Heiko Mell

Arbeitgeber nennen?

Ich plane einen Berufswechsel, von dem mein Arbeitgeber (logischerweise) nichts weiß. Ist es daher sinnvoll, dass ich meinen derzeitigen Arbeitgeber namentlich in meiner Bewerbung (entweder im Anschreiben oder im Lebenslauf) benenne?

Antwort:

Es ist mir einfach nicht gegeben, Menschen fundamentale Fehler vorzuhalten und dabei nett und sympathisch zu wirken. Übrigens nicht auf die mit den Fehlern – die nehmen das irgendwie hin. Nein, es geht um andere, eher unbetroffene Leser, von denen sich ein kleiner Teil immer noch beharrlich weigert, mich so richtig ins Herz zu schließen. Also verzichte ich auf das Sekundärziel, dabei nett zu erscheinen und sage es einfach:

Ein Friseur, der Bäcker werden möchte, plant einen Berufswechsel. Ein Friseur, der heute bei Meister A beschäftigt ist und nun lieber als Friseur im Salon von Meister B tätig sein möchte, plant einen Arbeitgeberwechsel, bleibt aber im bisherigen Beruf. Das musste sein.

Zur Sache: Es ist üblich, den Arbeitgeber in Bewerbungen zu nennen. Etwa 90 % der Bewerber tun das (geschätzt). Man sollte davon nur abweichen, wenn man spezielle, über den Aspekt des Schutzes eines normalen ungekündigten Arbeitsverhältnisses hinausgehende Gründe hat, zum Beispiel diese:

– Man ist in einer als „eng“ bekannten Branchen tätig, in der es zahlreiche Querverbindungen gibt und bewirbt sich auch wieder in dieser Branche.

– Man befürchtet gar keine wirkliche Indiskretion, sondern hält einfach den eigenen Arbeitgeber für nicht so attraktiv in der Wirkung auf Bewerbungsempfänger. Erfundenes Beispiel: Sie könnten Betriebsleiter bei einem Windelreinigungsservice sein und befürchten eine eher ablehnende Grundhaltung des Lesers. Dann könnten Sie schreiben: „… Betriebsleiter bei einem aufstrebenden Dienstleistungsunternehmen mit höchstem Qualitätsanspruch.“

Nachteile der anonymen Darstellung:

– Man verzichtet auf die positive „Schubkraft“, die der Name eines renommierten Arbeitgebers der Bewerbung unbedingt verleiht! Und man zeigt dem Bewerbungsempfänger, dass man ihm misstraut.

Achtung: Die anonyme Darstellung verlangt eine gewisse Grundintelligenz des Bewerbers, sonst geht der Schuss nach hinten los. Negativbeispiele:

– Angabe eines „bedeutenden deutschen Automobilkonzerns“ in einer Zuschrift mit der Absenderangabe „Wolfsburg“.

– Beifügung einer Seminarbescheinigung „nahm teil an einer Veranstaltung im Auftrag des XY-Konzerns“, wobei das Datum in die Dienstzeit beim „nicht genannten“ Arbeitgeber fällt.

Warnung: Die Anonymisierung wird übel vermerkt, wenn sich aus der Bewerbung ergibt oder später herausstellt, dass gar kein Schutzbedürfnis mehr bestand, also z. B. ein Aufhebungsvertrag abgeschlossen worden oder die Freistellung veranlasst worden war.

Ganz ohne Einschränkung gilt: Spätestens im (ersten) Vorstellungsgespräch muss der Name des Arbeitgebers genannt werden.

Kurzantwort:

Es ist üblich, den derzeitigen Arbeitgeber in der Bewerbung zu nennen, auch wenn man dort in ungekündigtem Arbeitsverhältnis steht. Wer davon abweicht, sollte ganz besondere Gründe dafür haben.

Frage-Nr.: 1529
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-09-29

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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