Heiko Mell

Der Ehefrau geholfen – und nun?

Ich bin Dipl.-Ing. physikalische Technik und hatte nach Studienabschluß an der FH drei Jahre als Ingenieur im Fach gearbeitet.

In den vergangenen zwei Jahren war ich meiner Ehefrau behilflich, die damals sehr überraschend erforderlich gewordene Unternehmensnachfolge in der elterlichen Tischlerei anzutreten. Da die reibungslose Fortführung des Unternehmens meiner Frau nunmehr gewährleistet ist, möchte ich wieder einer meiner Qualifikation entsprechenden Tätigkeit nachgehen.

Können Sie mir weiterhelfen?

Antwort:

Nach allgemeiner Auffassung „tut man so etwas nicht“ – ein Angestellter, der Ambitionen im Hinblick auf seinen weiteren Berufsweg und entsprechend anspruchsvolle Ziele hat, verläßt seinen Angestelltenstatus nicht für einige Zeit, um irgendwie auszusteigen und privaten Interessen nachzugehen. Wer gegen diese Regel verstößt, muß grundsätzlich mit Nachteilen rechnen. Wie diese im Detail aussehen, ist eine andere Frage (irgendwo zwischen hochgezogenen Augenbrauen des Bewerbungslesers und totaler Ablehnung, je nach individueller Betrachtung).

Natürlich kenne ich auch Fälle, in denen z. B. große Unternehmensberatungen ihren Top-Assen gestatten, nach Abschluß mehrerer Großprojekte eine mehrmonatige Auszeit zu nehmen, aber das ist nicht Standard für industrielles Denken. Ein Leiter der Entwicklung, der Produktion oder gar des Vertriebs, der auf zwei Jahre zu verschwinden gedenkt, wird insbesondere im Mittelstand auf eiskalte Ablehnung stoßen.

Natürlich müssen solche Grundregeln und Prinzipien nicht die allerhöchsten persönlichen Wertmaßstäbe sein. Jedem ist es freigestellt, anderen Werten einen höheren Rang zuzusprechen. Er muß dann den Gewinn aus seinem Tun dem Verlust aus dem Regelverstoß gegenüberstellen. Und hoffen, daß es sich gelohnt hat. Der Bewerbungsempfänger hat jedoch nichts von Ihren Vorteilen, der hat nur die Nachteile:

– Sie haben fachlich etwas den Anschluß verloren.

– Sie haben gezeigt, daß Sie in bestimmten Situationen Privates über Berufliches stellen.- Sie könnten es wieder tun („2 Jahre Unterbrechung der Berufstätigkeit wegen Renovierung des elterlichen Hauses“ ist recht beliebt).

– Aus dem Hinweis auf die ja total ortsgebundene Tischlerei in Ihrer Familie sieht er, daß Sie niemals umziehen werden (was auch dann ein Nachteil sein kann, wenn es jetzt gar nicht ansteht).

Als theoretischen Vorteil, den ein Industrieunternehmen aber nicht so sehen muß, bliebe nur die Vermutung, Sie hätten in den vergangenen zwei Jahren dennoch auch Interessantes gelernt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Aber: Erfahrungen im angestammten Job in dieser Zeit wären natürlich besser gewesen.

Was Sie nun machen können? Bewerben Sie sich einfach. Am besten um eine Position, die Ihrer letzten (vor der Tischlerei) möglichst nahe kommt (in möglichst vielen Details, von der Aufgabe bis zum Gehalt). Damit stellen Sie dem Nachteil „Unterbrechung von zwei Jahren“ den Vorteil gegenüber „das, was ich mit der Bewerbung anstrebe, habe ich schon gemacht, das kann ich also“. Dann haben andere Bewerber zwar nicht Ihre Nachteile, aber auch nicht Ihre Vorteile.

Und lassen Sie im ganzen Bewerbungsprozeß erkennen, daß Sie sich schon der Tatsache bewußt sind, etwas gemacht zu haben, das den potentiellen neuen Arbeitgeber nicht erfreuen wird. Also nicht etwa: „Ich bin nicht nur ein guter XY-Ingenieur, ich habe sogar Tischler-Erfahrung. Und ist es nicht toll, wie ich die Belange meiner Frau über meine berufliche Tätigkeit stelle?“

Damit kein Mißverständnis entsteht: Ich will Ihre Entscheidung keinesfalls kritisieren, darum geht es hier nicht. Sie handeln als freier Mensch im freien Land. Und als Trost: Derzeit deckt der Ingenieurmangel so manches zu auf dem Arbeitsmarkt.

Kurzantwort:

Und sei die Begründung auch noch so – vermeintlich – zwingend: Der Ausstieg aus einer Berufslaufbahn, um sich eine längere Zeit privaten Interessen zu widmen, führt leicht zu Problemen auf dem Arbeitsmarkt.

Frage-Nr.: 1447
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 48
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-12-03

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