Heiko Mell

Ein Empfänger klagt an

Ich bin Abteilungsleiter in der deutschen Niederlassung eines weltweit tätigen Unternehmens mit insgesamt über 40.000 Mitarbeitern. Es ist wieder so weit: Wir haben eine Anzeigenaktion gestartet und ich muss wieder einmal die schriftstellerischen Glanzleistungen der diversen Kandidaten durcharbeiten.

Hat eigentlich jemand Mitleid mit den Abteilungs- und Personalleitern? Leute wie Sie, Herr Mell, können für diese Tätigkeit ja wenigstens Schmerzensgeld in Honorarform einfordern.

Im Hinblick auf die üblichen Verdruss bereitenden Details (3-teilige Bewerbungsmappen, „Was Sie sonst noch von mir wissen sollten“-Blätter, Lebensläufe mal vorwärts, mal rückwärts) habe ich resigniert.

Jetzt kommt eine neue Welle des Verdrusses, die elektronische Bewerbung per E-Mail. Wie ist eigentlich die Halbwertszeit des Gedächtnisses von Bewerbern? Kapiert keiner, dass hierbei die gleiche Sorgfalt angewendet werden sollte wie bei der Papierversion?

a) Die eine Bewerbung kommt vernünftig daher: Was man als Anschreiben erwartet, ist in der E-Mail enthalten, die Anlagen sind in einer(!) Datei, vorzugsweise als pdf, alles thematisch und chronologisch in der richtigen Reihenfolge. Da kann ich dann lustig drin hin- und herblättern, wie ich es von der Papiervariante her gewöhnt bin. Außerdem sehe ich, dass diese Bewerbung speziell für diese Stellenausschreibung zusammengestellt wurde. Mit anderen Worten: Da hat sich jemand Mühe gegeben.

b) Der nächste schreibt dann: „Hiermit erhalten Sie meine Bewerbung, das Anschreiben finden Sie in der Datei xyz08/15.“ Ich suche dann in über zwanzig Anhängen nach dem Anschreiben. Könnte Lblffot eventuell der Lebenslauf mit Foto sein? Treffer, ich bewerbe mich vielleicht doch mal bei Günter Jauch. Zeug#45/8 wird wohl ein Zeugnis sein, aber welches? Inhaltsverzeichnis = Fehlanzeige. Erster Frust kommt hoch. Wie würde bei diesem Bewerber wohl die Organisation seiner Arbeitsunterlagen aussehen?

Zugegeben, das war jetzt etwas übertrieben (aber wirklich nur ein wenig). Wenn ich Ratespiele machen will, mache ich das in meiner Freizeit in Form von Gesellschaftsspielen oder ich sehe mir „Wer wird Millionär?“ an. Beim Durchlesen von Bewerbungen brauche ich das nicht. Können Sie vielleicht darauf hinweisen, dass doch bitte für elektronische Bewerbungen die gleiche Sorgfalt aufgewendet wird wie für Papier-Ausführungen?

Wenn schon mehrere Anhänge (nicht jeder hat einen pdf-creator), dann aussagefähige Namen und keine Phantasiekürzel. Das Anschreiben gehört wie in einer Bewerbungsmappe obendrauf, das heißt in die E-Mail und nicht in irgendeine Datei, die ich erst aufmachen muss.

Oder bin ich zu anspruchsvoll?

Antwort:

Ganz sicher nicht! Die Präsentation der Unterlagen in einer Form, die dem Empfänger angenehm ist (der Kunde hat immer recht), gilt als „Bringschuld“ des Kandidaten. Es ist unangemessen – und dem Erfolg der Bewerbung abträglich – dem Empfänger ein fröhliches „Nun such mal schön“ vor die Füße zu werfen.

Völlig blödsinnig, aber auch schon mehrfach gesehen worden, ist ein „Alle Details zu meiner Qualifikation auf meiner Homepage“.

Ich muss immer wieder an das Grundprinzip einer Bewerbung erinnern: Sie müssen damit den Empfänger überzeugen! Der hingegen muss nicht etwa – wie ein Gericht – Mühen und Sorgfalt aufwenden, um letztlich über Ihre Qualifikation entscheiden zu können. Im Gegenteil: der darf auch emotional aus dem Bauch heraus die Nase voll haben von Ihnen.

PS: Wir haben bereits Kunden im Agenturbereich, die drucken in ihren Stellenanzeigen keine E-Mail-Adresse mehr ab, um jene teilweise als unzumutbar eingestuften Bewerbungen auszuschließen. Und: Ein Vorgehen gemäß a) ist empfehlenswert, wenn man sich für diesen Weg entscheidet – oder es muss.

Frage-Nr.: 2093
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 5
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-02-01

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