Heiko Mell

„Nenn-Ränge“ erwähnen?

Ich bin als Ingenieur/Gruppenleiter bei einem großen …-Unternehmen beschäftigt.

Hier gibt es ein Hierarchiesystem mit sogenannten „Rängen“. Jemand kann vom Rang her „Gruppenleiter“ sein, ohne tatsächlich eine Gruppe zu leiten. Ein neuer Rang hat nicht direkt eine Gehaltserhöhung zur Folge, gibt jedoch langfristig das Endgehalt vor.

Sollten „Beförderungen“ in diesem System bei Bewerbungsschreiben erwähnt werden und was wäre eine angemessene Wortwahl?

Antwort:

Das Thema ist vielschichtig:

1. Grundsätzlich ist eine solche Regelung eine feine Sache. Sie ist in etwa mit einer Fachlaufbahn gleichzusetzen. Dadurch wird es dem Unternehmen möglich, bewährte Fachleute zu „befördern“, sie damit besser zu motivieren und mittelfristig auch besser zu bezahlen, ohne ihnen irgendeine Art von Personalverantwortung (die meist gar nicht möglich ist) zu übertragen. In manchen Unternehmen löst man das – wie bei Ihnen -, indem man die „echten“ Führungsränge vergibt, obwohl der Mitarbeiter niemanden führt. In anderen nennt man sie anders, wie etwa „Experten“, „Referenten“ o. Ä. und veröffentlicht Tabellen, nach denen z. B. ein Referent (klarer Einzelkämpfer) „mit einem Gruppenleiter gleichgestellt“ ist.

2. Diese Art von Fachlaufbahn ist eine Problemlösung sowohl für den Arbeitgeber als auch für den betroffenen Arbeitnehmer – solange dieser in der Firma bleibt. Dort kann er immer weiter als „Einzelkämpfer“ tätig bleiben und seine überdurchschnittliche fachliche Qualifikation zum Nutzen beider Seiten einsetzen. Irgendwann wird er dann unter Beibehaltung seines „Einzelkämpfer-Status“ z. B. zum Gruppenleiter ernannt, darf diese Rangbezeichnung führen, ist dem Gruppenleiter gleichgestellt und wird auch so bezahlt.

Aber es ist eine „Als-ob-Beförderung“. Intern ist diese Einschränkung ohne Bedeutung, bei einer externen Bewerbung zeigt sich, dass diese speziellen Ernennungen das entsprechende Problem nicht gelöst, sondern nur in die Zukunft verschoben haben:

Der Bewerber nennt sich zwar „Gruppenleiter“, ist aber kein solcher, leitet nichts, trägt keine Personalverantwortung, erwirbt keine Führungserfahrung. Aber er hat irgendwann das Gehalt eines Gruppenleiters.

Damit ist er von seiner Tätigkeit her eigentlich immer noch Sachbearbeiter, vom Gehaltsanspruch aber Gruppenleiter, hat aber weder die Erfahrung, noch die nachweisbare Qualifikation für diese Gehaltsgruppe. Das gilt pauschal natürlich nur dann, wenn der Bewerbungsempfänger keine solche Fachlaufbahn hat (was leider meist der Fall ist).

Es besteht also die Gefahr, dass dieser Bewerber zwischen zwei Stühlen oder auch „im goldenen Käfig“ sitzt.Kein Problem ist es, eine Antwort auf die von Ihnen gestellte Frage zu finden: Sie stehen nach allgemeiner Auffassung „im Range eines Gruppenleiters“, diese Bezeichnung sagt alles, was damit verbunden ist (sie signalisiert auch, dass Sie dort Anerkennung und Lob erfahren).

Also sind Sie z. B. heute „Konstrukteur im Range eines Gruppenleiters“, das versteht der Leser ohne weitere Erklärungen (weil der „richtige“ GL einfach „Gruppenleiter“ ohne solche Zusätze ist).

3. Natürlich ist der Bewerber aufgrund seiner Beförderung eigentlich näher dran am echten Aufstieg in eine „richtige“ Gruppenleiterposition (mit entsprechender Führung), andererseits heißt Fachlaufbahn-Beförderung aber auch irgendwie: „Fachliche Qualifikation und persönliche Reputation hat er schon wie ein …leiter, aber die Führung haben wir ihm nicht zugetraut“ (oder er hat sie ausdrücklich nicht gewollt).

4. Nun sind das pauschale Betrachtungen, in einem speziellen Fall kann das wieder anders sein. Aber es gilt auch hier: Unternehmen sind egoistisch, sie denken vor allem an ihre Interessen („Wir wollen hochqualifizierte Mitarbeiter, die wir nicht befördern können oder wollen, an die Firma binden“). Wie das für die Betroffenen später auf dem Arbeitsmarkt aussieht, interessiert sie praktisch nicht.

5. Für Bewerbungszwecke gilt: entscheidend ist Ihr Ziel:

a) Wollen Sie jetzt „richtiger“ GL werden, dann schreiben Sie etwa: „…strebe ich die Position eines Gruppenleiters mit entsprechender Mitarbeiterführung an. Mein Arbeitgeber hat mich in Anerkennung von Qualifikation und Leistung zwar bereits zum Gruppenleiter ernannt, allerdings war die Übertragung entsprechender Führungsverantwortung bisher aus organisatorischen Gründen nicht möglich, man kann mir auch weiterhin keinen konkreten Termin nennen.“

Das mag etwa max. drei Jahre ab Ernennung akzeptiert werden, länger jedoch nicht. Dafür passen beide Gehaltsvarianten (schon GL- ebenso wie noch Sachbearbeiter-Bezüge).

b) Wollen Sie auch weiterhin nur als Einzelkämpfer ohne Führung arbeiten, wird die Sache schwieriger. Dann müssen Sie z. B. den „Konstrukteur“ hoch und die Einstufung in den Rang des GL eher tief hängen, vielleicht gar nicht erwähnen oder abschwächen: „… bin ich seit sieben Jahren als Konstrukteur für … tätig. Die vor drei Jahren ausgesprochene Einstufung als Gruppenleiter steht für die besondere Anerkennung von fachlicher Leistung und persönlicher Qualifikation. Eine Führungsfunktion ist damit nicht verbunden, ich strebe sie auch nicht an.“

Dann haben Sie nur noch das Problem mit einem fast immer zu hohen Gehalt. Ihr entsprechender „Wunsch“ sollte dann auf die mit der Bewerbung angestrebte Zielposition abgestimmt sein.

Kurzantwort:

Fachlaufbahnen mit „unechten“ Beförderungen, nach denen man „im Range eines …leiters“ steht, aber nichts leitet, haben Vor- und Nachteile. Erstere gelten uneingeschränkt, solange man im Unternehmen bleibt, letztere wirken sich bei externen Bewerbungen aus.

Frage-Nr.: 2197
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 8
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-02-20

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