Heiko Mell

Zeugnis

Ich bin Berufsanfänger und habe inzwischen einen Job. Mein aktuelles Problem:

Knapp drei Monate nach meiner Diplomprüfung ist jetzt mein Zeugnis von der Fachhochschule eingetroffen. Wie Sie auf den Kopien erkennen können, sind zwei unnötige Layoutfehler enthalten.

Mein erster Gedanke war, sofort eine Korrektur zu verlangen. Besonders vor dem Hintergrund, daß Formfehler in Zeugnissen bei Bewerbungen immer einen schlechten Eindruck machen.

Glauben Sie, daß die hier vorliegenden Fehler bei späteren Bewerbungen zu einem Problem werden könnten? Außerdem würde eine Beanstandung dazu führen, daß man das Dokument noch später bekommt.

Antwort:

Was, wird sich jetzt jeder fragen, ist denn nun so schlimm in diesem Zeugnis?

Auf Seite 1 steht das Logo (Markenzeichen) der FH schlecht zentriert über dem Wort „Diplomzeugnis“. Letzteres steht links um einen, rechts um 3 Buchstaben über die Ränder des Logos hinaus. Und auf Seite 2 stehen von 7 Fächern die letzten beiden nicht ganz sauber und schön „linksbündig“, sondern um 1 bis 2 Anschläge verrutscht untereinander.

Ich habe hier öfter geschrieben, daß in einem flüchtigen ersten Durchgang jeder „Bewerbungshaufen“ erst einmal in „Spreu“ (90%) und „Weizen“ getrennt wird. Dafür stehen dem Profi pro Bewerbung weniger als 60 Sekunden pro Zuschrift zur Verfügung. Dabei, das wird schon rechnerisch klar, bemerkt Ihre „Fehler“ niemand.

Wenn später die restlichen 10% sorgfältiger analysiert werden, mag ein besonders aufmerksamer Leser diese kleine Unsauberkeit sehen. Falls er aber überhaupt auch nur seinen Kopf schüttelt, dann über die „öffentlich-rechtliche Institution FH“, niemals jedoch über Sie. Also haben Sie absolut nichts zu befürchten. Schlimmer wären Fehler im Namen oder in Fachwörtern des Diplomarbeitsthemas. Da würde man Sie irgendwann fragen, ob Ihnen das nicht aufgefallen ist und warum Sie nichts dagegen unternommen haben.

Und Sie, liebe berufserfahrenen, „kampfgestählten“ Leser, seien Sie bitte nachsichtig mit unserem jungen Einsender. Kurz vor Eintritt in das so geheimnisvolle Berufsleben kommen einem schon einmal Maulwurfshügel wie Berge vor. Uns ging es doch irgendwie ähnlich damals.

Kurzantwort:

Wirkliche Fehler in amtlichen Dokumenten können zu Lasten des Bewerbers gehen, rein äußerliche kleine Nachlässigkeiten (schlechte Zentrierung) nicht.

Frage-Nr.: 1441
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 46
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-11-19

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