Heiko Mell

Worum geht es beim zweiten?

Frage: In Kürze werde ich ein zweites Vorstellungsgespräch absolvieren und möchte mich gut darauf vorbereiten. Allerdings weiß ich nicht genau, was in einem solchen Gespräch alles erwartet wird bzw. welche Fragen dort gestellt werden.

Antwort:

Der Arbeitgeber ist Gesprächsführer beim ersten sowie beim zweiten persönlichen Kontakt. Etwas überspitzt gesagt: Er lädt ein, er ist dort Hausherr, also muss (und darf) er auch sagen, worüber gesprochen werden soll.

Für das erste Gespräch haben sich Standard-Abläufe herausgebildet:

a) Aufwärmphase (der Arbeitgebervertreter fragt, ob der Bewerber eine gute Reise hatte, plaudert vielleicht etwas über das Wetter und stellt die Gesprächspartner vor).

b) Vorstellung von Firma und Position/Aufgabe (wird meist vom künftigen Vorgesetzten übernommen, mitunter stellt der Vertreter des Personalwesens das Unternehmen vor). Dabei hat der Bewerber Gelegenheit, Fragen zu stellen.

c) Schilderung des Bewerbers: Sein beruflich relevanter Weg bis heute (eventuell Schule, Studiendetails, Praktika, alle beruflichen Stationen bis jetzt). Dazu stellen die Arbeitgebervertreter Fragen.

d) Arbeitgebervertreter fragen den Bewerber nach zusätzlichen Details: Warum bewirbt er sich, warum um diese Position, was verdient er heute, was will er verdienen, ist das heutige Anstellungsverhältnis (so vorhanden) ungekündigt, was ist mit Freizeitaktivitäten und wie steht es mit der Bereitschaft zum Umzug etc.?

e) Ausklangphase: Man verabredet, wie es weitergeht, wer meldet sich bei wem bis wann, Verabschiedung.

Dieses sind grobe Erfahrungswerte, von denen im Detail munter abgewichen werden kann und wird. Aber jedes Unternehmen hat doch seinen Fahrplan.

Das zweite Gespräch hat keine so ausgeprägte Struktur. Es wird geführt mit dem (oder den) Kandidaten, der das erste Gespräch „überlebt“, also dort einen guten Eindruck hinterlassen hat. Wer dazu geladen wurde, hat eine wesentliche Hürde auf dem Weg zur Erringung dieser Position genommen – aber den Job noch nicht in der Tasche.

Es gibt drei Hauptziele für dieses zweite Gespräch:

1. Überprüfung des guten Eindrucks vom Kandidaten aus Gespräch eins. Das ist für den Arbeitgeber äußerst wichtig – und führt durchaus nicht immer zu positiven Resultaten! So mancher Bewerber fällt durch: Teils glaubt er, schon „gesiegt“ zu haben und gibt sich keine Mühe mehr, teils überzieht er sein Auftreten. Der Bewerber sollte sich also dessen bewusst sein, dass er genau so um den guten Eindruck bei der anderen Seite ringen muss wie beim ersten Kontakt.

2. Klärung von Fragen, die – auf beiden Seiten – im Erstkontakt noch offen geblieben sind. Es ist also möglich, dass der Arbeitgebervertreter zur Eröffnung sagt: „Bei Ihnen haben sich vermutlich auch noch einige Fragen zur Position, zum Umfeld oder zum Unternehmen ergeben, also fragen Sie.“ Und dann ist es gut, wenn man darauf vorbereitet ist. So gar keine Fragen zu haben, könnte bedeuten, man hat sich nicht näher mit dem Fall beschäftigt. Aber wer den potenziellen Job liebt, der wird schon noch einige Details wissen wollen – und sei es die Altersstruktur der Abteilung.Wenn das noch nicht geschehen ist, könnte jetzt auch der Arbeitsplatz besichtigt werden.

Der Arbeitgeber könnte noch Zusatzfragen stellen nach dem Grund, den der Bewerber für den Wechsel hat, er könnte nach speziellen Fachkenntnissen fragen oder nach dem Grad der Englischkenntnisse. Und er könnte sich Testfragen der Kategorie einfallen lassen: „Was würden Sie tun, wenn …?“

3. Im Regelfall werden jetzt alle Details des künftigen Vertrags besprochen, vom Gehalt über den Urlaub bis zur Kündigungsfrist. Darauf muss der Bewerber vorbereitet sein: Er muss alle relevanten Details seines heutigen Arbeitsvertrages im Kopf haben (Einkommen fix/variabel, Kündigungsfrist, eventuelle Wettbewerbsklausel) – und er muss wissen, was er gern hätte (insbesondere beim Einkommen).

Darüber hinaus ist es denkbar, dass der Arbeitgebervertreter den Kandidaten mit zum Essen nimmt, dass er mögliche spätere Kollegen zum Gespräch mitbringt (die mitunter auch noch Fragen stellen dürfen).

Es gilt: Je kleiner das suchende Unternehmen ist, desto „individueller“ und für den Kandidaten weniger gut planbar ist dieses zweite Gespräch. Aber: Die Arbeitgeberseite will auch, dass der Bewerber (weiterhin) „gut aussieht“; versagt der Kandidat, wäre das auch für die Firmenvertreter eine Niederlage.

Kurzantwort:

Hauptziele des zweiten Vorstellungsgesprächs sind die Überprüfung des guten Eindrucks, den der Bewerber im Erstkontakt hinterlassen hatte und die Klärung von Details. Es gibt aber keinen „Standardfahrplan“ für das Vorgehen.

Frage-Nr.: 2134
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-06-15

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