Heiko Mell 01.01.2016, 08:06 Uhr

Pro Ingenieur ein Auto

Anbei ein Artikel aus der hiesigen Tageszeitung. Darin wirbt mein Arbeitgeber um neue Mitarbeiter im Ingenieurbereich mit der konkreten Bereitstellung eines Smart-Pkw für ein Jahr. An Ihrer These, dass jetzt eine gute für einen Firmenwechsel Zeit ist, muss wirklich etwas dran sein [Die Satzstellung in unserer Muttersprache folgt Regeln, die ich hier nicht erläutern kann; so ist es aber falsch – irgendwie oder nicht oder doch? Der Autor].

Mein erster Gedanke war: Warum bekomme ich als Angestellter dieser Firma nicht auch für ein Jahr ein Auto bezahlt dafür, dass ich nicht kündige? Ich wäre auch mit anderen Zuwendungen einverstanden. Je länger ich nachdenke, desto mehr Zweifel kommen mir: Abgesehen von der Versteuerungsfrage ist doch ein Kleinwagen ein schwacher Trost, wenn die Stelle sich als Flop erweist. Was halten Sie von einer Firma, die solche Maßnahmen nötig hat? Oder ist so etwas zwischenzeitlich ganz normal?

Antwort:

Also es geht lt. Zeitungsausschnitt nur(!) um Hochschulabsolventen. Das Motiv des Unternehmens: „Die Jungen gehen eindeutig lieber in die Metropolen, die …region ist für sie nicht attraktiv.“

Also: Ohne Auto oder sonstige „Bonbons“ kommen nicht genügend Absolventen, jedenfalls nicht in der jetzigen Arbeitsmarktsituation (an der die Wirtschaft mitschuldig ist, weil sie 1993 ganze Absolventengenerationen im Regen stehen ließ, worauf die nächste Generation das „chancenlose“ Ingenieurstudium mied, woraufhin jetzt …).

Wenn Stellen auf konventionelle Weise nicht besetzt werden können, muss etwas geschehen. Den Zielpersonen muss also etwas geboten werden und sei es eine „Kopfprämie“. Gehaltszuschläge sind schlecht: Sie wirken ewig nach, kosten noch in zehn Jahren Geld. Außerdem bringen sie die interne Struktur durcheinander, wenn Leute ohne Praxis plötzlich mehr verdienen als solche mit zwei Jahren Erfahrung (auch das hat es anderswo schon gegeben, als Firmenleitungen vorschnell „Maßnahmen“ beschlossen).

Autos dieser Art sind unter diesem Aspekt harmlos: Nach einem Jahr sind sie weg, die Kosten entfallen, die Mitarbeiter sind (hoffentlich) noch da. Dennoch bleibt ein schales Gefühl, einmal bei den Kollegen (wie Ihnen) und bei Personalfachleuten allgemein: Die Gleichbehandlung im Unternehmen ist ein hohes Gut, das man nicht gern über Bord wirft. Siehe diese Einsendung!

Ich bin ja noch viel raffinierter und hätte als Jungingenieur gedacht: Müssen die es nötig haben – sonst geht da wohl niemand hin? Wer weiß, wo da intern der Haken liegt?

Vielleicht, so denkt der Außenstehende, hätte sich für das Geld auch eine mehr mit dem Job verbundene attraktive Fördermaßnahme finden lassen. Aber die Sache mit den Autos unterliegt nicht meiner Kritik.

Frage-Nr.: 1526
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-09-22

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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