Heiko Mell

Wann ist ein zweiter Versuch erlaubt?

Wenn ich mich erfolglos (Absage) bei einem Unternehmen um eine Position beworben habe: Wie lange lohnt eine Bewerbung bei dieser Firma um eine andere Position nicht, weil die Personalabteilung mich wiedererkennen würde?

Soll ich von dieser Firma eventuell längere Zeit die Finger lassen, bis Gras über die Sache gewachsen ist?

Antwort:

Bei Absagen, die Sie erhalten, gibt es mehrere mögliche Hintergründe:

a) Sie entsprechend generell dem Firmen-Standard nicht. Beispielsweise haben Sie zu oft gewechselt, Ihnen fehlt ein roter Faden im Lebenslauf, Sie sind zu alt, stellen „unmögliche“ Gehaltsforderungen, haben schlechte Zeugnisse, wurden mehrfach entlassen etc. Dann wäre jede weitere Bewerbung dort zwecklos.

Das Problem: Aus wohlerwogenen Gründen sagt man Ihnen „so etwas“ bei der Absage nicht, sondern ergeht sich in Allgemeinplätzen.

b) Sie entsprechen sehr wohl dem Firmen-Standard, passen nur nicht zu der speziellen Position. Vielleicht fehlt Ihnen ein fachliches Detail in der Qualifikation oder Sie sind schon zu „weit“ in Ihrer Entwicklung gekommen usw. Dann könnten Sie sich mit besten Aussichten um eine andere Position dieses Hauses bemühen. Die Firma würde das vermutlich nicht nur akzeptieren, sondern sogar begrüßen. Aber auch darüber schweigt sich eine Absage im Normalfall aus.

c) Sie passen sowohl zum Firmen-Standard als auch im Detail zur fraglichen Position – aber ausgerechnet kurz nach der Veröffentlichung des Inserats taucht wie ein „Kistenteufelchen“ plötzlich der gefürchtete „Bewerber aus dem Hause“ oder „Kandidat aus einer anderen Quelle“ auf. Und da der Mensch stets bevorzugt, was er schon kennt oder wozu er eine Beziehung/Verbindung hat, bekommt jener Bewerber den Job. Und Sie eine Absage.

Da Sie nie ganz sicher sein können, was in Ihrem Fall die Ursache war, gilt allgemein:

1. Lassen Sie sich von der Absage eines Unternehmens generell nicht davon abhalten, sich dort nach einigen Wochen um eine andere Position erneut zu bewerben.

2. Bekommen Sie dann allerdings wieder eine Absage, ohne wenigstens im Vorstellungsgespräch gewesen zu sein, sollten Sie dieses Unternehmen für viele Monate von Ihrer Liste streichen.

3. Es geht bei wiederholten Absagen eines Hauses weniger darum, dass das Unternehmen in einer Datei nachsieht, ob Sie schon einmal eine Absage erhalten hatten und Sie dann als hoffnungslosen Fall einstuft. Die Sache ist viel einfacher: Bei mehreren Fehlversuchen sind Sie einer (hoffnungsloser Fall). Ihre Vorstellungen von „Ich erfülle die Anforderungen“ und die Wünsche des Unternehmens liegen meilenweit auseinander, ständige neue Versuche machen die Sache auch nicht besser. Irgendwann kennt man dort Ihren Namen und Ihr Gesicht („Der schon wieder…“).

4. Es bleibt dem Fachmann nahezu unbegreiflich, warum Bewerber generell ein so gestörtes Verhältnis zu einer selbstkritischen Betrachtung ihrer Qualifikation im Hinblick auf die Eignung für eine bestimmte Position haben. Dass sie diese Stelle gern hätten, dass dies ihr Traumjob wäre, dass sie sich die Übernahme dieser Aufgabe „gut vorstellen“ könnten, beweist ja überhaupt noch nichts.“

Das ist genau das, was ich heute mache, damit bin ich doch voll qualifiziert“ – damit unterstrich der Kandidat seine Eignung für eine Position, deren Beschreibung er aus der Zeitung ausgeschnitten und mitgebracht hatte. „Ja“, sagte leicht genervt der Fachmann im persönlichen Karriereberatungsgespräch, „aber Sie tun es erst seit sechs Wochen – nach acht fachfremd verbrachten Jahren.“ Und war wieder ein Schritt näher an dem Punkt angekommen, an dem er den „Glauben an die Menschheit“ völlig verlieren wird. Eines fernen Tages.

Kurzantwort:

Leider kann der Bewerber den üblichen Absagetexten die Begründung nicht entnehmen. So ist er auf eine selbstkritische Analyse angewiesen, ob er nur zu der Position oder zur ganzen Firma nicht gepasst hat.

Frage-Nr.: 1674
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 22
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-05-31

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