Heiko Mell

Mein Gehalt ist zu niedrig (oder nicht?)

Nach dem Studium der ….-Technik (Univ., 1,9) begann ich vor knapp zwei Jahren bei einem mittelständischen Software-Haus als Software-Ent-wickler.

Meine eigentliche berufliche Wunschrichtung, die …-Technik, hatte ich nicht erreichen können. Ich war nach vielen erfolglosen Bewerbungsgesprächen bei großen Firmen sehr froh, überhaupt den Einstieg geschafft zu haben. Daher akzeptierte ich auch ein recht geringes Gehalt.

Leider ging es mit der Firma trotz boomender IT-Branche wirtschaftlich bergab, so daß auch die Gehaltserhöhung nach 1,5 Jahren sehr mager ausfiel. Es wurde aber betont, daß ich gute Arbeit leiste und die Firma Interesse habe, mich zu behalten. Es gibt jedoch auf absehbare Zeit keine echten Aufstiegschancen mit Personalverantwortung. Für die Firma spricht das gute Arbeitsklima. Das war bisher der wichtigste Punkt für mich, so daß ich mich sehr für die Firma engagiert habe (kaum Urlaub, viele Überstunden).

Da meinen Chefs mein Einsatz aber offenbar nicht genug ist und sie die Verantwortung bei Management-Fehlern auch noch den Entwicklern zuschieben, habe ich nun das starke Gefühl, ausgenutzt zu werden.

1. Wie soll ich in Bewerbungen auf die Frage nach meinem bisherigen Gehalt reagieren, um zu vermeiden, daß mir abermals ein viel zu geringes Angebot gemacht wird? Welche Forderung ist nach knapp zwei Berufsjahren vertretbar?

2. Vor etwa einem Jahr habe ich mich „heim-lich“ auf ein (sehr seltenes) Stellenangebot in meiner Wunschbranche beworben, wurde aber nach vielen Gesprächen dort abgelehnt. Macht es Sinn, dort einen weiteren Versuch zu unternehmen?

Können Sie mir einen Rat geben?

Antwort:

Ja, das kann ich.

Sie sind ein hochqualifizierter Ingenieur mit absolut vorzeigbaren Studienergebnissen. Dann kennen Sie auch das Prinzip von Ursache und Wirkung, von Krankheit und Symptom. Bei Ihnen liegt alles so klar auf der Hand, daß ich mich wundere, warum Sie nicht schon selbst darauf gekommen sind:

Was Sie für ein Problem halten, ist keines. Jedenfalls nicht Ihres. Mit 20% mehr Gehalt ist Ihnen nicht zu helfen. Das wäre so als würde man einem Patienten mit Juckreiz eine Salbe dagegen verschreiben – und das „Geschwür“ übersehen, das unter dieser Hautstelle sitzt und nicht nur Ursache dieser kleinen Beschwerden, sondern bereits lebensbedrohend ist.

Die Kernfrage lautet bei Ihnen doch unübersehbar: Was stellt ein junger Hoffnungsträger (Abitur 1,6 und Uni-Examen 1,9 mit 25 Jahren) in den Vorstellungsgesprächen an? Da sind Ihre „vielen erfolglosen Bewerbungsgespräche“ im zweiten Absatz Ihres Briefes und Ihre „vielen Gespräche“ beim Wunsch-Arbeit-geber am Schluß von Frage 2.

Mein Gott, bei Ihnen steht – symbolisch – der komplette Dachstuhl in hellen Flammen und Sie fragen den ersten greifbaren Feuerwehr-mann, ob er Ihnen keinen Tip gegen feuchte Kellerwände geben kann!

Aus irgendwelchen Gründen hinterlassen Sie im direkten Kontakt offenbar einen extrem negativen Eindruck. Nur ein schlecht zahlendes kleines Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen und unbefriedigendem Führungs-stil hat Sie genommen – alle anderen wollten Sie nicht. Warum? Darüber müßten Sie sich vorrangig Gedanken machen.

Übrigens ist es für einen alten Profi wie mich „ein Klacks“, diese Kernfrage zu beantworten. Aber natürlich nur, wenn ich Sie sehen und sprechen kann. Also suchen Sie sich einen solchen Fachmann und sagen Sie dem, was Sie in Vorstellungsgesprächen auch sagen. Dann warten Sie seine Diagnose ab und überlegen sich eine Therapie.

Bitte verstehen Sie doch: Ihr „Problemchen“ mit dem Gehalt ist nur Wirkung von etwas, nicht Ursache einer Schwierigkeit. Weil die „vielen“ anderen Sie alle nicht wollten, haben Sie nur diesen schlechtbezahlten Job bei dieser Firma bekommen, mit der es trotz des Branchenbooms bergab geht. Andernfalls dürfte – und würde – ein Mann mit Ihren Ausgangsvoraussetzungen gar nicht dort sitzen.In Sachen Gehalt gilt für Sie: Weil die anderen alle Sie nicht haben wollten, ist Ihr Markt-wert eben leider nur sehr gering. Damit werden Sie – in einer Marktwirtschaft – auch nicht „falsch“ bezahlt, damit ist Ihre Ausgangsbasis für Gehaltswünsche beim Wechsel regelgerecht „heutiges Gehalt plus 10 bis 20% Aufschlag“. Soll sich das ändern, müssen Sie erst Ihre Akzeptanz im Vorstellungsgespräch drastisch verbessern – sonst landen Sie immer wieder da, wo Sie heute sind.

Zu Frage 2: Nein. Die haben sich dort ja regelrecht gequält mit ihrer negativen Entschei-dung. Daher müssen Sie diese als „für die nächsten Jahre endgültig“ ansehen.

Kurzantwort:

Zu geringes Gehalt ist ein Problemchen, mangelhafte Akzeptanz in Vorstellungsgesprächen ist ein „richtiges“ Problem.

Frage-Nr.: 1394
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 23
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-06-11

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