Heiko Mell

Bewerbungsratgeber

P> (Anmerkung: Meine Antwort auf die Frage 1.886 enthielt „Empfehlungen zum Bewerbungsaufbau“ – und hat zu zahlreichen Reaktionen geführt. Darunter war begeisterte Zustimmung ebenso wie die erkennbar totale Verunsicherung von Menschen, die von professionellen Ratgebern anderslautende Empfehlungen bekommen hatten und mich nach dem Grund fragen – ich kenne ihn nicht. Für manche Leser waren Detailfragen offen geblieben, manche wiederum schrieben, sie bevorzugten den umgekehrt-chronologischen Aufbau des Werdeganges. Ich kann hier schon aus Platzgründen nicht alle Briefe abdrucken. Ich bleibe bei meinen Empfehlungen, gestehe anderen eine andere Meinung zu – und versichere, dass mir nach wie vor kein einziger Fall bekannt geworden ist, in dem ein nach meinen Empfehlungen vorgehender Bewerber beim Empfänger seiner Zuschrift aus diesem Grunde Kritik einstecken musste, das Gegenteil höre ich hingegen oft. Eine kleine Auswahl von Leserzuschriften soll die Spanne der interessanten Meinungsäußerungen umreißen. Der Autor):

Leser A: Ich schreibe im Auftrag der Geschäftsführung eines mittelständischen Unternehmens aus Süddeutschland. Wir möchten gern einen für uns sehr interessanten Artikel aus den VDI nachrichten auf unsere Webseite stellen und dafür von Ihnen die Genehmigung einholen.

Es handelt sich um den Artikel „Bewerbung – Ein neuer Ratgeber auf dem Markt? unter der Rubrik „Karriereberatung“ (Frage 1.886).

Leserin B: Als Gattin eines Maschinenbauingenieurs und (Französin) lese ich seit Jahren Ihre Beiträge zur Karriereberatung und schmunzle über Ihre ironische Auseinandersetzung mit ernsten Themen.

Nachdem sich meine 23jährige Nichte aus Frankreich diesen Sommer monatelang erfolglos als Absolventin um eine Anstellung als Ingenieurin in der Industrie (D) bemüht hatte, habe ich ihr Ihre Ratschläge weitergegeben und ihre Bewerbungsmappe neu zusammengestellt. Daraufhin wurde sie prompt zum ersten Mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Sie hat sich dann weiter informiert über Ihr Karrieremagazin im Internet.

Seit 1.10.04 ist sie bei der Firma … in … als Ingenieurin in F + E tätig und staunt über ihren Erfolg.

Nun bin ich dabei, die Bewerbungsunterlagen ihres Freundes neu zu ordnen. Für eine Hausfrau immer wieder eine Herausforderung. Danke, Herr Mell. Ich werde eine treue Leserin Ihrer Beiträge bleiben.

Leser C: Ihre Darstellung regt zum Versuch eines Klärungsbeitrages in der Angelegenheit „Lebenslauf-Richtung“ an. Die – mit Verlaub – Seuche der Rückwärtsdarstellung, mit dem uns der „nahe Westen“ mal wieder beglückte, hat vermutlich ihren Ursprung in folgendem, nicht ganz rühmlichen Sachverhalt: Dort, in den USA, liest der mögliche Chef des Bewerbers zuerst, wozu dieser ihm nützlich sein kann; das findet er am liebsten ganz zuvorderst: Was hat der zuletzt gemacht und wozu kann ich ihn gebrauchen und einsetzen? Erweist sich das später als nicht genügend, wird der Mann halt gefeuert (das geht ja ganz schnell dort – bei uns jedoch „nicht ganz“ so …!). Hier bei uns will man dagegen letztlich wissen: Was hat der Mensch für einen Hintergrund, mit dem er der Firma einmal langfristig nützen kann; ist er entwicklungsfähig, kann er mal … Vorstand werden? Und da gucke ich mir doch erst mal seine ausbildungsbezogene Herkunft an, denn so entsteht das Bild der Persönlichkeit, die ich suche.

Antwort:

Zu Leser A: Es kann auf keinen Fall schaden, Ihren potenziellen Bewerbern gleich zu zeigen, wie Sie die Bewerbungen gern hätten. Abdruckgenehmigungen erteilen Verlag und Autor gern, sofern die Texte nicht kommerziell genutzt werden und die Quellenangaben aufgeführt werden.

Zu Leserin B: Ich freue mich über den Erfolg Ihrer Nichte.

Nun hoffe ich nur, Sie bleiben auch dann treue Leserin, wenn ich ganz vorsichtig darauf hinweise, dass es – vereinfacht gesagt – „meinen Gatten“ und „meine Gattin“ im korrekten Sprachgebrauch nicht gibt. Der eigene Partner ist stets „mein Mann/meine Frau“. „Gatte/Gattin“ sind nur die Partner anderer, besonders respektvoll zu behandelnder Menschen. Also ich würde nie zum Bundespräsidenten sagen: „Grüßen Sie Ihre Frau von mir“, das wäre dann doch „Ihre Gattin“ oder in dem Fall vielleicht sogar die „Frau Gemahlin“? Die Kassiererin im Supermarkt wiederum wird nicht zu Ihrer Kollegin rufen: „Und grüße deinen Gatten von mir.“

Na hoffentlich stimmt das so alles, ich spreche mit dem Bundespräsidenten doch eher selten. Aber im Hinblick auf „ich bin Gattin eines …“ bin ich mir sicher. Im Übrigen ist Ihr Deutsch hervorragend.

Zu Leser C: Ich bin kein Spezialist für amerikanische Verhältnisse, aber Ihre Erklärung passt zu den Informationen, die auch ich habe. Stets gilt: Die gesamten Regeln im Umfeld des Berufs, von üblichen Gepflogenheiten bis zum Arbeitsrecht, sind ein geschlossenes System. Man hüte sich davor, einzelne Bausteine herauszubrechen und in einem anderen Land einsetzen zu wollen. Die ausführlichen Berichte in den Medien haben am Beispiel „Präsidentenwahl USA“ wieder einmal gezeigt, wie groß die Unterschiede in den Details doch sind. Wer letztere hier übernehmen will, müsste auch die Art zu denken vollständig übernehmen, erst dann passte wieder alles zusammen.

Antwort allgemein: Lassen Sie uns nur keinen Glaubenskrieg über die Frage vom Zaun brechen, ob man nun einen Lebenslauf der Definition nach „richtig“ oder „falsch“ herum aufbaut. Entscheidend ist immer noch, was drin steht – und wie vollständig, sinnvoll und leicht lesbar die Informationen aufgebaut sind.

Nur eines muss klar sein: Die Bewerbung ist ein „Verkaufsprospekt in eigener Sache“ und ist an den Interessen des potenziellen „Käufers“ Ihrer Arbeitskraft auszurichten. Die Aussage eines Bewerbers „Ich finde es aber besser, wenn …“ ist völlig unerheblich. Sagen Sie also nie „Ich meine …“, sondern „Ich habe herausgefunden, dass die Bewerbungsempfänger es so haben wollen“. Und fragen Sie jeden, der Ihnen Tipps dazu verkaufen will, ob er ständig beruflich Bewerbungen analysiert. Denn dies ist kein Tummelplatz für theoretisch-logische Überlegungen.

Frage-Nr.: 1899
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 50
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-12-10

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