Heiko Mell

Auch künftige Professoren sind nicht besser

Ich bin Professor an der Universität …

An der Fakultät für Maschinenbau läuft gerade ein Verfahren zur Wiederbesetzung eines Lehrstuhls. Es gibt immerhin etwa 45 Bewerbungen: Bei der Lektüre der Unterlagen hätten Sie vermutlich Ihre „helle Freude“ an den verzwickten Bewerbungsmappen gehabt. Kaum eine Bewerbung war dabei, die Ihren Vorschlägen folgend, einfach und übersichtlich aufgebaut war.

Antwort:

Also mit der „hellen Freude“ ist das so eine Sache, aber ich verstehe, wie Sie das meinen.

Ich glaube, dass dieses oft zu beobachtende Chaos auf einen Denkfehler zurückgeht, der die Sache nicht besser macht, aber immerhin nachvollziehbar ist:

Der Bewerber sieht bei der Abfassung der Bewerbung sich und sein Anliegen im Mittelpunkt der Analysetätigkeit eines Gremiums von Fachleuten, das stark an ihm und seiner Qualifikation interessiert ist, nur diese eine Zuschrift durcharbeitet, gutwillig an die Sache herangeht und beliebig viel Zeit hat. Diese Leute würden dann etwa so arbeiten:

Mitglied I: „Mir fehlt hier in den Unterlagen ein Jahr im Anschluss an das Abitur.“ Mitglied II: „Wo bist du gerade?“ I: „Auf Seite 2 oben.“ III: „Ich hab was.“ I + II: „Wo?“ III: „Auf Seite 4 unten.“ I (irritiert): „4, wieso 4?“ II (überrascht): „Wo ist 4?“ IV (an III gerichtet): „Was hast du denn?“ III: „Bundeswehr, die Zeitlücke passt.“ I: „ich habe keine Seite 4.“ III: „Du findest ja nie etwas.“ I: „Lasst uns zu Tisch gehen, machen wir später weiter.“

So nun ist es absolut nicht! Sondern ein gestresster Leser, der schon 23 Zuschriften „durch“ hat und noch 22 muss, nimmt sich für einen ersten Schnelldurchgang weniger als eine Minute Zeit – was er dabei nicht findet, ist „tot“.

Was an dieser Einsendung auffällt, ist nicht, dass auch künftige Hochschulprofessoren den üblichen Bewerber-Murks produzieren. Interessant ist, dass sich selbst beamtete Professoren aus der Berufungskommission darüber ärgern. Seien Sie also gewarnt.

Frage-Nr.: 1881
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-09-16

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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