Heiko Mell

Wie gehören fachfremde Tätigkeiten in den Lebenslauf?

Frage/1: Ich bin mir bei der Darstellung von zwei Aspekten in meinem Lebenslauf nicht sicher. Bei mancher Bewerbung wäre ihre Erwähnung von Vorteil, bei anderen sollte man sie sicherlich weglassen.

Frage/2: a) Während meines Ingenieurstudiums verbrachte ich ein reichliches halbes Jahr in Australien, um richtig Englisch zu lernen. Ein Großteil der Zeit verbrachte ich mit Tätigkeiten in Handwerk/Landwirtschaft. Das waren keine Praktika, ich besitze auch keine Bescheinigungen über diese fachfremden Tätigkeiten.

Wie stellt man diese Zeit im Lebenslauf dar bzw. in welche Kategorie gehört sie? Lässt man diese Zeit weg, so entstehen zwei Fragen: „Woher können Sie fließend Englisch?“ und: „Warum dauerte Ihr Studium so lange?“

b) In meiner Studienzeit und danach als Mitarbeiter an der Uni verbrachte ich viel Zeit, indem ich bei der Betreuung von Studenten aus dem Ausland half (Arztbesuche, Behördengänge usw.). Kann man das im Lebenslauf erwähnen, wenn lt. Anzeige Bewerber gesucht werden, die Erfahrung haben im (bzw. offen sind für) „Umgang mit anderen Kulturen“? Oder reicht die Erwähnung im Anschreiben?

Antwort:

Antwort/1: Sie sprechen ein wichtiges Grundprinzip der Bewerbungstechnik an:

Zunächst erarbeitet man eine Rohfassung des Lebenslaufs, in der einfach „alles“ erwähnt wird. Was immer Ihnen einfällt: hinein damit. Aber von Anfang an in einer richtigen, sauber ausgearbeiteten Form (Muster siehe auf der Homepage meines Unternehmens, Adresse steht unter diesem Beitrag).

Dies ist dann der „Rohling“, aus dem Sie anschließend den passenden „Schlüssel“ feilen, der letztlich in das „Schloss“ passt, das die Zielposition Ihrer Bewerbung darstellt.

Übertragen auf die Bewerbungstechnik: Allein durch Streichen oder partielles Umformulieren erarbeiten Sie dann aus der Rohfassung den jeweils zu versendenden Lebenslauf. Drei Aspekte sind mir dabei besonders wichtig:

1. Der Lebenslauf ist eine individuelle fallbezogene Problemlösung. Im Prinzip sind niemals zwei oder mehr von Ihnen zu einem bestimmten Zeitpunkt versandte Dokumente im Text identisch. Auch auf zwei verschiedene Schlösser passt niemals derselbe Schlüssel!

2. Besonders gefährlich ist es (wird aber sehr gern „genommen“), bei Bewerbungen im Jahr 2002 den Lebenslauf aus 1997 zu nehmen und ihn ungelesen lediglich um die jüngsten Ereignisse zu ergänzen. Sie würden sich wundern, was dabei z. T. herauskommt.

3. Die jeweilige Überarbeitung der Rohfassung des Lebenslaufs sollte auch scheinbare Banalitäten umfassen. Nehmen wir als Beispiel den Familienstand: Sie sind vielleicht verheiratet, haben kleine Kinder – das steht korrekt in der Rohfassung. Nun überlegen Sie:Die anvisierte Zielposition X ist „stationär“ (also mit festem Arbeitsplatz) in der Provinz angesiedelt und erfordert eine gewisse Vorliebe für Großstadtferne und „viel Gegend“. Also: „verheiratet, 2 Kinder (4 + 2)“ bleibt unter Familienstand stehen, es passt viel besser als „ledig“ gepasst hätte.

Dann die Zielposition Y: Sie erfordert nicht nur Umzugsbereitschaft in die teure Weltstadt-Region, sondern auch später viel Mobilität, Bereitschaft zu längeren Reisen und mehrwöchigen Auslandseinsätzen. Da könnte der Bewerbungsempfänger denken: „Dieser Kandidat bewirbt sich zwar, aber was beweist das schon? Vermutlich hat er, wie die meisten anderen auch, die Anzeige überhaupt nicht bis zum Ende gelesen. Mit Frau und kleinen Kindern zu Hause gibt das doch nur Ärger bei den ständigen Abwesenheiten.“ Und dann präferiert er vielleicht den Mitbewerber Müller, der „ledig“ schreibt.

Nun sollen Sie deswegen nicht etwa lügen beim Familienstand. Das darf man bei Fakten niemals! Aber niemand zwingt Sie beispielsweise, überhaupt einen Familienstand anzugeben, lassen Sie den in diesem Fall einfach komplett weg. Daran scheitert Ihre Bewerbung nicht – und im Vorstellungsgespräch können Sie dann lächelnd erklären, Ihre Frau sei ganz gern einmal ein paar Tage ohne Sie (oder etwas in der Art).

Was meinen Sie, was ein erfahrener, geschickter „Schlosser“ aus eigentlich unvollkommenen Rohlingen alles „zaubert“. Und meine Empfehlung gilt für Anfänger ebenso wie für Manager.

Antwort/2: Bei Fähigkeiten oder Kenntnissen ist das Haben derselben wichtiger als die Frage nach dem Woher. Fließendes Englisch ist heute gegenüber jüngeren Bewerbern eine so absolut selbstverständliche Forderung, dass die Details des Erwerbs nur von sekundärem Interesse sind. Was Sie im Lebenslauf und/oder Anschreiben behaupten, wird zunächst einmal geglaubt. Also schreiben Sie erstens in die Rubrik „Studium“: „von … bis … Aufenthalt in Australien (Ausbau der Englischkenntnisse, verschiedene Arbeitsverhältnisse)“; das erklärt gleichzeitig ein bisschen die Studiendauer (entschuldigt sie aber nicht; Ziel ist ein kurzes Studium, nicht die gute Ausrede für ein längeres).

Zweitens schreiben Sie in die Rubrik „Fremdsprachen“ am Schluss des Lebenslaufes: „Englisch: fließend in Wort und Schrift (halbjähriger Arbeitsaufenthalt in Australien während des Studiums, seitdem häufiger Sprachgebrauch sowie ständige englische Lektüre)“.

Zu b): Schreiben Sie in die Rubrik „Sonstiges“ des Lebenslaufes: „Von … bis … engagiert in der Betreuung ausländischer Studenten (Arztbesuche, Behördengänge etc.), dadurch Erwerb vertieften Verständnisses für fremde Kulturen.“

Kurzantwort:

Der optimale Lebenslauf wird jeweils individuell aus einer pauschalen Rohfassung passend zur jeweiligen Zielposition herausgearbeitet (wie der zu einem Schloss passende Schlüssel aus einem Rohling).

Frage-Nr.: 1712
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 47
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-11-22

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