Heiko Mell

Lichtbild farbig oder schwarz-weiß?

Da ich mich aus persönlichen Gründen in das …-Gebiet orientieren möchte, bewerbe ich mich. Nach dem Durcharbeiten mehrerer Bücher zum Thema Bewerbung möchte ich eigentlich nur noch wissen, ob das Bewerbungsfoto immer bunt sein muss oder ob es auch schwarz-weiß sein kann bzw. darf (siehe Anhang).

Antwort:

Wollen Sie mich mit dem ersten hier abgedruckten Satz ärgern oder nur herausfordern? Sie wissen ja wohl, was jetzt kommt: Ich rate ganz entschieden ab. Die Regel lautet: Kein Arbeitgeberwechsel aus regionalen (privaten) Gründen. Wenn ich „Problemwertpunkte“ vergeben könnte, bekäme dieser Aspekt 100 Punkte, die ganze Fotofrage vielleicht 3.

Das Lichtbild-Problem entscheidet sich, wenn man den Zweck des Fotos in solchen(!) Bewerbungen betrachtet (wenn Sie sich als Model bewerben, sieht das anders aus, da es dort einziger Qualifikationsbeweis ist): Das Bewerbungsfoto ist eine begleitende Information zu den Hauptinformationsträgern Le­benslauf, Zeugniskopien und Anschreiben. Es soll zeigen, ob der Bewerber in etwa so aussieht, wie es typischen Inhabern der hier angestrebten Position entspricht.

Es ist kaum möglich, die aus den „Hauptinformationsträgern“ resultierende Grundentscheidung über den Bewerber durch das Foto wesentlich zu verbessern. Undenkbar ist eine Aussage des Bewerbungsempfängers wie: „Saumäßiges Examen, schlechte Arbeitgeberzeugnisse, nicht die richtige Fachqualifikation – aber ein Aussehen hat der Kerl: traumhaft. Den müssen wir unbedingt kennen lernen.“ (Bloß jetzt keine Witze an der Stelle.)

Aber andersherum geht das! Der Abgebildete kann dem Betrachter unsympathisch sein, kann unangemessen bekleidet auftreten (Badehose, T-Shirt statt Hemd mit Krawatte), ungewöhnliche Barttrachten zeigen, die der Entscheider nicht mag – oder auch ganz entschieden nicht aussehen wie jemand, der zum Team passt, in das er hineinstrebt. Das gilt auch auf Vorstandsebene. Konkret: Wer 500 Leute in der Produktion leiten soll, tut gut daran, auch in etwa so auszusehen und nicht wie ein stellvertretender Hilfsbuchhalter, der an unheilbaren Depressionen leidet.

Mit einem viel zu großen Foto signalisiert man leicht auch: „Ich bin eitel. Für mich sind Äußerlichkeiten alles.“

Daraus folgt: Farbig (man sagt nicht bunt) oder schwarz-weiß ist beim heutigen Stand der Fototechnik gleichermaßen akzeptabel. Ach ja: Wenn wie in Ihrem Fall durch die Stirn und durch die rechte Schulter jeweils der eingedruckte Schriftzug „AZ Fotokunst“ läuft, ist das „höherer Blödsinn“, der den Bewerbungszweck gefährdet.

Kurzantwort:

In den Standard-Industriebewerbungen dient das Foto vor allem zur schnellen Überprüfung, ob der Bewerber so aussieht, wie man sich einen solchen Positionsinhaber grundsätzlich vorstellt. Man sammelt damit kaum Plus-, aber mitunter schwerwiegende Minuspunkte.

Frage-Nr.: 1982
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 52
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-12-25

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI-Nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI-Nachrichten.

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