Heiko Mell

Erfolgsbericht in schwieriger Lage

Heute muß auch ich Ihnen einmal schreiben, da ich glaube, daß es an der Zeit ist, Ihnen für Ihre Beiträge in der Karriereberatung zu gratulieren und zu danken.

Kurz zu meiner Person ein paar Worte: Ich bin jetzt 28 Jahre jung und habe nach 14 Semestern an der Universität … im Studiengang Maschinenbau mein Studium abgeschlossen.

Seit Studienbeginn bin ich Mitglied im VDI und verfolge seither auch immer aufmerksam Ihre Beiträge. Mit besonderem Interesse habe ich natürlich immer Ihre Tips für Studenten aufgenommen. Da ich von zu Hause (mein Vater ist Handwerker, meine Mutter Hausfrau) keinerlei „Know-how“ zur marktgerechten Studiengestaltung bekommen konnte, waren Sie für mich immer eine gedankliche und geistige Stütze.

Obwohl viele Ihrer Aussagen nicht sofort verständlich waren, habe ich Ihre Anregungen trotzdem aufgenommen in der Annahme, daß man an dieser Stelle wohl keinen inkompetenten Autor zu Wort kommen lassen würde. So habe ich natürlich auch Ihre Aussagen zum Bewerbungsprozeß und hierbei speziell zu den Bewerbungsschreiben verinnerlicht.

Vier Monate vor meinem voraussichtlichen Studienende habe ich dann begonnen, mittels einer „Postkartenaktion“ erste Informationen über potentielle Arbeitgeber zu gewinnen. Einen Monat später habe ich dann die ersten Bewerbungsschreiben abgesandt.

Nachdem ich Ihre Karriereberatungsbeiträge jahrelang ausgeschnitten und gesammelt hatte, habe ich versucht, mich so nahe wie möglich an Ihre Ratschläge zu halten. So habe ich ca. 30 Bewerbungen an die Großindustrie abgesandt. Darunter waren 5 auf Stellenanzeigen und 25 Blindbewerbungen.

Das Ergebnis war einfach gigantisch gut: Ich erhielt 16 Einladungen zu Vorstellungsgesprächen!!! Und das in einer Zeit, in der das Angebot an Absolventen nicht gerade gering ist.Ich möchte jetzt nicht „vermessen“ sein und sagen, daß das eben das Ergebnis meines ordentlichen Diploms gewesen ist. Nein, ich muß Ihnen meinen großen Dank aussprechen, da durch Ihre Hinweise mein Studium in die „richtige Richtung“ gestaltet wurde und ich durch Ihre Tips (auch über den sorgfältigen Umgang mit dem PC im Bewerbungsprozeß) zum einen meine Bewerbungsunterlagen und zum anderen mein Auftreten in den Vorstellungsgesprächen optimiert habe bzw. beidem den letzten Schliff geben konnte.

Letztendlich konnte ich zwischen drei Angeboten auswählen und habe mich dann für die … AG entschieden.

Warum schreibe ich das alles? Nun, zum einen, um zu danken und zum anderen sollten Sie meinen „Fall“ in die VDI nachrichten aufnehmen, um den vielen Studierenden aufzuzeigen, daß Ihre Beratungshinweise nicht aus dem „hohlen Bauch“ gegriffen sind (Unterlagen anbei).

Meiner Meinung nach ist in dieser Zeit die Skepsis der „Fast-Absolventen“ recht hoch, und der Beitrag soll für viele Studenten ein Licht am Ende des Tunnels (Studium) aufzeigen.

Für Ihre weitere Tätigkeit in der Karriereberatung der VDI nachrichten wünsche ich Ihnen weiterhin eine so glückliche Hand. Jedenfalls werde ich Ihre Anregungen auch bei meinem Start ins Berufsleben im Hinterkopf behalten, und ich hoffe, auch zukünftig weiterhin hiermit Erfolg zu haben. Danke.

Antwort:

Glückwunsch zum Erfolg und meinerseits Dank für die Anerkennung. Wertvoll ist vor allem der Hinweis an die vielen Studienabsolventen, daß etwas Mühe und Schweiß vorausgesetzt man trotz der schwierigen Arbeitsmarktsituation etwas erreichen kann.

Etwas amüsiert nehme ich zur Kenntnis, daß selbst in Ihren Worten immer noch ein wenig Skepsis mitschwingt, was meine Aussagen angeht. Wahrscheinlich glaubt man denen mehr, die von der Oberfläche des Mondes berichtet hatten oder von anderen exotischen Plätzen. So ganz verstehe ist das trotz einiger engagierter Erklärungsversuche aus Leserkreisen immer noch nicht. Hat ein Hochschulprofessor, der seine Studenten erstmals in die völlig unvertrauten „Grundlagen der Mechanik“ einweist, auch diese Akzeptanzprobleme? Oder gestaltet er seine Wissensvermittlung so viel besser, glaubhafter als ich? Oder wollen die jungen Leute ihm eher glauben?

Vielleicht könnte aus dem Kreis der Hochschullehrer der eine oder andere seine Autorität dazu nutzen, seinen Studenten zumindest einen Hinweis zu geben. Einen Hinweis darauf, daß „da draußen“ eine Berufswelt mit eigenen, vielleicht unangenehmen Gesetzen und Regeln existiert. Und daß alles Studium der Mechanik nichts genützt hat, wenn man in diese Berufswelt keinen Einstieg findet und/oder später darin scheitert. Und daß man sich kümmern sollte, studentischerseits. Um Informationen über die Regeln des Spiels, für das doch die Hochschulen die Eintrittskarten ausgeben (was sie aber nicht gern so definiert sehen.)

Ich kann übrigens hier ganz beruhigt so offen schreiben weil mich diejenigen, die gemeint sind, ja nicht lesen.

Nun schauen wir einmal, was Sie, geehrter Einsender, so geschrieben haben in Ihrer Bewerbung:

1. Lebenslauf

1.1 Foto: sauber gestaltet, normal, abgebildete Person freundlich-unauffällig;

1.2 Schule: normal, Abitur mit 19 und 2,0;

1.3 Wehrdienst: normal, Dienstgrad nicht angegeben;

1.4 Studium: Dauer nicht extrem kurz (14 Semester), Abschlußnote (erwartet) 1,7; Diplomarbeit praxisbezogen, industrienah;

1.5 Praktika: 7 (bei 7 verschiedenen Unternehmen), davon 2 im Ausland;

1.6 Sprachen: fließendes, auslandserprobtes Englisch; gutes Französisch; brauchbares, auslandserprobtes Spanisch;

1.7 EDV: 8 Software-/Programmbereiche aufgezählt (von Word bis Auto CAD);

1.8 Sonstiges: Studium durch gewerbliche Tätigkeiten im Bau- und Gaststättenbereich finanziert; Vorstandstätigkeit im Sportverein, sonstige Sport-, Trainer- und Schiedsrichteraktivitäten; Fachschaftsmitglied;

1.9 Hobbys: Tennis, Theater, Kabarett.

Wertung: alles gut, tadellos, aber nirgends überragend (nicht als Kritik, sondern als Hinweis für andere: es ist zu schaffen; der Mann hat solide gearbeitet, ist kein Wunderkind!). Der Bewerber ist nicht besser als andere andere sind nur viel schlechter. Warum eigentlich?

2. Zeugnisse: ohne Überraschungen; Vorprüfung wie üblich mäßig (drei ausreichende Einzelnoten).

3. Kurze, informative Auflistung über Studienschwerpunkte und Studienarbeiten (zum Bewerbungszeitpunkt fehlte das Examenszeugnis).

4. Anschreiben (bewußt erst als Nr. 4 aufgeführt, da es bei der Vielzahl von Anfängerbewerbungen oft erst dann gelesen wird, wenn der Lebenslauf interessant ist): eine knappe Seite; kurzer Anriß der Studienschwerpunkte, Hinweis auf Diplomarbeit und das unterstützende namhafte Industrieunternehmen (nicht identisch mit späterem Arbeitgeber); der Bewerber vermittelt glaubhaft den Eindruck, seine Arbeit gern zu tun; kurzer geschickt verpackter und nicht als Eigenlob abzuqualifizierender Hinweis auf „beliebte“ Eigenschaften wie Teamfähigkeit; Hinweis auf Sportvereinstätigkeit; Erwähnung (pauschal) der Praktika (zarter Hinweis auf die im Ausland); keine Lobhudelei gegenüber diesem für die Bewerbung ausgesuchten Unternehmen; Angabe des möglichen Eintrittsdatums. Verspricht, die Gründe für die Bewerbung gerade bei dieser Firma im Gespräch zu erläutern (dann braucht er sich nur in den Fällen Begründungen auszudenken, in denen er auch eingeladen wird).

Wertung: Siehe Wertung bei Lebenslauf!Zusammenfassung: ein guter, solider Mann, der weiß, worauf es ankommt, er schwafelt nicht, versucht nicht, mit fragwürdigen Formulierungen über Lücken hinwegzutäuschen; keine Fehler in der Sache (Anlage, Aufbau, Rechtschreibung), aber nichts Überragendes in einem Detail, schon gar nichts „Originelles“, kein Gag o. ä.

Was beweist: Akzeptanz ist machbar; solide zielgerichtete Arbeit während des Studiums und bei der Bewerbungsgestaltung reicht völlig aus!

Das Problem: Nur der Fachmann, der die anderen Bewerbungen lesen muß, erkennt, welche „Perle“ diese Zuschrift darstellt. Eigentlich müßten alle so sein (auch in den Fakten!). Dieser Bewerber, so hätte auch ich geurteilt, wird in der Praxis so weitermachen wie bisher: gut, verläßlich, keine Ausreißer, zielorientiert. Solche Leute braucht das Land.

PS: Daß ich die komplette Originalbewerbung hier nicht gut abbilden kann, ist klar zu viele wären versucht, wörtlich abzuschreiben.

Kurzantwort:

Scheinbar verblüffend zeigt die Analyse erfolgreicher Bewerbungen, daß es reicht, nichts falsch zu machen (Fakten + Bewerbung), um den Wettbewerb mit anderen zu gewinnen. Extremleistungen werden gar nicht erwartet.

Frage-Nr.: 1173
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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