Heiko Mell

Über Zuschuss vom Arbeitsamt reden?

Das Arbeitsamt hat Förderprogramme für einen Teil der arbeitslosen Ingenieure in Form von Arbeitsplatzsubventionen. Also: Wir zahlen dir, Arbeitgeber, für den Zeitraum X monatlich den und den Betrag, wenn du diesen Bewerber einstellst und mindestens so und so lange behältst – oder so ähnlich.

Weist man in seinem Bewerbungsanschreiben auf eine solche „Subvention“ hin, wenn schon im Lebenslauf der weiße Fleck der Arbeitslosigkeit erscheint? Oder erst im Gespräch? Ist das für den Arbeitgeber ein Entscheidungskriterium?

Antwort:

Geld ist immer ein Argument, jedenfalls in einer Marktwirtschaft.

Ich will es einmal an einem extremen Beispiel darstellen. Nehmen wir einmal an, jemand wäre längere Zeit arbeitslos, wollte arbeiten, wäre auch hinreichend flexibel, was Tätigkeit und Ort angeht, fände aber keinen Job. Wenn der jetzt hinginge und würde beispielsweise anbieten, drei Monate ohne Bezahlung zu arbeiten, dann könnte ihm das durchaus weiterhelfen! „Umsonst“ zieht ungemein in diesem Land, sicher würde sich auch ein Arbeitgeber finden lassen, der diese Chance ergreift bzw. dem Arbeitslosen einräumt.

Beide hätten einen Vorteil: Der Arbeitslose hätte sich wieder für einen ernst zu nehmenden Zeitraum ins Arbeitsleben integriert und zeigen können, dass er das durchsteht. Er hätte die Chance, mit glänzender Beurteilung abzugehen, anschließend wären bei fremden Arbeitgebern seine Chancen besser als ohne diese Bewährungszeit. Und er hätte natürlich die Hoffnung, anschließend von genau diesem Betrieb übernommen zu werden, der ihn kennen gelernt hatte – und der am praktischen Beispiel sehen konnte, dass pauschale Vorurteile gegen Langzeitarbeitslose gänzlich unberechtigt sind.

Den Arbeitgeber kostete das Experiment im Falle eines Scheiterns kein „bares“ Geld, er zahlte ja nichts (hätte höchstens Einarbeitungs- und Arbeitsplatzkosten).

Leben könnte der Arbeitslose von den Einkünften, von denen er auch lebt, wenn er arbeitslos ist, diese müssten einfach weiter gezahlt werden, Mehrkosten entstünden generell praktisch nicht.Ich gehe fest davon aus, dass ein solches Programm („Arbeitskräfte, die nichts kosten“) insbesondere bei kleineren Firmen ein Erfolg wäre.

Dabei möchte ich nicht missverstanden werden: Dies ist, dem Tenor der Serie entsprechend, kein durchdachter Vorschlag. Ich habe nicht die geringste Vorstellung, welche Detailprobleme dem auf allen möglichen Gebieten entgegenstehen – von politischen bis hin zu moralischen Bedenken und Missbrauchs-Vorbehalten (die ich alle gut verstehen könnte) einmal abgesehen. Aber darum geht es hier nicht. Ich will nur erläutern: „Kostenlos“ ist toll, aber natürlich ein Extrem. „Billiger“ ist fast ebenso toll, aber nicht mehr ganz so extrem („Prozente“, „Nachlass“, „Rabatt“, „Geiz ist geil“).

Wer also nennenswerte Zuschüsse zum Gehalt zu erwarten hat, die ihn für eine ernstzunehmende Zeit bei voller Leistung für den potenziellen Arbeitgeber „billiger“ machen, der sage das ruhig, auch schon in der schriftlichen Bewerbung. Aber:

1. Bitte nicht als zentrales Argument am Beginn des Anschreibens. Erst kommen die Qualifikation, die Erfahrung, das Fachwissen und -können, die Laufbahn, die interessanten Positionen und Arbeitgeber. Dann am Schluss kommt die Gehaltsfrage – und dort gehört die Aussage mit dem Zuschuss hin.

2. Dieser Zuschuss ist wie eine starke Medizin zu sehen, mit der man eine Krankheit eventuell heilen kann. Nähme ein Gesunder diese Medizin, könnte er allein davon krank oder doch in seinem Wohlbefinden stark beeinträchtigt werden.

Es wäre also kontraproduktiv, ja ausgesprochen „verdächtig“ und eben keinesfalls förderlich, schriebe ein vermeintlicher Standard-Bewerber, der sich in seinem Anschreiben ohne jede Besonderheit darstellt und nur von seiner Qualifikation spricht, man brauche ihm nur 100-x Prozent seines Gehalts zu zahlen. Erst wenn man weiß, dass der Bewerber „Zucker“ hat, wird es verständlich, dass er beispielsweise „Insulin“ spritzt.

Also müssen Sie auch offen sagen, dass Sie seit längerer Zeit arbeitslos sind und deshalb vom Arbeitsamt entsprechend gefördert werden. Dann versteht das der Leser, sonst eher nicht. Dann ist das ein Ausgleich, den er für den in seinen Augen wegen Arbeitslosigkeit gesunkenen Marktwert des Bewerbers erhält (obwohl er ihm den vollen Tariflohn zahlen muss). Das denkbare Gegenargument, im Lebenslauf sehe ja der Leser dann die Zusammenhänge, genügt nicht.

3. Je einfacher und routinenäher der Job, desto besser funktioniert das. Und umgekehrt. Bei Bewerbern um eine Geschäftsführerposition beispielsweise funktioniert das nicht. Bei weniger exponierten Führungspositionen funktioniert das kaum bis schlecht. Bei Sachbearbeitern, die im Team mitarbeiten und nicht gleich eine „Säule des Unternehmens“ darstellen (wollen), funktioniert es am besten.

Für empfindliche Gemüter (wobei unser gesamtes System eher nichts ist für empfindliche Gemüter): Nein, ich habe nicht gesagt, Langzeit-Arbeitslose seien „krank“, ich habe nur versucht, ein Prinzip zu verdeutlichen. Und da ich gerade dabei bin: Zuckerkranke wollte ich auch nicht diskriminieren.

Kurzantwort:

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, in Bewerbungen darauf hinzuweisen, dass man durch bestimmte Gegebenheiten „billiger“ zu haben ist als Mitbewerber. Aber das hilft nur, wenn die zentrale Ursache (Langzeitarbeitslosigkeit) klar auf den Tisch gelegt wird.

Frage-Nr.: 1783
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 35
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-08-31

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