Heiko Mell

Was sagt man im Lebenslauf zum derzeitigen Arbeitgeber?

Wie soll man seine momentane Stelle und den Arbeitgeber im Lebenslauf umschreiben?

Antwort:

Zunächst einmal gar nicht. Das bezieht sich auf „um“, nicht auf „schreiben“.

Ich schätze, daß etwa 90% (oder mehr) der Bewerber den Namen des derzeitigen Arbeitgebers völlig problemlos und absolut offen angeben. Es ist grundsätzlich nicht(!) damit zu rechnen, daß der Empfänger nun sofort den derzeitigen Arbeitgeber anruft. Ein geringes Restrisiko bleibt aber auf der Fahrt zum Vorstellungsgespräch ist das Risiko eines schweren Verkehrsunfalls auch nicht auszuschließen. Der Normalfall besteht also darin, den derzeitigen Arbeitgeber ebenso offen zu nennen wie evtl. frühere. Wer davon abweicht, sollte ganz solide Gründe dafür haben.

Die Nichtnennung hat u. a. zwei gravierende Nachteile:

1. Eine namhafte arbeitgebende Firma mit gutem Ruf in der Branche hebt den Wert der Bewerbung und ergibt Pluspunkte für den Kandidaten. Dieser Effekt entfällt nun.

2. Das klingt wie: „Ich traue Ihnen nicht.“ Wenn man aber den Leuten mißtraut, warum sollte man dann dort arbeiten wollen?

Sofern Sie nun bei der Max Müller GmbH, Seriengeräte, 500 MA, im Privatbesitz, tätig sind und das tatsächlich nicht sagen wollen, dann könnten Sie schreiben:

1. 4. 1986 z. Z. mittelständisches Privatunternehmen (ca. 500 Mitarbeiter), Seriengerätebau

Entwicklungsingenieur zuständig für die Antriebsgruppe (Elektromotoren, Kleinstgetriebe)

Umsetzung vorgegebener Lastenhefte

direkte Kontakte mit Großkunden

Einsatz des CAD-Systems XYZ

Mitwirkung an abteilungsübergreifenden Projektaufgabenständige Arbeitskontakte mit dem Produktionswerk in GB (Englisch).

Ich hoffe, damit auch das „Umschreiben“ der „momentanen Stelle“ abgedeckt zu haben, denn eigentlich kann ich mit diesem Teil der Frage nichts anfangen. Man schreibt halt die Tätigkeitsbezeichnung aus der Stellenbeschreibung, dem Organigramm oder ggf. aus dem Arbeitsvertrag hin so, wie sie später im Zeugnis stehen wird. Hier gibt es keine Alternative zur klaren, wahren Aussage.

Kurzantwort:

Es ist grundsätzlich üblich, im Lebenslauf den derzeitigen Arbeitgeber offen zu benennen. Das daraus resultierende Risiko ist geringer, als oft befürchtet wird, und könnte als „geschäftsüblich“ bezeichnet werden.

Frage-Nr.: 1136
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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