Heiko Mell

Wer die Wahl hat …

Ein Unternehmen bot vor einiger Zeit eine Position an, auf die ich mich bewarb. Gleichzeitig bot dieses Unternehmen eine zweite, ebenfalls interessante Position an. Am liebsten hätte ich mich auf beide beworben, mit Bevorzugung der erstgenannten.

Wie kann man als Bewerber Interesse an einer „Ersatz“-Position deutlich machen, ohne zu signalisieren, dass man an der ersten Position doch nicht sehr interessiert ist?

Ich fand keine Lösung und bewarb mich (erfolglos) nur für die Traumposition, ohne die andere zu erwähnen.

Antwort:

„Um“ – nicht „für“ – bewirbt man sich, denken Sie stets daran. Aber damit ist das Problem noch nicht gelöst.

Das wiederum stellt sich dem Fachmann ganz anders dar: Konkret gesagt, existiert es so gar nicht!

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr Bewerber bei ihren Zielpositionen „streuen“. Meist merkt man das ja nicht, weil man als suchendes Unternehmen immer nur jeweils eine Position einer bestimmten Richtung ausschreibt – und nicht sieht, auf welche extrem anderen Anzeigen derselbe Bewerber auch noch antwortet. Aber mitunter hat man gleichzeitig mehrere Inserate in der Zeitung – und dann registriert man äußerst verblüfft, dass ein Kandidat auf zwei davon reflektiert – die nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben.

Die Leute sind imstande, sich gleichzeitig als Entwicklungsingenieur und Technischer Leiter zu bewerben oder irgendetwas in der Art. Beliebt ist auch das zeitgleiche Interesse an einem Anfängerjob und an einer Stelle, die fünf Jahre Praxis voraussetzt: Ja, was denn nun?

Es liest sich vielleicht verblüffend, aber es gilt: Hätte das inserierende Unternehmen gedacht, zwei Positionen seien so ähnlich, dass ein und dieselbe Person sich um beide bewerben könnte – dann hätte es dies in der Anzeigengestaltung zum Ausdruck gebracht. Indem es beispielsweise aus beiden Fällen ein Inserat gemacht hätte – das stets weniger kostet.

Oft legen mir private Klienten im Beratungsgespräch ausgeschnittene Anzeigen vor, die sie interessant finden. Auch da sind häufig Ausschreibungen darunter, bei denen ich keine Gemeinsamkeit erkenne.

Mein Rat lautet daher: Analysieren Sie jede Anzeige sorgfältig, vergleichen Sie alle Angaben mit Ihren Gegebenheiten. Sie werden dann mit höchster Sicherheit nicht zwei Inserate desselben Hauses übrigbehalten, die beide für Sie interessant sind – und lt. Anforderungsprofil auch in Frage kommen.

Vielleicht lassen Sie – und andere – sich auch jeweils mehr von dem suchenden Unternehmen und seinem Image beeinflussen. Dort wollen Sie gern hin – und beide Angebote wären grundsätzlich als Mittel zum Zweck geeignet, eines vielleicht ein wenig mehr als das andere. Dann aber sind die Positionen nur zwei Sekundärziele, Primärziel wäre jeweils der Arbeitgeber. Das jedoch sollte es aus der Sicht einer Karriereberatung gar nicht geben! Es muss um den Job gehen – und da passt meist nur einer wirklich richtig. Der andere wäre dann doch „II. Wahl“ und die sollte man möglichst gar nicht haben wollen.

Mein Rat also: Seien Sie höchst misstrauisch, wenn Sie wieder einmal zwei verschiedene Positionen desselben Inserenten ausgeschrieben sehen, die Sie beide haben möchten. Eigentlich darf Ihnen das gar nicht unterlaufen.

Für den Fall, dass Sie doch …: Der Bewerber verliert an Glaubwürdigkeit, wenn er zwei verschiedene Positionen gleichzeitig anstrebt. Er soll ja stets Begeisterung für die Zielposition zeigen und keine Standard-Bewerbung abliefern, sondern jeweils konkret auf die angebotene Stelle eingehen. Je mehr er sich auf die eine konzentriert, desto mehr entfernt er sich von der anderen. Es ist wie bei zwei Freundinnen, denen ein junger Mann gleichzeitig Liebesbriefe schreibt (wobei er weiß, dass beide sie lesen): Lobt er die langen schwarzen Haare der einen (was durchaus akzeptabel wäre, gäbe es nur sie), tritt er der blonden Kurzhaar-Dame auf die Füße. Und schon ganz allgemein ist es wenig erfolgversprechend, den beiden mitzuteilen, er bevorzuge die eine, nähme aber „notfalls“ auch die andere. Wer will „notfalls“ genommen werden? Nicht einmal die bevorzugte „Traumfrau“ mag lesen, dass er sofort ein „Ausweichziel“ parat hat.

Oder möchten Sie als Bewerber in einem Bescheid des Unternehmens zur Kenntnis nehmen, man bevorzuge eigentlich einen Mitbewerber, sollte der jedoch nicht wollen, dann nähme man notfalls eben Sie?

Nun haben Sie sich lt. Ihrer Schilderung ja für eine Position entschieden – und eine Absage bekommen. Da nun gilt: Kommt dieser Ablehnungsbescheid ohne Einladung zum Vorstellungsgespräch, dann waren Sie nicht kritisch genug sich selbst gegenüber. Wenn ein Job für Sie Traumposition ist und Sie aus der Sicht des Inserenten so weit von der „Traumqualifikation“ weg sind, dass Sie nicht einmal eingeladen wurden, dann sind Sie unrealistisch an die Sache herangegangen.

Vergessen Sie nicht: Aus der Sicht von Unternehmen ist die Bewerbungsanalyse keine Geheimwissenschaft, sondern beim sachlichen Durchlesen der Unterlagen ergibt sich nahezu „von selbst“ die Entscheidung über Einladung oder Ablehnung.

Wenn Sie mögen, schicken Sie mir den Fall (Anzeige + komplette Bewerbung). Ich versuche herauszufinden, woran es gelegen hat. Meist ist das für einen Fachmann gar nicht so schwierig.

Immerhin: Sie haben etwas gewagt – und nicht gewonnen. Das gehört zum „Geschäft“. Und ob Sie andernfalls die II. Wahl-Position bekommen hätten, ist ja auch noch nicht sicher.

Kurzantwort:

Es ist ziemlich unrealistisch, zwei gleichzeitig ausgeschriebene Positionen eines Unternehmens als so „passend“ zu empfinden, dass man sich um beide bewerben möchte – vermutlich passt man eher auf keine davon!

Frage-Nr.: 1673
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 22
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-05-31

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