Heiko Mell

Ich und mein Gesellschafter-Status

Ich bin (offiziell und juristisch) Gesellschafter und Mit-Geschäftsführer einer GmbH. Ich betreibe diese Tätigkeit neben meinem Studium.

MUSS Ich bei einer Bewerbung um einen Praktikumsarbeitsplatz bei einem Unternehmen diese Tatsache angeben, und wenn es eventuell in das Unternehmens-/Bewerberprofil passt, SOLL ich dies angeben?

Mit einer Veröffentlichung meiner Frage bin Ich natürlich einverstanden!

Antwort:

Letzteres ist nett, aber selbstverständlich; andere Fragen können wir hier ohnehin nicht gebrauchen.

„Als ich noch Student war, fand ich Sie überheblich“, schrieb mir neulich ein inzwischen gereifter Leser. Ich kann das ja verstehen – aber wie wäre es denn, wenn insbesondere die ganz jungen Fragesteller nicht immer wieder so konsequent meine Belehrungen herausforderten. Ich kann ja einmal versuchen, dabei besonders nett zu sein.

Sie haben, geehrter Einsender, Ihre Zuschrift nur mit Ihren Initialen gezeichnet und bieten mir nur eine jener kompliziert klingenden unaussprechlichen E-Mail-Adressen an, die zusätzlich den Charme hat, keinerlei Ähnlichkeit mit Ihren Anfangsbuchstaben zu haben. Das ist ein Grenzfall, eigentlich ist die Grenze zur Anonymität damit schon überschritten. Und anonyme Zuschriften bearbeiten wir nicht. Nur weil ich heute nett sein wollte, hier eine (seltene) Ausnahme.

Dann noch ein Tipp: Schreiben Sie im Notfall mit großem Anfangsbuchstaben, was Sie wollen, schlimmstenfalls ist es eben falsch. Das ist nicht so tragisch, es schreibt ohnehin kaum noch jemand richtiges Deutsch hierzulande. Aber wenn Sie Wörter mit einem großen (falschen) Anfangsbuchstaben wählen, nehmen Sie nicht „ich“. Das legt ihnen jeder Amateurpsychiater als grenzenlose Ich-Bezogenheit aus. Und Sie haben es zwei Mal getan in Ihrem kurzen Brief.

War das nun nett oder hätte ich schreiben sollen „Sie haben da zwei klitzekleine Fehlerchen gemacht, auf die ich hinweise, falls Sie das möchten; ich lasse es aber auch gern bleiben“? Wäre das netter?

Zur Sache: Während des Studiums schmückt eine beruflich relevante Aktivität, zu der auch eine Gesellschafter-Geschäftsführer-Tätigkeit gehören kann, grundsätzlich ganz ungemein. Vorausgesetzt, Sie wollen nicht später Betriebsingenieur werden und Ihnen gehört jetzt ein Nachtklub. So ein bisschen zum späteren Thema sollte es schon passen, ohne dass da zu hohe Anforderungen gestellt werden. Wenn also unser künftiger Betriebsingenieur einen Fahrradverleih oder eine Software-Firma aufgemacht hätte, wäre das ganz in Ordnung.

Bei Bewerbungen um einen Praktikumsplatz werden nicht so hohe Anforderungen gestellt, dort können Sie diese Angaben auch einfach weglassen.

Bei Bewerbungen um eine Angestellten-Position nach dem Studium steht etwas ganz anderes im Vordergrund. In Ihrem künftigen Arbeitsvertrag wird etwa stehen: „Herr Müller wird seine ganze Kraft in den Dienst der XY GmbH stellen. Die Ausübung jeder auf Erwerb gerichteten Nebentätigkeiten ist ausgeschlossen bzw. bedarf der vorherigen Genehmigung durch die Firma.“

Also ist später ein Verschweigen dieser Nebeninteressen keine Lösung, Sie würden gegen den Vertrag verstoßen. Die Genehmigung zur Ausübung der Nebentätigkeit wird man einem Berufsanfänger nicht geben, das Risiko des Interessenkonflikts wäre zu groß.

Die beste Formulierung in der Bewerbung würde dann lauten: „Ab … war ich Gesellschafter und Geschäftsführer der … GmbH, die … (folgt ein Hinweis auf den Gegenstand / die Aktivitäten der Gesellschaft). Zum Studienende werde ich selbstverständlich diese Aktivitäten beenden.“

Sie könnten auch versuchen, nur die Geschäftsführung niederzulegen, aber den Gesellschafterstatus zu behalten. Schließlich dürften Sie ja auch Aktien besitzen – ein Gesellschafterstatus ist grundsätzlich nicht als „Neben-Tätigkeit“ anzusehen. Fragen Sie im Zweifelsfall einen Anwalt.

Da Sie bei Bewerbungen auch Aktien- oder Immobilienbesitz nicht angeben müssen, könnten Sie auch in der Bewerbung generell nur die Geschäftsführertätigkeit erwähnen – mit dem Zusatz, dass sie mit Dienstantritt beim neuen Arbeitgeber selbstverständlich beendet wird. Fragen Sie auch dazu einen Anwalt.

Es geht im Kern Ihrer Frage also weniger darum, was Sie angehen müssen, sondern was Sie an bisherigen Engagements – mit hoher Sicherheit – aufgeben müssen.

Kurzantwort:

Ein Angestellter kann nicht damit rechnen, nebenbei noch irgendwo anders eine auf Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben zu können. Schon der Wunsch danach (z. B. in Bewerbungen) kann potenzielle Arbeitgeber verärgern.

Frage-Nr.: 2087
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 3
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-01-18

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