Heiko Mell

Top-Manager als Referenz?

Der ehemalige GF eines meiner früheren Arbeitgeber ist heute in sehr hoher Führungsposition bei einer der ersten Konzernadressen meiner Branche tätig. In der Fachpresse liest man des öfteren seinen Namen im Zusammenhang mit branchenbezogenen gesamtwirtschaftlichen Aussagen.

Unsere gemeinsame Zeit bei einem mittelständischen Unternehmen liegt ca. fünf Jahre zurück. Damals betreute ich als Projektleiter einige durchaus herausfordernde Projekte, was zu überdurchschnittlich intensivem persönlichen Kontakt mit diesem (aus einem Konzern kommenden) GF führte. Er gab über Jahre hinweg klar zu erkennen, dass er meine Arbeit aufrichtig schätzte.

Dies wurde auch durch das Zeugnis deutlich, als ich zu einem größeren, nicht konkurrierenden Unternehmen wechselte.

In Fortführung meiner beruflichen Entwicklung könnte es für mich reizvoll sein, mich in den kommenden Jahren bei jenem Konzern zu bewerben, bei dem dieser früherer GF heute in herausgehobener Position tätig ist.

Der Gedanke liegt nahe, neben den üblichen Inhalten der Bewerbung dort auch einen angemessen zurückhaltenden Hinweis darauf zu geben, dass sich jene Persönlichkeit in früheren Jahren ein Bild von meiner Arbeit hat machen können. Da dessen heutige Tätigkeit jedoch Welten oberhalb der damaligen angesiedelt ist, stellt sich die Frage, ob dieser GF eventuell auf diese frühere Tätigkeit gar nicht mehr angesprochen werden möchte oder z. B. befürchten würde, dass sein ehemaliger Untergebener im neuen Umfeld über den hohen Chef wichtigtuerische Geschichtchen „von damals“ erzählt. Natürlich bestünde dazu überhaupt keine Veranlassung – aber so weit, dass er sich dessen sicher sein könnte, werden ihm die Details meiner Persönlichkeit dann wahrscheinlich doch nicht erinnerlich sein.

Antwort:

Ich gratuliere Ihnen, insbesondere zu dem Gedanken, dass es dem heutigen „hohen Tier“ keineswegs angenehm sein muss, durch Ihren eventuellen Wechsel in „seinen“ Konzern an seine „berufliche Jugend“ erinnert zu werden! Vielleicht mag er das nicht, vielleicht – so etwas kommt vor – hat er aus jener Zeit sogar eine kleine „Leiche im Keller“, von der Sie zwar gar nichts wissen, was er aber wiederum nicht weiß.

Ich sehe diese Ansatzpunkte für Sie:

1. Dem „Apparat“ des Konzerns gegenüber (Personalabteilung, potenzielle Vorgesetzte) würde ich bei einer Bewerbung absolut keine Andeutung machen! Auf die wirkt ein Hinweis auf die frühere Bekanntschaft mit dem „hohen Tier“ in jedem Fall negativ. Dort denkt man in Richtung „Günstlingswirtschaft“, fürchtet, Sie würden Ihre Beziehungen ausspielen, Vorzugsbehandlung erwarten, an Ihren Chefs vorbei einen Informationskanal nach „ganz oben“ aufbauen.

Diesem „Apparat“ gegenüber gilt: Bewerben Sie sich ruhig, aber völlig neutral und ohne jede Andeutung, auch im Vorstellungsgespräch. Sie nennen ja frühere Arbeitgeber – dann können die Leute selbst darauf kommen, dass jene Persönlichkeit früher dort GF war. Vielleicht hat er sogar Ihr Zeugnis unterschrieben. Und wenn man Sie darauf anspricht, spielen Sie die Frage herunter, messen Sie ihr keine Bedeutung bei.

2. Man könnte sich durchaus auf den Standpunkt stellen, dass Sie nicht „heimlich“ in den Konzern eintreten und dieser Persönlichkeit plötzlich über den Weg laufen sollten (auch große Konzerne sind ein Dorf). Wenn er sich dann entschlösse, Sie da lieber nicht haben zu wollen, würde er jemandem einen Wink geben und Sie bekämen nichts als Ärger. Das muss nicht geschehen, kann aber.

Also könnten Sie ihn vor dem Absenden der Bewerbung offen ansprechen, z. B. mit einem Brief, etwa so:

„Ich erinnere mich sehr gern an meine Tätigkeit als Projektleiter bei der … GmbH, in der Sie damals Geschäftsführer waren. Dabei durfte ich Sie bei verschiedenen Anlässen persönlich kennen lernen und im Rahmen meiner Arbeit kontaktieren. Für meine berufliche Entwicklung war diese Zeit sehr wichtig.

Ich erwäge jetzt, mich bei der … AG zu bewerben. Es handelt sich um die Position des … im Bereich …, also meines Wissens nicht um eine Funktion in Ihrem unmittelbaren Zuständigkeitsbereich. Bitte verstehen Sie mich richtig: Ich erwarte keinerlei Förderung meiner Bewerbung durch Sie wegen jenes früheren Arbeitskontakts. Aber für den Fall meiner Anstellung bei der … AG wäre es doch möglich, dass wir uns zufällig begegnen. Vielleicht erkennt ja auch Ihre Personalabteilung anhand meines Lebenslaufes, dass wir damals gleichzeitig bei einem Unternehmen tätig waren und bittet Sie um eine Referenz über mich.

Ich würde, das verstehen Sie sicher, nicht zur … AG wechseln, falls Sie aus Ihrer Sicht Zurückhaltung gegen dieses Vorhaben signalisieren, die ich vorbehaltlos respektieren würde. Für eine kurze Nachricht bin ich Ihnen dankbar.“

Das wäre doch ganz reizvoll, so als Versuch. Was kann er schon tun, ablehnen wird er Ihr Vorhaben offiziell nicht. Und Ihnen bleibt die Hoffnung, er habe Sie in so guter Erinnerung behalten, dass er erst Ihre Bewerbung und später (ein guter Mentor ist wichtig!) Ihre Karriere ein bisschen fördert (ein gut platzierter Anruf von ihm reicht aus). Wenn er Sie also immer noch schätzt und Sie gern dort hätte, wäre dies hier seine Chance, entsprechend zu reagieren.

Falls Sie das nicht möchten – tun Sie gar nichts und bewerben Sie sich ganz neutral. Sie müssen die Gedanken, die Sie hatten, ja nicht gehabt und Sie müssen, was Sie über Ihren ehemaligen GF wissen, nicht gewusst haben …

Für den Fall, dass sich ein Leser über das „ganze Theater“ wundert, dass wir beide da in Gedanken anstellen: Ich kenne durchaus ranghohe Manager, denen ich es zutraue, dass sie lieber keinen früheren rangniederen Mitarbeitern aus ihrer „alten Firma“ in ihrem heutigen Arbeitsumfeld begegnen möchten. Wer weiß, was diese Manager bisher über ihre Ruhmestaten „von früher“ erzählt haben – und nun kommt einer, der die Wahrheit kennt.

Frage-Nr.: 2034
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 26
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-06-30

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