Heiko Mell

Studienfach-Wechsel

Ich habe zunächst bis zum Vorexamen an der Uni Chemieingenieurwesen studiert. Wegen der zunehmenden Chemiefeindlichkeit in Deutschland und steigendem Interesse an klassischer Ingenieurtätigkeit bin ich zum Maschinenbau übergewechselt, mit Hinübernahme der einschlägigen Fachnoten. Trotzdem ist die Studiendauer logischerweise länger als normal. Das Examen wurde jetzt mit der Note gut abgeschlossen.

Wie sollte man einen solchen Wechsel bei der (Anfangs-)Bewerbung am besten begründen? Was sollte man besser niedriger hängen? Bleibt der Wechsel ein Dauermakel?

Antwort:

Der junge Mensch darf Fehler machen. Das wird von Bewerbern viel zu selten genutzt. Jeder Bewerbungsempfänger weiß um Orientierungsprobleme, Idealismus, Träumereien – und ihre weite Verbreitung.

Wer also seinen Wechsel nach nur wenigen Semestern angegangen ist, damit rechtzeitig seine falsch eingeschätzte Begabung erkannt und entsprechend reagiert hat, darf auf Nachsicht hoffen.

Aber: „Mein Fehler war, …“ schmückt den Kandidaten ungemein, alles andere klingt fatal nach „Ausrede“. Wie „Chemiefeindlichkeit in Deutschland“. Was sollten denn die Chemieingenieure sein, die es durchgestanden haben? Helden vielleicht, weil sie trotz feindlicher Umgebung …?

Geben Sie also Erklärungen ab, die die Ursache bei Ihnen suchen (Begabung falsch eingeschätzt, mich als Abiturient nicht genügend informiert). Und nennen Sie Begründungen, die keine Wiederholungsgefahr beinhalten. Negativbeispiele: Interessenwandel – könnte ja noch einmal stattfinden; Chemiefeindlichkeit – wenn Sie in die Kfz-Industrie gehen und eines Tages Autofeindlichkeit „schick“ wird, verlassen Sie dann das Unternehmen fluchtartig oder stehen Sie etwas durch?

Natürlich ist es besser, von Anfang an das richtige Ziel gesehen zu haben. Aber ein Dauermakel bleibt der Wechsel nicht, höchstens ein Kratzer im Lack. Aber: Wenn Sie ab jetzt mehrfach unmotiviert Branchen und Tätigkeiten wechseln, dann wirkt der frühe Studienfachwechsel „verschärfend“ („der Mann weiß nie, was er will, dauernd sucht er die Lösung im Wechsel, das war schon früher so“).

Kurzantwort:

Junge Menschen dürfen Fehler machen, müssen dann aber aus denen lernen. „Mein Fehler war, …“ liest man in Bewerbungen z. B. von Absolventen viel zu selten.

Frage-Nr.: 1516
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 33
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-08-18

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