dienstzeit vermutlich kein Zeugnis; aber Sie waren sicher so klug, sich eine Tätigkeitsbescheinigung geben zu lassen),- ein drittes, heutiges (bei A), bei dem nur zufällig der Arbeitgeber mit einem früheren identisch ist.

4.2 Daraus haben Sie eines gemacht, was absolut nicht korrekt ist – und Sie haben das sicher vorhandene erste Zeugnis von A nicht vorgelegt.

4.3 C haben Sie somit die Information vorenthalten, dass Sie dazu neigen, sehr schnell (A1) unzufrieden zu werden, extrem schnell die „Klamotten hinzuwerfen“ (B) und wiederholt schnell unzufrieden zu werden (A2). Das hätten die Leute bei C vor Ihrer Einstellung schon gern gewusst.

Dies haben Sie nicht einfach verschwiegen, sondern durch eine offensive Falschaussage im schriftlichen Bewerbungsprozess vertuscht. Sagen wir es einmal so: Eine Anfrage von Ihnen an mich vor Absendung der Bewerbung an C mit der Frage „Das habe ich vor, wie stelle ich meine Situation dar?“ wäre besser gewesen.

Meine Empfehlung: Unterschreiben Sie jetzt keinen Arbeitsvertrag, ohne den neuen Arbeitgeber (C) vorher über die Fakten aufzuklären. Das Risiko ist einfach zu hoch. Arbeitgeber bewerten dabei „das Verschweigen wesentlicher Fakten im Bewerbungsprozess“ höher als die Geschichte, um die es geht. Oft heißt es dann: „Wie können wir auf dieser Tatsache ein Vertrauensverhältnis aufbauen – und wer weiß, was er uns sonst noch verschwiegen hat?“

Also: Besser wegen eines Umstandes gar nicht erst eingestellt als hinterher entlassen zu werden. Sagen Sie zu den Leuten von C vor Vertragsunterschrift etwa:

„Ich habe bei nochmaliger Durchsicht meiner Bewerbungsunterlagen festgestellt, dass ich etwas vergessen hatte, was daher auch im Lebenslauf nicht auftaucht. Das ist mir äußerst peinlich, ich entschuldige mich dafür.

Ich habe eine Dienstzeit von 36 Monaten vom ersten Arbeitstag bis zum Datum, das der Lebenslauf trägt, angegeben. Das ist nicht korrekt, in Wirklichkeit sind es nur 35 Monate.“ Die Sensation ist für den Zuhörer zunächst einmal keine, so groß ist die Differenz zwischen 36 und 35 ja nun auch nicht – und Bewerber, die sich bei Zeitangaben irren, lernt man ständig kennen. Dann erläutern Sie:

„Ziemlich am Anfang meiner Tätigkeit bei A hatte ich ein Angebot einer anderen Firma, das ich auch annahm – in meiner Unerfahrenheit schien mir das alles äußerst reizvoll zu sein. Und wie das so ist: Nach den ersten Monaten in der ersten Stelle hatte ich erlebt, dass die Praxis auch in guten Unternehmen nicht immer mit den eigenen studentisch geprägten Illusionen über das Arbeitsleben mithalten kann. Ich habe mich damals zum Wechsel hinreißen lassen – ein großer Fehler: falscher, viel zu früher Zeitpunkt, falsche Aufgabe, unpassendes Umfeld. Vielleicht hatte mich auch das etwas bessere Gehalt gelockt – es hätte mich eher misstrauisch stimmen sollen. Am dritten Tag dort wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Zum Glück war mein alter Chef verständnisvoll und nahm mich zurück. Insofern ist meine Dienstzeit dort vier Wochen kürzer, ich hatte die Episode bei B inzwischen vergessen oder besser wohl verdrängt. Auf keinen Fall wollte ich einen Vertrag unterschreiben, ohne dass Sie vorher alle Informationen haben.“

Und dann können Sie nur hoffen, dass man das akzeptiert. Wenn nicht, haben Sie Lehrgeld gezahlt.

Für den Fall, dass Sie trotz zweiter Kündigung ein besonders gutes Verhältnis zu Ihrem Chef bei A haben: Vielleicht gibt er Ihnen ein gemeinsames Zeugnis über beide A-Beschäftigungszeiten, in dem Sie vorne einmal ein- und am Schluss einmal austreten und in dem es irgendwo dazwischen an unauffälliger Stelle lapidar heißt: „Während des Monats … im Jahre … hatte Herr … sein Beschäftigungsverhältnis bei uns auf eigenen Wunsch unterbrochen.“ Demgegenüber würden je ein altes und ein jüngeres A-Zeugnis noch Jahre später unnötige Aufmerksamkeit auf jene berufliche „Jugendsünde“ lenken.

Kurzantwort:

Die hier wieder und wieder dargestellten Regeln schützen weitgehend gegen vermeidbare Reinfälle. Eine der wichtigsten: Wechseln Sie den Arbeitgeber nur in äußersten Notfällen nach viel zu kurzer Zeit – am neuen Arbeitsplatz kann alles noch viel „schlimmer“ sein.

Frage-Nr.: 2247
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 33
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-08-13

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