Heiko Mell

Die Firma sucht auf mehreren Wegen

Im Verlauf meiner Stellensuche ist mir aufgefallen, dass ein Unternehmen neben der Schaltung eigener Anzeigen auch gleichzeitig mehrere Personalberatungsfirmen mit der Kandidatensuche beauftragt hat.

Bisher habe ich letzteren immer wahrheitsgemäß mitgeteilt, dass ich mich bereits bei ihrem Kunden direkt beworben habe; dies allein schon, um den allgemeinen Arbeits- und Zeitaufwand nicht unnötig zu erhöhen.

Meine Frage ist nun, ob es nicht von Vorteil für den Bewerber sein könnte, wenn er dem Berater gegenüber seine Direktbewerbung beim suchenden Unternehmen nicht erwähnt und so diesem gewissermaßen von mehreren Seiten (Personalexperten) empfohlen wird?

Antwort:

Zunächst zu einem Detail, das Sie übersehen haben: Entweder leitet der Personalberater Ihre Daten einfach nur an das suchende Unternehmen weiter, ohne Sie im Vorstellungsgespräch kennen gelernt und danach beurteilt zu haben. Dann spielt er Briefträger und der Weg über ihn bedeutet für Ihr Vorhaben keinerlei zusätzliche Empfehlung, nützt Ihnen nichts.

Oder er „testet“ Sie erst im Gespräch – dann kann er auch zu einem kritischen Urteil kommen und Sie gar nicht weiterleiten oder nur mit einem kritischen Bericht. Dann hätten Sie Nachteile, gingen Sie diesen Weg.

Erst wenn er mit Ihnen ein ausführliches Gespräch (von Angesicht zu Angesicht, nicht nur am Telefon!) führt und Sie danach lobt /empfiehlt (was Sie nie so genau wissen können), hätten Sie durch seine Mitwirkung möglicherweise einen Vorteil.

Schätzen wir einmal grob: Gut die Hälfte aller Gespräche, die man mit Bewerbern führt, hat eine „fördernde“, die andere Hälfte eine „eher bremsende“ Wirkung auf den vom Bewerber angestrebten Zweck. Seien Sie also vorsichtig.

Fehlte Ihnen durch Ihre ausschließlich direkte Bewerbung nun ein Beraterlob, das Sie andernfalls vielleicht erhalten hätten, machte das auch nichts: Bei der Vielzahl der „sprudelnden“ Quellen, aus den hier(!) Bewerber auftauchten, wird sich das Unternehmen ohnehin vorrangig ein eigenes Urteil über die Bewerber bilden. In diesem Fall waren die Berater nur als Lieferant zusätzlicher Bewerberadressen, nicht aber wegen ihres Beurteilungsvermögens eingesetzt worden.

Also gilt bis hierher: Wenn der direkte Weg durch eine Anzeige des Unternehmens offen ist, gehen Sie den. Nur den.Aber jetzt zum gesamten Vorgang: Ich hatte Sie zunächst so verstanden, dass das suchende Unternehmen nicht nur eine eigene Anzeige aufgegeben, sondern auch noch mehreren(!) Beratern jeweils die gezielte Suche bezahlt hätte. Das wäre absolut ungewöhnlich, da viel zu teuer und in der Sache auch sinnlos.

Also wird es so gewesen sein: Das Unternehmen hat selbst inseriert und zusätzlich nebenbei mehreren Beratern den Bedarf mitgeteilt. Diese haben dann nicht kostenintensiv inseriert oder recherchiert, sondern ein bisschen in ihren Dateien gesucht oder in der Branche herumtelefoniert. Ihr Auftrag von dem Unternehmen dürfte lauten: „Bringen Sie einen Kandidaten, den wir einstellen, honorieren wir das. Stellen wir niemanden ein, den Sie gebracht haben, zahlen wir nichts.“ Das erklärt Ihre „mehreren“ Berater – kein Risiko für das Unternehmen, das sich mit seinem Vorgehen sicher besonders clever vorkam.

Da der Berater hier nun nur am Erfolg interessiert ist, weil er nur dann honoriert wird, gibt man auch nicht viel auf sein Urteil über die Bewerber – er ist nicht Gutachter-Instanz, er ist Partei mit handfester Interessenlage. Also begnügt sich das Unternehmen mit gelieferten Grunddaten über die Bewerber.

Jetzt kommt bei diesem Fall noch ein Problem hinzu: Das Unternehmen zahlt dem Berater in dieser Konstellation nur Honorar, wenn ein von ihm benannter Kandidat eingestellt wird. Hätte es Ihre Unterlagen aber schon selbst vorliegen, würde es den Berater als zu bezahlenden „Lieferanten“ Ihrer Daten nicht anerkennen wollen. Das wiederum könnte zu Ärger führen, in dessen Mittelpunkt Sie stehen.Natürlich weiß ich nicht, ob es hier so war, ich nehme es aber an. Dann aber würde sich auch aus dieser Überlegung ergeben, dass Sie den direkten Weg wählen und den Sie eventuell kontaktierenden Beratern das auch sagen sollten (keine Doppelbewerbungen).

Es gibt sogar noch einen dritten Grund, der in Ihrem Fall (Bewerbung liegt dem suchenden Unternehmen schon vor) gegen zusätzliche Bewerbungen bei gleichzeitig suchenden Beratern spricht: die „Inflation“ Ihres Namens beim letzten Entscheidungsträger. Der bekäme die Unterlagen „Peter Müller“ von der eigenen Personalabteilung, von Berater A, von Berater B und dann von C. Dazu muss man wissen, dass sich „kein Mensch“ Namen von Bewerbern merkt. Erst auf der zweiten Seite des Lebenslaufes erkennt der Entscheidungsträger vielleicht, dass er das alles schon einmal gelesen hat – vor sieben Tagen war diese Unterlage schon einmal im Posteingang. Das ist ärgerlich. Noch ärgerlicher ist es, wenn nach einer weiteren Woche eine weitere Ausgabe von „Peter Müller“ auftaucht – wobei man erst lange in längst abgelegten Unterlagen wühlen muss, bis der Verdacht Gewissheit wird.

Übrigens: Üblich ist dieser komplizierte Mehrfachweg grundsätzlich nicht, also nur keine Angst. „Schuld“ hat das suchende Unternehmen, das seine Hosen nicht nur mit dem Gürtel sicherte, sondern gleichzeitig auch noch billig erstandene Hosenträger einsetzte. Was ja nicht verboten ist.

Und zur Beruhigung: Ein Bewerber, der in einem solchen Fall die Anzeige des suchenden Unternehmens nicht gelesen hat und sich nur von einem(!) Berater beim Kunden vorlegen lässt, hat keinen Nachteil zu erwarten.

Kurzantwort:

Sollten sich für einen Bewerber mehrere „offizielle“ Wege zum suchenden Unternehmen ergeben, hat eine direkte Bewerbung dort nur Vorteile. Vermeiden sollte er aber in jedem Fall, dass seine Unterlagen aus mehreren Richtungen gleichzeitig auf den Schreibtisch des suchenden Entscheidungsträgers strömen – Inflation entwertet.

Frage-Nr.: 1741
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-03-22

Top Stellenangebote

PERO AG-Firmenlogo
PERO AG Vertriebsingenieur (m/w/d) International Königsbrunn
Stadt GÖTTINGEN-Firmenlogo
Stadt GÖTTINGEN Stadträtin / Stadtrat Göttingen
KEOLIS Deutschland GmbH & Co. KG-Firmenlogo
KEOLIS Deutschland GmbH & Co. KG Referent Betriebsplanung (m/w/d) Hamm
DYWIDAG-Systems International GmbH-Firmenlogo
DYWIDAG-Systems International GmbH Ingenieur (m/w/d) für den Vertrieb von geotechnischen Systemen Königsbrunn
Dr. Schmidt & Partner Group-Firmenlogo
Dr. Schmidt & Partner Group Kalkulator (m/w/d) Infrastrukturprojekte Stuttgart,München, Großraum Nürnberg
über Dr. Schmidt & Partner Group-Firmenlogo
über Dr. Schmidt & Partner Group Bau- / Projektleiter (m/w/d) Infrastrukturprojekte Stuttgart, Großraum Nürnberg
DeguDent GmbH-Firmenlogo
DeguDent GmbH Keramikingenieure (m/w/divers) Entwicklung Strukturwerkstoffe Hanau
MSA Technologies and Enterprise Services GmbH-Firmenlogo
MSA Technologies and Enterprise Services GmbH New Product Development Project Manager / Tender Manager Operations (w/m/d) Berlin
Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen Technischer Sachbearbeiter mit taktischen Anteilen (m/w/d) Duisburg
Stuttgarter Straßenbahnen AG-Firmenlogo
Stuttgarter Straßenbahnen AG Elektroingenieur / Ingenieur als Planer von Elektroanlagen (m/w/d) Stuttgart

Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell: B…