Heiko Mell

Referenzen

Ich möchte mich im ausländischen, im Besonderen im angelsächsischen Raum bewerben. Dort ist es üblich, im Lebenslauf Referenzen anzuge­ben. Also Personen, welche mich aus der Arbeitswelt kennen und mich empfehlen.

Ich arbeite hier in Deutschland seit gut drei Jahren bei meinem ersten Arbeitgeber. Es gibt also nur dort Personen, die als Referenzgeber infrage kommen. Durch das Lesen Ihrer Kolumne habe ich gelernt, dass es nicht den deutschen Gepflogenheiten entspricht, dem aktuellen Arbeitgeber mitzuteilen, dass man gedenkt zu kündigen. Kontakte aus der Studienzeit sind nach fast vier Jahren schwierig zu reaktivieren und sie entstammen nicht der wirklichen Arbeitswelt. Was können Sie mir empfehlen? Muss ich befürchten, dass ausländische Unternehmen meinen jetzigen Arbeitgeber ohne Abstimmung mit mir kontaktieren? Ich sehe dies als einzigen Grund, diesen nicht zu nennen.

Antwort:

Ich weiß leider nicht, wie potenzielle Arbeitgeber im angelsächsischen Raum auf die Nicht-Nennung Ihres heutigen Arbeitgebers reagieren. Und ich weiß auch nicht, ob die andernfalls unabgestimmt bei Ihren heutigen Chefs anrufen würden. Ich weiß nur, dass Sie in einem solchen Fall mit erheblichen beruflichen Nachteilen rechnen müssten.

In Deutschland arbeiten wir mit schriftlichen Zeugnissen – akzeptieren aber, dass ein Mann in Ihrer Situation noch keines aus der Arbeitswelt vorlegen kann.

Referenzen als Begleitinstrument kennen wir hier auch, aber in abgeschwächter Form und nicht bei jemandem mit nur drei Jahren Praxis. Aber auch da würden wir problemlos akzeptieren, dass Sie derzeit niemanden benennen können.

Und jeder Bewerbungsempfänger weiß, dass ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis „heilig“ ist und dass er nicht beim heutigen Arbeitgeber anrufen darf (Ausnahmen kommen in seltenen Einzelfällen vor, sind aber statistisch nicht relevant). Daher gibt man hier in der Regel den Namen seines derzeitigen Arbeitgebers in der Bewerbung an.

Ich würde an Ihrer Stelle dem angelsächsischen Bewerbungsempfänger die Zusammenhänge – die er mit höchster Sicherheit nicht kennt und für die er sich vermutlich auch nur bedingt interessiert (Schlagzeile in der Times: „Dichter Nebel über dem Kanal: Kontinent vollständig isoliert“) – erklären:

„Ich bin derzeit in Deutschland in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis tätig. Nach deutschen Gepflogenheiten darf mein Arbeitgeber nichts von meinen Wechselabsichten erfahren, bevor ich gekündigt habe. Ich müsste sonst mit erheblichen beruflichen Nachteilen rechnen. Leider kann ich Ihnen daher z. Z. auch keine Person, die mich aus meiner beruflichen Tätigkeit kennt und die ein Urteil über mich abgeben könnte, als Referenzgeber benennen. Infrage kämen nur Führungskräfte meines derzeitigen Arbeitgebers – die aber auch nichts von meinen Wechselabsichten erfahren dürfen, weil sie sonst meine Chefs informieren würden. Nach meiner Kündigung könnte ich um ein Zwischenzeugnis bitten, in dem ich ausführlich beurteilt werde. Ich darf nach dem deutschen System aber erst kündigen, wenn ich – z. B. bei Ihnen – einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben habe.

Nach eventuellem Dienstantritt bei Ihnen würde ich dann ein ausführliches Zeugnis meines heutigen Arbeitgebers vorlegen. Bitte rufen Sie aber aus den genannten Gründen vorläufig nicht dort an.

Ich hoffe, Sie haben Verständnis für diesen in Deutschland üblichen Weg.“

Ich weiß nicht, ob jeder im Ausland das versteht – und schon gar nicht, ob er das akzeptiert. Aber auch wir hier leben damit, dass Bewerber aus England keine Zeugnisse nach unserem Standard mitbringen.

Sie ersehen aus meinem Textvorschlag, dass ich meine, Sie müssten in dem Zusammenhang den Namen Ihres heutigen Arbeitgebers nennen. Die armen Leute auf der „anderen Seite“ hätten ja sonst das Gefühl, total die „Katze im Sack“ zu kaufen.

Frage-Nr.: 2007
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 14
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-04-07

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