Heiko Mell

Wollen Berater kein Anschreiben mehr?

Ich habe zwei neue Angebote vorliegen (Größenordnung 90.000 Euro/Jahr). Beide wurden durch akquirierende Personalberater vermittelt, die – im Gegensatz zu früher – nur einen kurzen Lebenslauf, Zeugnisse und eine Liste der von mir bisher verantwortlich betreuten Projekte haben wollten.

Bewerbungsanschreiben habe ich daher nicht abgefasst. Ist das heute üblich oder ist das eine Besonderheit der Personalberater (die beide nicht an den nachfolgenden Gesprächen bei ihren Auftraggebern teilnahmen)?

Antwort:

Der klassisch tätige, über Anzeigen suchende Personalberater will weiterhin sein Anschreiben.

Sie nun hatten Kontakt zu „Headhuntern“, die sich per Direct Search selbst an potenzielle Kandidaten heranpirschen. Das ist, was Sie „akquirierende Berater“ nennen – akquirieren müssen diese Spezialisten auch, aber bei ihren zahlenden Kunden, insofern ist Ihr Begriff falsch gewählt.

Im vorliegenden Fall haben die suchenden Firmen diesen Beratern reine „Kandidatenadressen-Beschaffungsaufträge“ erteilt. Den Rest, die Grob- und Feinauswahl unter diesen Kandidaten, wollte das Unternehmen selbst vornehmen. Das geschieht schon einmal in sehr engen Branchen und/oder bei hochgradigen Spezialisten. Da mag es dann dem Unternehmen reichen, wenn es die wichtigsten Fakten (Lebenslauf, Projekte, Zeugnisse) auf den Tisch bekommt. Das Urteil des Beraters über die Qualifikation der Kandidaten war nicht gefragt („machen wir selbst, kostet weniger“), daher auch deren Nichtteilnahme an Vorstellungsgesprächen.

Beachten Sie auch: Die Direktansprache ist ausschließlich arbeitgeberfreundlich, die Suche über Inserate deutlich arbeitnehmerfreundlicher. Denn was machen Sie, wenn Sie gerade wechseln wollen oder müssen, aber genau in den relevanten Monaten kein Berater bei Ihnen anruft? Dann freuen Sie sich, dass Sie über Bewerbungen auf Anzeigen hin selbst aktiv werden können.

Frage-Nr.: 2144
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 30
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-07-27

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