Heiko Mell

Praxiseinstieg ist sehnlichst zu erwarten!

Nach Abschluß meines Studiums promovierte ich (w) im Fachbereich … am Institut für … (Abschluß 11/96). Danach blieb ich bis heute am Institut, um einige interessante Projekte abzuschließen, was mittlerweile geschehen ist. Ich könnte noch längere Zeit hier arbeiten (nicht unbegrenzt), bin also noch nicht unter Zeitdruck. Mein Ziel ist es aber trotzdem, so schnell wie möglich eine Stelle in der Industrie (vorzugsweise F + E) zu bekommen.

Nun bewerbe ich mich seit etwa einem Jahr – bislang ohne jeden Erfolg. Aus ca. 20 Bewerbungen resultierte noch nicht einmal ein Vorstellungsgespräch. Von allen Seiten wird mir versichert, es sei im Moment „kein Problem“, etwas Passendes zu finden. Dies kann ich auch bei meinen Kollegen mit gleicher Qualifikation beobachten, die innerhalb kurzer Zeit Anstellungen bekommen.

Ihren Beiträgen habe ich entnommen, daß eine Begründung für den geplanten Stellenwechsel in der Bewerbung eine wesentliche Information ist. Bisher habe ich die Tatsache, daß wissenschaftliche Mitarbeiter im öffentlichen Dienst üblicherweise befristete Arbeitsverträge erhalten, als beim Bewerbungsempfänger bekannt vorausgesetzt und daher keine Gründe für die Wechselabsichten angegeben.

Ich bitte um Ihre Einschätzung (Unterlagen anbei).

Antwort:

Sie ahnen einen „Splitter“ im Auge und übersehen dabei einen „Balken“. Privatwirtschaftliche Arbeitgeber, ich sagte es hier schon, können sehr „eigen“ sein im Hinblick auf Anforderungen an die Persönlichkeit von Leuten, deren Arbeitskraft sie „einkaufen“ (den Preis dafür nennt man Gehalt).

Wie ein roter Faden zieht sich beispielsweise durch meine Beiträge die Erwartung dieser Arbeitgeber, ein Bewerber solle alles(!) unternommen haben, um ab Ausbildungsabschluß bei („typgerechten“) Arbeitgebern beschäftigt gewesen zu sein. Keine „Auszeiten“ zwischendurch, keine Arbeitslosigkeiten – und auch nichts „Sonstiges“.

„Sonstiges“ nun ist eine Beschäftigung bei „Arbeitgebern der anderen Art“. Aus der Sicht der Privatwirtschaft ist das der öffentliche Dienst. Der sei, so das Vorurteil, derart „an-ders“, daß die Herkunft von dort bei Bewerbern nicht als Empfehlung gilt (vorsichtig gesagt). Dabei, so denken viele privatwirtschaftliche Arbeitgeber, geht es weniger darum, daß man im öffentlichen Dienst etwa „verdorben“ würde.

Nein, der Vorwurf setzt viel früher ein: Wie konnten Sie da überhaupt hingehen? „Erlaubt“ sind Zweckhandlungen, also Anstellungen nach BAT bis zur Promotion. Aber ab diesem Tag, so die Erwartung, soll der betroffene Mensch geradezu danach „fiebern“, endlich „in der Privatwirtschaft richtig arbeiten zu können“.

Sie also haben aus der Sicht Ihrer Bewerbungsempfänger etwas Ungewöhnliches getan – schweigen sich aber darüber in Ihrem Anschreiben total aus. Mindestens erforderlich ist eine Erklärung zum Verbleib am Institut (nach der 96er Promotion) und dann auch noch zum Grund für den jetzt angestrebten Wechsel. Probieren Sie es einmal. Schlimm wäre der Eindruck, Sie wären eigentlich auch jetzt lieber „dort“ geblieben …

Kurzantwort:

Die Regel „Dienstantritt möglichst vor 30“ gilt für den Eintritt in solche Unternehmen, wie man sie auch für die weitere Laufbahn als Partner haben möchte.

Frage-Nr.: 1426
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-10-01

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