Heiko Mell

„Gelten“ private Aufenthalte im Ausland?

In den USA habe ich (Student) einen vierwöchigen Urlaub verbracht, in Südamerika war ich vor kurzem sechs Wochen.

Soll ich so etwas in den Lebenslauf einbauen, um Offenheit für neue Dinge zu zeigen bzw. eine Basis für besseres Erlernen der jeweiligen Sprache zu haben? Allerdings war ich in Südamerika mit einem Freund, der Spanisch sprach – wodurch ich keine besonderen Kenntnisse erwerben konnte.

Antwort:

Lassen wir den Fall mit dem Freund einmal weg, das stört hier nur.

Zum Prinzip: Wir leben im Zeitalter der Globalisierung, Internationalität ist Trumpf, Sprachkenntnisse werden überall gefordert. Für manche Standard-Jobs ist beruflich relevante Auslandserfahrung zwingend erforderlich, für manche Konzern-Traineeprogramme auch. Das ist der Stand.

Es gibt zwei Extreme auf Bewerberseite: Da ist der im Ausland zweisprachig aufgewachsene Kandidat, der inzwischen eine dritte Sprache erlernt hat, je ein Auslandssemester in verschiedenen Ländern und mindestens ein Auslandspraktikum vorzuweisen hat. Ihm haben Sie nichts entgegenzusetzen. Geben wir ihm 100 Punkte.

Da ist aber – immer noch gibt es ihn – auch der Bewerber, der gar nichts auf diesem Gebiet vorweisen kann: Ein bisschen Schulenglisch, sonst nichts, nie im Ausland gewesen, nie fremde Kulturen kennengelernt und nie bewiesen, dass er damit problemlos zurechtkommt. Er erhält 0 Punkte in dieser Kategorie.

Sie haben nun etwa 5 oder 6 Punkte. Dabei bezieht sich Ihre Qualifikation bei so kurzen Reisen ohnehin nicht auf die Sprache, die lernt man so nebenbei weder in vier noch in sechs Wochen. Aber Interesse an fremden Kulturen könnten Sie andeutungsweise anführen – und Bereitschaft zu häufigen Auslandsreisen, dort, wo es gewünscht wird.

In einen Standard-Lebenslauf könnte man durchaus eine Rubrik „Auslandspraxis“ einbauen – so man solche hat. Dort gehören aber ausschließlich nennenswerte beruflich relevante(!) Zeiten hinein (Auslandssemester, eine entsprechende Diplomarbeit und/oder Auslandspraktika).

Ihr bisheriger Beitrag gehört noch unter „private Interessen“, etwa so: „Interesse an fremden Kulturen; mehrwöchige Auslandsreisen, bisher in die USA und nach Südamerika.“ Sie sollten aber in der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch vielleicht ein Buch über solche Länder gelesen haben und die Frage beantworten können: „Was ist Ihnen dort aufgefallen, welche Unterschiede zur Heimat haben Sie bemerkt, was hat Sie positiv, was negativ berührt?“ Es gibt solche Gesprächspartner. Und es kommt dann nicht darauf an, die einzig richtige (die es nicht gibt), sondern eine kluge, abgewogene Antwort zu geben.

Kurzantwort:

Private Auslandsreisen zählen kaum, wenn internationale Erfahrungen gefragt sind. Aber unter lauter blinden Bewerbern könnte der einäugige immerhin Kronprinz sein.

Frage-Nr.: 2204
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 13
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-03-26

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