Heiko Mell

Wie erkenne ich ein angenehmes Betriebsklima?

Ich weiß, dass für die Motivation und Leistungsbereitschaft ein angenehmes Betriebsklima ganz besonders wichtig ist – das auch zum Bewerber passen muss.Wie aber kann ein Bewerber, der in diesem Unternehmen noch nie beschäftigt war, einschätzen, ob die Atmosphäre und der Umgang der späteren Kollegen untereinander zur eigenen Persönlichkeit passen?
Es gibt ja durchaus viele Arbeitnehmer, die nach einigen Jahren frustriert ihre anfängliche Wunschposition kündigen, da sie einfach nicht ins Team passten.Wie kann das verhindert werden?

Antwort:

Grundsätzlich gar nicht; es ist dies eines der typischen Arbeitnehmerrisiken, denen man sich bei jedem Firmenwechsel oder Berufseinstieg aussetzt. Sicher mag gerade mancher Berufseinsteiger den hier angesprochenen Aspekt als besonders kritisch empfinden. Mir fallen mehrere Überlegungen dazu ein:

 

1. So furchtbar groß scheint das Problem gar nicht zu sein. Ein Indiz dafür ist die sehr geringe Quote entsprechender Fragen hier in dieser Rubrik. Also haben Sie bitte auch keine zu großen Bedenken in dieser Hinsicht.

 

2. Gelegentlich, aber eher selten, berichten Personalleiter oder betriebliche Führungs­kräfte über einen solchen Fall aus ihrem Zu­ständigkeitsbereich. Dabei sehen diese erfahrenen Manager es stets so, dass „der Neue nicht zu uns passt“, dass er sich „nicht integrieren konnte oder wollte“, dass er „der Außenseiter war“. Nicht umgekehrt!

 

3. Tatsächlich ist Ihre Definition falsch: Es geht nicht darum, ob die Umgebung zum Neuen, sondern ob der Neue zur Umgebung passt.Um es ganz klar zu sagen: Es ist an ihm, sich den Verhältnissen anzupassen!

 

4. Die etwas robusteren, insgesamt eher dem Durchschnitt ihrer Berufsgruppe entsprechenden Persönlichkeiten, haben es in dieser Frage leichter. Wer sich problemlos in neue regionale Umgebungen integriert hatte (z. B. wenn die Eltern umzogen), sich ohne Reibungsverluste jeweils in neue Schulen, Hochschulen, bei der Bundeswehr o. ä. einfügen konnte, der packt auch im beruflichen Bereich die Integration.Etwas schwerer tun sich die introvertierten, sensiblen, häufig etwas „durchgeistigten“ Menschen. Aber eben nicht nur hier, sondern auch in jedem anderweitigen Fall, in dem sie mit einer neuen Umgebung konfrontiert sind.

 

5. Eigene Versuche, insbesondere die von Berufsanfängern, im Vorstellungsgespräch das Betriebsklima zu ergründen, sind absolut sinnlos und führen eher in die Irre als zu verwertbaren Resultaten.Erfahrene, ältere Bewerber schaffen es schon einmal, mit geschickten Fragen zumindest Anhaltspunkte zu erhalten. Beispiel:

a) gerichtet an den künftigen Vorgesetzten: „Wie lange sind Sie in dieser Funktion tätig?“

b) gerichtet an den Vorgesetzten oder den Personalabteilungsvertreter: „Wie lange war mein Vorgänger in dieser Funktion tätig?“

Aber Vorsicht: Schon die logisch erscheinende nächste Frage kann der künftige Vorgesetzte als Provokation auffassen: „Wie hoch ist eigentlich die Fluktuation in der Abteilung?“Erlaubt, insbesondere im zweiten Vorstellungsgespräch, wäre die Frage nach der Struktur des eigenen künftigen Kollegenkreises: „Welche Ausbildung haben die Kollegen, wie alt sind sie, wie lange sind sie etwa in ihren Funktionen tätig?“ Nur: Man braucht viel Erfahrung, um die – oft etwas widerwillig gegebenen – Antworten richtig bewerten zu können. Und stets ließen sich nur Anhaltspunkte gewinnen, nie absolute „Beweise“ für etwas.Man darf auch nicht vergessen: Wer sehr viel in dieser Art fragt, gilt als ängstlich, ihm scheint es an Selbstbewusstsein zu fehlen. Mit etwas Pech wissen Sie am Schluss alles – werden aber nicht mehr eingestellt, weil ein Mitbewerber den weniger unsicheren Eindruck machte.

 

6. Setzen Sie auf folgende Prinzipien:

a) In gewisser Hinsicht ähneln sich die Arbeitsumgebungen in allen Abteilungen vergleichbarer Unternehmen.

b) Je größer der Arbeitgeber, desto standardisierter ist für den neuen Mitarbeiter das gesamte Umfeld dort. Je kleiner das Unternehmen, desto individueller auch das „Klima“.

 

7. Der „rundum gute Mitarbeiter“ kommt überall zurecht, das bezieht Klimafragen genau so ein wie Unternehmensphilosophie, Vorgesetzte und Kollegen. Diesem Ideal gilt es nachzueifern! Wer dieses pauschale Zurechtkommen weniger gut „bringt“, muss das als Kratzer auf dem Lack seiner Angestelltenqualifikation empfinden.

Wer bei einem der ganz großen Namen der Wirtschaft aus Gründen des Betriebsklimas wieder geht, mit Kollegen Ärger bekommt oder seine Chefs nicht begeistern kann -sollte sein Heil nicht im Wechsel zu einem anderen Konzern dieser Art suchen. Dort wird er ähnliche Verhältnisse vorfinden.

Wer bei Müller & Sohn nicht zurechtkommt, hat immerhin eine Ausrede. Der Haken daran ist bloß, dass nicht gute Ausreden gefragt sind, sondern Erfolge.

 

8. Als Kernregel kann gelten:

WENN SIE IN EINER UMGEBUNG NICHT ZURECHTKOMMEN, LIEGT ES AN IHNEN. WENN SIE AUF PROBLEME STOSSEN, FRAGEN SIE SICH: WAS MACHE ICH FALSCH?

Dazu gehört auch: Es gibt gar kein Mobbing, es gibt jedoch Mitarbeiter, die vielleicht objektiv keine „Schuld“ an den Problemen tragen, aber doch irgendwie ihre Umgebung gegen sich aufbringen.

Ich versichere, dass insbesondere dieser Punkt 8 mir sehr am Herzen liegt. (Als Zugeständnis an Menschen, die es sehr genau nehmen: Natürlich weiß auch ich, dass diese Aussagen nicht pauschal in jedem denkbaren Einzelfall absolut richtig sind. Und Menschen, die als Mobbing-Experten ihr Geld verdienen, können dem gar nicht zustimmen. Aber für die überwältigende Mehrheit der Fälle gilt das, was ich hier sage, durchaus. Insbesondere, wenn man meine Zielgruppe und den Titel dieser Serie berücksichtigt.)

Kurzantwort:

In einem früheren Beitrag dieser Reihe (Frage 1.986) wurde strikt davon abgeraten, sich nach dem Studium nicht unmittelbar eine entsprechende Arbeitsstelle zu suchen. Aber auch ich spiele mit dem Gedanken, nach dem Studium noch einmal (ein Studiensemester in Kanada erfolgte bereits) einige Monate im Ausland zu verbringen, bevor dies durch Job und Familie fast unmöglich wird.

Allerdings habe ich nicht etwa vor zu trampen o. ä., sondern mir eine befristete Arbeitsstelle in Nordamerika zu suchen. Da dies für Ausländer (Visa etc.) jedoch besonders schwierig ist, würde es stattdessen wahrscheinlich auf ein 6-monatiges Auslandspraktikum hinauslaufen. Wird ein Praktikum nach dem Studienabschluss von Personalverantwortlichen ebenfalls derart negativ angesehen?

Frage-Nr.: 1994
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 6
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-02-10

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