Heiko Mell

Den 2. Vorsitzenden herausstellen?

Während meiner Schulzeit und während des Studiums habe ich aktiv im Vorstand einer Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft mitgearbeitet (2. Vorsitzender mit Geschäftsführeraufgaben). Ich habe dort viel Zeit investiert, aber auch viele Erfahrungen auf den Gebieten Organisation, Mitarbeiterführung, Zusammenarbeit mit Behörden, Ausbildung gesammelt.

Ist es sinnvoll, diese Dinge bei Bewerbungen im Anschreiben und/oder Lebenslauf zu erwähnen? Sehen Firmen so etwas positiv oder wird eher gedacht, wenn jemand nebenbei so aktiv ist, dann kann er sich nicht 100 %ig auf seine Arbeit in der Firma konzentrieren? Wie man aus meinem Lebenslauf erkennen kann, hatten diese Tätigkeiten keinen negativen Einfluss auf mein Studium.

Auch wenn sich immer weniger Menschen ehrenamtlich engagieren, so denke ich doch, dass es sicherlich vielen Studenten und Absolventen ähnlich geht.

Antwort:

Je größer und bedeutender das einstellende Unternehmen ist und je mehr die zu besetzende Position in Richtung Trainee/ Führungsnachwuchs oder in Richtung anspruchsvoller Projektarbeit geht, desto stärker suchen die Personalleiter bei Bewerbern

1. ein zügig absolviertes, mit möglichst guten Noten abgeschlossenes Studium und

2. den Nachweis eines nennenswerten außeruniversitären Engagements in Dingen, die nichts direkt mit dem Studium zu tun haben. Dabei ist „außeruniversitär“ nicht ganz korrekt, denn auch die Mitwirkung in studentischen Gremien und Organisationen zählt.

Übrigens gilt 2 nicht als Ausrede für nicht erreichte Ziele nach 1! Sätze wie „Leider ließ mir meine Tätigkeit als Führer der … kaum Zeit für mein Studium, daher sind die lange Dauer und die schlechten Noten unvermeidbar gewesen“ ziehen nicht! Die Studenten sollen dieses Engagement nicht statt guter Studienresultate erbringen, sondern als „Sahnehäubchen“ obendrauf (niemand hat gesagt, das Leben sei einfach).

Als Trost: Es gibt auch Jobs, in denen ein solches Engagement kaum oder gar nicht verlangt wird (Umkehrschluss meiner Einleitung der Antwort; z. B. Routineaufgaben ohne besonderen Anspruch in Unternehmen, die ihrerseits auch keine besonderen Attraktivitätsmerkmale erfüllen). Aber: Je höher die Ansprüche des Bewerbers an die Einstiegsposition, desto sicherer wird er mit solchen Anforderungen konfrontiert.

Die Begründung für diese Erwartung liegt schlicht in dem, was den Kern der Aussagen dieser Serie ausmacht: Neben den rein fachlichen Aspekten spielen bei der Besetzung anspruchsvoller Positionen (und welche wären nicht anspruchsvoll) Persönlichkeitsfaktoren eine immer größere Rolle. Um die Aufgaben in einem modernen Unternehmen zu lösen, reicht auch eine Top-Qualifikation in rein ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen nicht mehr aus, für einen Aufstieg noch viel weniger. Schon in den kleinsten Projektaufgaben müssen Sie sich mit anderen Menschen erfolgreich auseinandersetzen, die andere Ziele oder Probleme haben, die ihr Chef mit anderslautendenden Vorgaben entsendet, die Abteilungsinteressen vertreten, die den Ihren entgegengesetzt sind.

Und Sie müssen Menschen überzeugen, denen Sie nicht vorgesetzt sind, Sie müssen später Ergebnisse verantworten, die Sie nur auf Umwegen beeinflussen konnten. „Die waren alle gegen meine Ideen, ich habe nichts erreichen können“ – das ist keine akzeptable Entschuldigung.

Sie können das alles auch unter „sozialer Kompetenz“ zusammenfassen, wobei das in der täglichen Praxis als „Gummibegriff“ missbraucht wird und immer mehr zur Leerfloskel verkommt.

So, und Ihre DLRG? Passt ausgezeichnet. Ihr Amt dort ist genau das, was idealerweise gefragt ist. Und während ja ein parteipolitisches Engagement aus der Sicht eines Lesers auch einmal in die „falsche“ Richtung gehen kann, ist das bei dieser Organisation noch nicht einmal denkbar.

Einige Anmerkungen dazu:

a) Was alles mit so einem Amt verbunden ist, weiß oder ahnt der Leser, der die Fakten dazu unbedingt im Lebenslauf finden sollte („von … bis … als …“), wobei eine zusätzliche Erwähnung im Anschreiben nicht schaden kann. Es ist also nicht(!) erforderlich, ihm zusätzlich mitzuteilen, dass dies für Organisation, Mitarbeiterführung etc. steht. Das gehört zur Allgemeinbildung für Entscheider in Bewerbungsangelegenheiten.

b) Angst, dass dieses Engagement Ihrem Studium geschadet haben könnte, hat der Bewerbungsleser nicht. Schließlich sieht er die Studienresultate ja im Lebenslauf. Sollten diese Ergebnisse schwach sein, würde ein starkes Herumreiten auf dem „nebenberuflichen“ Engagement nur heißen: „Seht, ich habe die falschen Prioritäten gesetzt.“

c) Befürchtungen, ein weiter andauerndes ausgeprägtes außeruniversitäres Engagement des Bewerbers würde seinen Leistungen im angestrebten Job schaden, hat er hingegen unbedingt. Daher ist es sehr empfehlenswert, z. B. unter „von … bis ….“ ein drei Monate zurückliegendes Enddatum anzugeben oder hinzuzufügen: „Dieses sehr zeitaufwändige Engagement wird mit Eintritt in das Berufsleben beendet.“ Das gilt aber nur für herausgehobene Ämter, nicht für reine Mitgliedschaften.

Kurzantwort:

Wenn während der Studienzeit nicht nur gute Leistungen erbracht, sondern auch noch verantwortungsvolle außeruniversitäre Aufgaben übernommen wurden, fördert dies das Ziel des Bewerbers, eine anspruchsvolle Einstiegsposition zu erringen. Der Hinweis, das zeitaufwändige Engagement ende mit Eintritt in den Beruf, beruhigt den potenziellen Arbeitgeber.

Frage-Nr.: 1824
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 6
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-02-06

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