Heiko Mell

Wie stelle ich längere Ausfallzeiten dar?

Aufgrund einer Krankheit und dem Rat meines Arztes folgend, habe ich vor zehn Monaten meinen doch sehr stressigen Job gekündigt. Es handelte sich um ein Magengeschwür, welches schon bis zum Kündigungsdatum vollständig verheilt war, doch die Folgewirkungen sind erst jetzt beseitigt.

Während dieser Zeit als Privatier habe ich ein vollautomatisches Börsenhandelssystem für einen Freund geschrieben und mein zweites Buch im Bereich meines Hobbys, der Philosophie, veröffentlicht.

Ich arbeite sehr gerne als Ingenieur und möchte dies auch fortführen. Wie stelle ich am besten diese Ausfallzeit im Lebenslauf dar?

Antwort:

Das wird nicht einfach!

Beginnen wir mit einem Detail: „Mangelnde Stressstabilität“ ist tödlich und verhindert Einstellungen zuverlässig. Suchen Sie sich also einen Job, bei dem Sie weniger Stress im Tagesgeschäft vermuten, aber sagen Sie nie, der alte sei Ihnen „zu stressig“ gewesen. Da Stress nicht in Einheiten gemessen werden kann, weiß kein Mensch, ob für Sie nicht schon dort eine Belastung anfängt, wo andere Mitarbeiter erst so richtig „warmlaufen“.

Dann zum nächsten Einzelpunkt: „Ich war krank“ interessiert den potenziellen neuen Arbeitgeber nur in einer Hinsicht: Kann er es wieder werden, ist er anfälliger als andere, wie hoch ist die Rückfallgefahr? „Mechanisch bedingte“ Krankheiten wie gebrochene Beine sind relativ unproblematisch, vor allem als Folge irgendeines Unfalls. Diese Geschichten sind mit der Abheilung erledigt.

Ein Magengeschwür jedoch ist für den medizinischen Laien(!) ein typisches Symptom für Überlastung – und steht in seinen Augen leicht für eine gewisse Anfälligkeit dafür, bei erneuter Belastung wieder eines zu bekommen. Das damit verbundene Risiko schreckt den Bewerbungsempfänger. Außerdem: Normalerweise lässt sich ein kranker Angestellter bis zur Ausheilung krankschreiben, kündigt aber nicht selbst.

„Ich habe mich mal eine Zeitlang meinem Hobby gewidmet“, gilt nicht als akzeptierte Erklärung für Ausfallzeiten. „So etwas tut ein anständiger Angestellter nicht“ – und solch ein Mann könnte es unmotiviert jederzeit wieder tun.

Wenn Sie Ihren Job selbst gekündigt haben, hat man Ihnen auch ein Zeugnis ausgehändigt, in dem Ihnen das „Ausscheiden auf eigenen Wunsch“ bescheinigt wurde. Sie waren also zehn Monate auf eigenen Wunsch arbeitslos. Das tut man erst recht nicht, das schreit geradezu nach einer Erklärung. Und damit fällt die übliche Möglichkeit, innerbetriebliche Gegebenheiten als Grund einer arbeitgeberseitigen Kündigung anzugeben, ebenfalls weg.

Ich weiß auch nicht, ob das eine perfekte Lösung ist, würde es aber mit folgendem Ansatz versuchen (Formulierung im Anschreiben). Es gilt leider: Wenn Sie in jedem Punkt die volle Wahrheit sagen, bleiben Sie „draußen“.“

Im … 2007 zog ich mir eine Magenerkrankung zu, die ich auf eine von mir zu lange ignorierte Unverträglichkeit gegenüber einer bestimmten Nahrungsmittelgruppe zurückführe. Diese Erkrankung ist inzwischen vollständig ausgeheilt. Ich bin wieder uneingeschränkt einsatzfähig, die Gefahr einer Wiederholung ist nicht größer als bei einem gesunden Menschen das Risiko einer Ersterkrankung.

Ich wollte unbedingt vollständig wiederhergestellt sein, bevor ich die Arbeit wieder aufnahm, aber andererseits meinem letzten Arbeitgeber auch keine überlange Krankschreibung zumuten. Daher hatte ich zum … selbst gekündigt und die Zeit seitdem auch genutzt, um ein Projekt abzuschließen, dessen Verwirklichung im Feierabendbereich mich Jahre gekostet hätte: Ich habe über mein Hobby ein Buch herausgegeben. Dabei ist keinesfalls mit großen Einnahmen zu rechnen – und ich habe Erfahrungen gemacht, die mir eine Wiederholung eines solchen Experiments gründlich verleiden. Aber ich bin wieder absolut gesund und freue mich auf eine Weiterführung meiner Tätigkeit als Ingenieur.“

Anmerkung: Jedes Wort, das hier steht, ist wohlüberlegt, ebenso jedes Weglassen (z. B. Art des Hobbys, Buchtitel). Jetzt müssen Sie sich – unter Mitwirkung Ihres Arztes, der natürlich seinen Namen nicht dafür hergibt, aber vielleicht eine Idee liefert – nur noch eine passende, für den Alltag eher „harmlose“ Nahrungsmittelgruppe ausdenken und eine entsprechende Abstinenz einige Jahre öffentlich (z. B. in der Kantine) durchhalten. Aber Sie bleiben immerhin so nahe wie möglich an der Wahrheit.

PS. Ich gebe solche Ratschläge nicht gern. Und verweise auch hier wieder darauf, dass man eigentlich stets die volle Wahrheit sagen soll. Ihr Fehler: Sie hätten bei schon erfolgter Genesung nicht kündigen, Ihr Hobbyprojekt lassen und sich aus ungekündigter Position in Ruhe einen neuen Job suchen sollen.

Frage-Nr.: 2207
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 14
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-04-02

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