Heiko Mell 01.01.2016, 14:32 Uhr

Bitte NICHT anrufen

Der große deutsche Automobilhersteller XY AG weist auf seiner Homepage explizit darauf hin, dass telefonische Rückfragen unnötig sind, da die Anzeigen täglich aktualisiert würden.

Antwort:

Ich kann die XY-Leute sehr gut verstehen. Man veröffentlicht heute irgendwo ein Stellenangebot – auch in der aktuellen Tageszeitung – und bekommt am Tag danach Anrufe: „Ich wollte nur mal fragen, ob das noch aktuell ist.“ Es muss sich um eine neue Art von Volksseuche handeln.

Übrigens wäre eine originelle Antwort: „O nein, völlig veraltet. Wir machen uns nur einen Spaß mit Ihnen. Und dann haben wir ein Abkommen mit der Telefongesellschaft: Für jeden Anrufer bekommen wir X Cent.“

Sehen Sie es einmal so: 100 Bewerbungen zu einem Fall sind keinesfalls selten. Mitunter rufen vorher 300 Leute an. Wenn diese Anrufe sich auf die erste Woche nach Erscheinen verteilen, gehen wegen dieser einen(!) Angelegenheit bei einem Mitarbeiter 60 Anrufe pro Tag ein. Das reicht, um ihn weitgehend zu lähmen und jede kreative Tätigkeit nachhaltig zu verhindern (z. B. das Texten einer neuen Anzeige).

Als Vorschlag: Wenn Sie gern telefonieren, rufen Sie ein Call-Center an. Dort telefoniert man ausschließlich, hat auch keine Ahnung, ist aber auf seelenlose Höflichkeit getrimmt – beide Seiten können herrlich aneinander vorbeireden.

Also: Bei Anzeigen auf der Homepage einer Firma vertrauen Sie diesem Unternehmen einfach so weit, dass es keine „alten Geschichten“ dort stehen lässt.

Schließlich bedeutet jeder nachfragende Anruf in einem solchen Fall etwa: „Also (es gehört zum Standard, dass anrufende Amateure mit ‚also‘ anfangen) ich halte euren Laden ja grundsätzlich für verstaubt und eure Personalabteilung für ziemlich dämlich. Daher bedeutet es gar nichts, wenn ihr ein Stellenangebot veröffentlicht. Wahrscheinlich ist der Job längst vergeben oder so. Oder ihr schreibt das nur hin, um so zu tun als stellt ihr Leute ein. In Wirklichkeit sucht ihr aber niemanden. Dennoch würde ich eigentlich gern bei dem Murksladen arbeiten. Vorsichtshalber meine Frage: Ist das noch aktuell?“

Damit wir uns nicht missverstehen: Natürlich gibt es einzelne Fälle, in denen jemand vergessen hat, alte Homepage-Inserate zu löschen. Aber mit dem Risiko müssen Sie leben. Die ganze Wirtschaft beruht darauf, dass jeder den Aussagen anderer Partner grundsätzlich erst einmal vertraut. Wenn jeder Interessierte zunächst beim Anbieter anriefe, ob dessen Aussage denn auch wirklich sein voller Ernst sei, bräche allgemeines Chaos aus! Dann könnten ja auch Bewerbungsempfänger ständig Bewerber anrufen und fragen: „Vor mir liegt Ihre Bewerbung von vor drei Wochen. Bevor ich mir die Mühe mache, sie zu lesen: Ist Ihr Wunsch nach einem Wechsel noch aktuell?“ Viel Spaß dabei.

Auch bei diesem Thema hat die Stellenanzeige aus der Zeitung Vorteile: Sie sehen aus dem Drucktermin, wann sie erschienen ist und können sich bis zu vier Wochen danach ohne Anfrage noch bewerben.

Und bei Anzeigen in Internet-Stellenbörsen: Wenn Sie den Verdacht haben, dass die dort Uralt-Inserate wiederholen, um ihre Spalten zu füllen – nerven Sie lieber diese Internet-Stellenbörse mit der Frage, wie alt denn der letzte Auftrag des Inserenten in dieser Sache ist. Bei allem, das älter als vier Wochen ist, lohnt eine Bewerbung praktisch nicht mehr (hat das Unternehmen dann nicht genug gute Kandidaten, inseriert es neu, stellt es die Anzeige neu ins Netz). Und Ihre Anrufe könnten bewirken, dass die Internet-Stellenbörsen vorsichtiger werden mit dem Schalten von „alten Kamellen“.

Frage-Nr.: 1791
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-09-19

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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