Heiko Mell

Kostüm oder Seemannspulli?

Ich (w., 23 J.) suche eine Tätigkeit im Anlagenbau oder in der chemischen Produktion.

Prinzipiell heißt es, man solle als Frau elegant und etwas konservativ gekleidet sein (Kostüm etc.). Ich frage mich allerdings, ob das für eine Tätigkeit in den Anlagen angebracht ist. Es ist davon auszugehen, dass ich nicht nur im Büro, sondern auch viel draußen zu tun haben werde, ich möchte also keinen zu zimperlichen Eindruck vermitteln. Von meiner Art her bin ich auch keineswegs der Mensch, der in Kostüm oder Blazer zur Arbeit geht, eher im bequemen Seemannspulli.

Sollte ich versuchen, einen Mittelweg zu gehen, also Stoffhose, Blazer, Halbschuhe oder doch besser das elegante Kostüm mit Damenschuhen, was eigentlich überhaupt nicht meiner Art entspricht?

Antwort:

Da haben Sie einen Volltreffer gelandet! Endlich einmal werde ich zu meinem Spezialthema, der Damenmode, gefragt. Es gibt, im Vertrauen gesagt, so manches Sachgebiet, von dem ich so gut wie nichts verstehe, aber alles wird von diesem Bereich in den Schatten gestellt.

Zunächst habe ich bei „Stoffhose“ etwas gezuckt: Hosen aus Stoff, schön, aber was wäre die Alternative gewesen? Leopardenfell, Lackleder? Aber wenn jemand Seemannspullis mag, wird er kaum dergestalt aufkreuzen. Und mit dem Unterschied zwischen Halb- und Damenschuhen (tragen Damen keine Halbschuhe?) habe ich auch so meine Probleme. „Pumps meint sie“, sagt meine Sekretärin, die mir das Problem sichtlich gönnt und die Fragestellerin erkennbar bedauert (weil sie damit ausgerechnet an mich geraten ist). Pumps kenne ich, das müssen diese grazilen Kunstwerke mit Pfennigabsätzen sein. Oder sind letztere bereits überwunden oder doch vorübergehend als „unmöglich“ eingestuft? Man weiß ja nie. Frau hingegen weiß immer, was gerade angesagt ist. Woher, bleibt mir ein ewiges Rätsel.

Geehrte Einsenderin, auch diese Einleitung verfolgt einen tieferen Zweck: Sie soll zeigen, dass es viele Männer gibt, die sich weder zutrauen würden, ein Urteil über die Frage abzugeben, ob dieses oder jenes Detail im Outfit einer Dame dem Anlass entspricht oder zu anderen gezeigten Details passt, noch sich dafür überhaupt interessieren. Das gilt dann beispielsweise für die Art der Schuhe zum getragenen Kleid etc.

Aber jeder Mensch, auch jeder Mann, hat ein Gefühl, ob der gesamte „Anputz“ eines anderen dem Anlass grundsätzlich entspricht, ob er ihn für angemessen hält oder eben nicht. Wobei Abweichungen nach unten wie auch nach oben gleichermaßen daneben gehen können.

Schwieriger stelle ich mir die Sache vor, wenn Sie als Frau an eine Frau als Entscheidungsträgerin geraten. Je nach Einstellung zum Thema wird die schneller und sicherer mit ihrem Urteil bei der Hand sein. Aber, und das relativiert vieles, auch sie wird beachten, um was für eine Art Job es geht bei der Vorstellung! Während für eine Vorstandssekretärin im Einzelfall bereits die Art der Betonung ihrer Fingernägel das Aus bedeuten kann (kein Scherz), wird man bei einer Ingenieurin für die Montage oder Inbetriebnahme von Anlagen auch über farblich oder von der Machart her zur restlichen Kleidung „kontrastierendes“ Schuhwerk weitgehend hinwegsehen.

Ich sehe nun sehr viele Bewerber und Bewerberinnen, anschließend höre ich, was meine Kunden, die keineswegs etwa eine homogene Gruppe bilden, von denen halten – man tauscht sich aus. Daraus leite ich folgende Empfehlungen ab (für Männer und Frauen).

1. Die Art der getragenen „Hauptkleidung“ (Anzug, Kostüm o. ä.) soll schon unterstreichen, dass dies für den Bewerber (geschlechtsneutraler Ausdruck) ein besonderer Anlass ist. Auch wer beispielsweise zur Promotionsprüfung antritt, sollte nicht im an der Uni üblichen Alltagsaufzug erscheinen.

2. Als Tipp hat sich bewährt: Zur Vorstellung eine Stufe „besser“ gekleidet sein als beim späteren täglichen Einsatz im Job, um den es geht. Und: Man darf ruhig sehen, dass dieser Anzug, dieses Kostüm extra für diesen Anlass ausgewählt wurde (aus dem Kleiderschrank, niemand setzt einen Neukauf voraus).

3. Sowohl für die „Hauptkleidung“ als insbesondere auch für die Accessoires (wozu ich hier in sicher nicht ganz korrekter Art und Weise auch einmal die Schuhe zählen möchte) gilt: Ausrichtung auf die angestrebte Position. Die Empfangssekretärin in einer Werbeagentur muss da ganz anders „rangehen“ als die künftige Inbetriebnahmeingenieurin im Anlagenbau – ebenso wie der potenzielle Chef-Justiziar nicht äußerlich identisch sein kann mit dem Jungingenieur, der als Betriebsleiterassistent in die Werksinstandhaltung will.

In dieses Kapitel gehören auch Frisur, Make-up, Duft, Schmuck etc.

Ich habe schon einem Berufsanfänger sagen müssen, dass eine goldene Rolex mit goldenem Band auch dann deplaziert ist, wenn Vater sie sich als Geschenk leisten konnte.

Für Sie, geehrte Einsenderin, kann also die „Stoffhose“ zum Blazer ebenso passend sein wie ein schlichtes Kostüm mit Halbschuhen. Der größte Fehler wäre es, wenn Sie entweder im Seemannspulli oder „aufgedonnert“ mit superkurzem Röckchen, Pfennigabsätzen und der Duftfahne einer mittelgroßen Parfümerie erschienen. Sie können für diesen Job(!) ruhig etwas „handfest/erdverbunden“ wirken statt etwa „modisch-elegant“ – das anderswo besser hinpasst. Aber dass Sie sich für dieses Gespräch doch ein wenig Mühe gegeben haben, dem besonderen Anlass gerecht zu werden, soll man schon sehen. Niemand erwartet, dass Sie dann exakt „so“ auf Baustellen herumstiefeln. Man ist ja auch bei seiner Hochzeit eleganter gekleidet als im Ehealltag danach – wir haben es also hier schlicht mit menschlichem Standardverhalten zu tun.

Kurzantwort:

Die Kleidung im Vorstellungsgespräch soll schon dem „Besonderen“ dieses Anlasses entsprechen und dabei den Anspruch der Zielposition mit berücksichtigen. Bewährt hat sich: eine Stufe/Klasse besser als im späteren Job.

Frage-Nr.: 1667
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 18
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-05-02

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