Heiko Mell

„Was wissen Sie über uns?“

Frage: Zu einer typischen Frage in einem Vorstellungsgespräch habe ich eine Frage: Worauf genau zielt die Frage:
„Was wissen Sie über unser Unternehmen?“ Was ist die erwartete/gewünschte Antwort?
Spielen da reine Zahlen und Fakten z. B. über die Produktpalette oder über die Firma eine Rolle?

Antwort:

Also das erste Wort „Frage“ vor Ihrer Einsendung und hinter der Nummer Ihres „Falles“ ist von mir. Es gehört zum System. Dafür können Sie nichts. Aber die „Frage“ Nr. 2, 3 und 4 verantworten Sie. Wie kann man einen so kurzen Text konstruieren, in dem so oft ein bestimmtes Wort vorkommt?

Ich will Sie damit nicht kritisieren, davon hätte ich ja nichts. Aber der Hinweis sei gestattet, dass sich so etwas, wenn man das einmal durchrutschen lässt, gern auch in Bewerbungen oder wichtige interne Ausarbeitungen einschleicht. Lassen Sie mich ein Beispiel bilden:

Was ein Ingenieur rechnet, muss stimmen. Richtig? Richtig. Also sollte er niemals(!), unter keinen Umständen und mit keiner Ausrede hinschreiben: 90 + 10 = 99 (oder 101). Auch nicht, wenn es nicht darauf ankommt, weil 1 % Abweichung tolerierbar wäre. Was man hinschreibt, muss immer so richtig wie möglich sein.

Also erziehe man sich gleichermaßen zur Präzision, sowohl beim Rechnen als auch beim Schreiben. Nein, ich habe das Prinzip nicht „erfunden“. Alle(!) halbwegs gebildeten Entscheidungsträger denken so. Ich bin bloß der, der es ausspricht. Falls Sie es nicht glauben, fragen Sie Ihren Professor oder Ihren Chef.

Zum Thema: Hintergrund ist, dass Sie entweder schon durch die Anzeige oder spätestens durch die Einladung wissen, um welches Unternehmen es geht (Gegenbeispiel: Einladung zum Personalberater). Dieser potenzielle Arbeitgeber von Ihnen will sehen, ob Sie sich die Mühe gemacht haben, sich in der üblichen Form auf das Gespräch vorzubereiten.

Gefürchtet insbesondere beim Umgang mit Berufsanfängern ist ein gleichgültiges „Nichts“ auf jene Frage. Es steht für totales Desinteresse an dieser Firma (warum der Kandidat sich dann dort überhaupt beworben hat, versteht niemand).

Je mehr Sie sich für dieses Unternehmen interessiert haben, desto besser. Als Indiz dafür gelten gesammelte, im Gespräch möglichst frei zitierte (nicht abgelesene) Informationen, über die Sie verfügen. Das Studium der Website des Unternehmens ist eine Minimalerwartung. Alles was Sie „mehr“ tun, kann(!) Punkte bringen.

Es wird also keinesfalls schaden, Presseveröffentlichungen sowohl vom als über das Unternehmen „auszugraben“. Sehr gut kommt es an, wenn Sie sich mit den Produkten des Hauses beschäftigt haben. Je nach Produktspektrum imponiert es, wenn Sie sich einmal im Supermarkt (Konsumgüter) oder beim Händler (Autos) ein bisschen umgesehen haben. Oder Sie haben einen Freund, der einen Vater hat, der mit den Werkzeugmaschinen aus diesem Unternehmen arbeitet (und den Sie befragt haben).

Wichtig ist, dass Sie demonstrieren: Ich habe mich gekümmert, mich um Informationen bemüht, mich vorbereitet. Die Einstellung „Mein Gott, ich weiß doch noch gar nicht, ob ich da arbeiten will, ich prüfe ja derzeit mehrere Angebote“ ist absolut falsch, sie führt nicht zum positiven Ergebnis!

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1883
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-09-23

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