Heiko Mell

Eltern in den Lebenslauf?

Ist es sinnvoll und wie wird es von Bewerbungsempfängern gewertet, neben den üblichen Daten des Lebens auch Hinweise auf das Elternhaus (Beruf des Vaters/Beruf der Mutter) zu geben? Gilt etwas Abweichendes in dieser Frage bei Noch-Schülern, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben, denn dort erfolgt ja oft der eigentliche Einstieg ins Berufsleben oder in die Karriere?

Antwort:

Drei Grundsätze gelten bei jeder Art von Bewerbung, ob es nun um Führungspositionen oder um Ausbildungsplätze geht:

1. Jeder Bewerbungsleser ist grundsätzlich interessiert an allen möglichen zusätzlichen Informationen, die ihm bei der Einschätzung der Persönlichkeit des Bewerbers helfen. Bei vielen dieser „Fragen“ hat sich der Bewerbungsempfänger jedoch daran gewöhnt, daß es nun einmal keine Antworten gibt – weil diese Aspekte üblicherweise nicht angesprochen werden oder weil mit einer negativen Reaktion des Bewerbers zu rechnen wäre, fragte man ihn.

In dem hier angesprochenen Punkt ist folgendes Verfahren üblich:

– Bewerber lassen Hinweise auf das Elternhaus weg,

– Bewerbungsempfänger sind erst einmal damit absolut zufrieden („erst einmal“ bedeutet: Sie können, wenn sie das wollen, ja später im Vorstellungsgespräch danach fragen).

Also: Sie haben keinen Nachteil, wenn Sie im Lebenslauf nichts darüber schreiben.

2. Wer einen Bewerber, seine Leistungen und Erfolge, Niederlagen und Mißerfolge insbesondere in den jüngeren Jahren, wirklich umfassend beurteilen will, müßte sich schon für die Herkunft des Kandidaten interessieren („Wie war seine Ausgangsposition, welche Förderung durch das Elternhaus kann ich unterstellen, welche Form- und Verhaltensnormen kann ich als bekannt voraussetzen und welche eher nicht?“). Also würde der Bewerbungsempfänger ganz besonders gern etwas über Eltern lesen.

3. Für einen Laien ist es sehr, meist zu(!) schwierig, in letzter Konsequenz zu wissen, was er mit Informationen über sein Elternhaus anrichtet. Daß der Bewerbungsempfänger das vielleicht recht gern wüßte, heißt ja noch nicht, daß man auch gut beraten ist, es ihm zu sagen.

Hier nur ein paar Beispiele: „Mein Vater ist Fabrikbesitzer.“ Das weist vielleicht auf eine „gute Schule“, auf gesellschaftlichen Schliff und Vertrautheit mit unternehmerischen Gedankengängen hin. Die Aussage kann aber auch als „Protzerei“ und „Angabe“ verstanden werden, sie kann beim Leser (der vielleicht selbst aus „kleinsten Verhältnissen“ kommt) Neid und damit Ablehnung hervorrufen. Und sie kann den Bewerbungserfolg gefährden: Weil der Leser „finanzielle Unabhängigkeit“ vermutet (nicht gut für Angestellte) oder weil er davon ausgeht, der Kandidat bleibe ja doch nicht im Hause, sondern wolle die Fabrik erben. Wenn aber der Empfänger selbst „Fabrikbesitzer“ ist, imponiert ihm das vielleicht ganz besonders: „Der Bursche kommt aus dem richtigen Stall.“

Und ähnlich schwierige, höchst unterschiedliche Resultate sind bei allen anderen Angaben zu Eltern auch denkbar. Der Vater ist Uni-Professor, die Mutter Gymnasiallehrerin, der Sohn hat nur Realschulreife? „Dumm und/oder faul“. Es sind Beispiele denkbar, in denen der soziale Aufsteiger geachtet und solche, in denen die Herkunft aus „zielgrup-penadäquaten“ Familien bevorzugt wird.

Resümee: Bewerten Sie die Frage nicht über, im Normalfall dominiert ganz klar das, was der Bewerber selbst ist oder erreicht hat und nicht die Herkunft. Diese könnte lediglich manches im Lebenslauf erklären, was man sonst schwerer versteht. Als pauschalen Rat: Lassen Sie die Finger davon, es stecken eine Menge denkbarer „Teufel“ im Detail.

Kurzantwort:

Solange ein Bewerber im Einzelfall nicht ganz sicher sein darf, alle(!) Aspekte dieses Problems zu übersehen, soll er im Lebenslauf keine Angaben zum Elternhaus machen (die reine Nennung der Eltern-Namen ist ohnehin Unfug).

Frage-Nr.: 1446
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 48
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-12-03

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