Heiko Mell

Warum bin ich erfolglos?

Mein Studium habe ich vor sechs Monaten an einer TU erfolgreich abgeschlossen (Informatik-Ingenieurwesen). Auf 25 Bewerbungen habe ich nur Absagen erhalten. Die letzten zwei Firmen habe ich auf deren Absage noch einmal per E-Mail um eine Begründung gebeten, diese Firmen haben mir aber bisher nicht geantwortet. Eine Beispiel-Bewerbung habe ich beigefügt.

Antwort:

Jetzt habe ich tatsächlich ein Problem: Was ich gegen Ihre Bewerbung hätte, wüsste ich – aber diese Gründe können die „echten“ Empfänger gar nicht gekannt haben, weil diese Missgriffe in Ihrem Beispiel nicht vorkommen (ich gehe davon aus, dass man Sie nie eingeladen hat). Zum besseren Verständnis fange ich mit mir an:

1. Mögliche spezielle Ablehnungsgründe meinerseits (aus Ihrem Brief an mich):

Sie schreiben die Firma „VDI nachrichten, Karriereberatung“ falsch mit „N“ statt „n“ und mit „…beraturn“ statt „…beratung“; Sie nennen mich „Herr Moll“ – Namensfehler sind absolut tödlich; Sie schreiben „Nach einer Urlaubs- und Erholungsphase“ hätten Sie mit dem Bewerben angefangen. Wenn Sie schon nach dem Studium Erholung brauchen – was wird das erst nach „richtigem Arbeiten“? Aber das alles wussten die Firmen so nicht, es steht jedenfalls nicht im Beispielfall.

2. Mögliche Ablehnungsgründe der Firmen:

Sie erfüllen lt. Anschreiben zwar die wichtigsten fachlichen Anforderungen, beschreiben sich aber recht „vollmundig“ („… entsprechen meiner fachlichen Kompetenz“) – das mag nicht jeder; die vielen Monate seit Studienende stehen für „Hunderte von Firmen habe ich angeschrieben, niemand wollte mich“ – das schreckt sehr viele ab; Ihr Foto wirkt etwas lässig, der Körperbau wirkt etwas „massig“, die Frisur wirkt gewöhnungsbedürftig – Bewerber sollen ja auch sympathisch sein; denkbare(!) Ansatzpunkte im Lebenslauf: „stv. Zivi-Sprecher“, Teilnahme an „Jugend im Parlament“, Mitglied im Fachschaftsrat der TU – das alles deutet einerseits auf das so oft gesuchte Engagement außerhalb des Studiums hin, könnte aber manchem Leser auch schon wieder den Typ des gewählten Interessenvertreters signalisieren (ein bisschen heikel, das Thema); sich unter „Sprachen“ des „Latinums“ als Beweis für Latein zu rühmen, klingt albern; die beiden wichtigsten Kenntnisse lt. Anforderungsprofil verstecken Sie in Ihrer Aufzählung an 15. bzw. 6.Stelle.

Alles andere scheint absolut in Ordnung zu sein: Gutes Examen, Auslandsbezug, gutes Englisch – alles da. Sie hätten diese Bewerbungen vor neun Monaten schreiben sollen. Ich würde in einen anderen Friseur und in ein sehr viel kleineres Schwarz-weiß-Foto investieren. Und mehr Bewerbungen schreiben.

Frage-Nr.: 2066
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 43
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-10-28

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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