Heiko Mell

Stellenangebote auf der Homepage

Ich habe festgestellt, dass eine viel größere Anzahl für mich passender Stellen im Internet bei den entsprechenden Firmen auf der Homepage zu finden ist als in irgendeiner Zeitung.

Antwort:

Zunächst einmal kann das an Ihrer speziellen Qualifikation liegen. Dann: Die derzeitige Misere auf dem Arbeitsmarkt ist konjunkturell bedingt. In diesem Zusammenhang suchen die Unternehmen auch dramatisch(!) weniger Personal als früher. Aus der Analyse des überregionalen Arbeits-/Stellenmarktes seit 1975 weiß ich, dass eine solche Krise (es gab ja schon einige) durchschnittlich zehn bis elf Quartale andauert. Definiert ist „Krise“ in diesem Zusammenhang dadurch, dass jeweils pro Quartal messbar weniger neue Mitarbeiter gesucht werden als im Vergleichsquartal des Vorjahres (man kann nur mit dem Vorjahr vergleichen, Veränderungen zwischen dem II. und III. Quartal eines Jahres zu beobachten, ergibt kein vernünftiges Resultat).

Und die derzeit laufende Krise dauert bereits seit zehn Quartalen an (Stand: 30.6.2003). So ab III. Quartal 2003 oder spätestens I. Quartal 2004 sollte es allmählich wieder aufwärts gehen.

Diese meine Theorie ist ein wenig revolutionär, klingt etwas banal – aber warten Sie einmal ab. Und: Viel mehr scheinen die Wirtschaftswissenschaftler und Politiker auch nicht über Krisen zu wissen – sonst täten sie etwas dagegen.

So, nun zur Frage: Geht es Unternehmen gut, spielt Geld – fast – keine Rolle. Geht es ihnen schlecht, sparen auch Konzerne am einzelnen Euro („es wird gespart, egal was es kostet“). Dies folgt der Maxime: „Wir haben ein Problem, es muss etwas geschehen.“ Sparen ist „etwas“, es beruhigt die Gemüter.

In diesen – noch – andauernden schlechten Zeiten nun greifen Unternehmen nach allem, was (fast) nichts kostet. Das Anhängen von Darstellungen offener Stellen an den Internetauftritt auf der Homepage kostet fast nichts. „Geiz ist geil.“

Das Verfahren hat zwei Nachteile:

1. Kleinere, unbekanntere, nicht als so attraktiv geltende Unternehmen bekommen auf dem Weg nichts – weil niemand gezielt dort sucht. Und wer könnte schon alle Homepages abklappern?

2. Für die Großfirmen ist das Verfahren „Wir begnügen uns mit Bewerbern, die ohnehin zu uns wollten“ etwa so originell als würden sie ihre Produktwerbung einstellen: „Wir verkaufen unsere Autos nur noch an die Leute, die ohnehin zu unseren Händlern kommen.“ Das wäre, jeder Marketingspezialist weiß das, ein unmögliches Verfahren. Ein Unternehmen muss etwas unternehmen, muss auftretende Probleme aktiv, offensiv, notfalls aggressiv lösen. Passiv zu warten, bis zufällig von außen der richtige Lösungsansatz geliefert wird, ist nicht akzeptabel. Und sogar gefährlich! Wer sagt den Unternehmen denn, dass sie auf diesem Wege nicht nur vielleicht viele Bewerber (das sieht man ja notfalls noch), sondern auch die geeignetsten aus ganz Deutschland bekommen?

Dies kann also nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Warten Sie ab: Die Krise wird gehen, die Konjunktur wird sich positiv entwickeln, die Firmen werden neue Mitarbeiter brauchen, die Bewerber werden Auswahl haben, die Firmen werden aktiv werben müssen – und sie werden die Kanäle nutzen (müssen), die es dafür gibt. Die Stellenanzeigen in den gedruckten Medien sind eine Säule dieses Marktes.

Und speziell für jüngere Leser: Wer die jüngste kritische Entwicklung erlebt und kein Wirtschaftfachmann ist, könnte denken: Bisher hatten wir überwiegend „eitel Freud und Sonnenschein“ und jetzt haben wir von irgendwoher und unerklärlich eine Krise.

Das ist nicht wahr! Krisen gehören aus – allerdings schwer verständlichen – Gründen ebenso wie Hochkonjunkturphasen zur normalen volkswirtschaftlichen Entwicklung. Alles schon mal da gewesen, neue werden kommen – und wieder gehen. Wir hatten – von mir miterlebt – Krisen 1967, 1975, 1983, 1993 und um 2002. Woraus Sie abschätzen können, wann die nächste kommt (die von 1993 hätte 1991 kommen müssen; sie hatte sich auch schon angedeutet, da puschte das Sonderereignis Wiedervereinigung die Geschichte noch einmal nach oben – verschob aber die Krise nur um eine Kleinigkeit).

Kurzantwort:

Der derzeitige Rückgang der Stellenanzeigen in den Zeitungen ist konjunkturbedingt, die auslösende Krise ist „normal“ in statistischem Sinne und wird – wie die davor – vorübergehen.

Frage-Nr.: 1789
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-09-19

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