Heiko Mell

Erfolgsbericht eines Berufseinsteigers

Sie haben ja schon des öfteren darauf hingewiesen, daß Sie viel zu selten positive Rückmeldungen, bezogen auf Bewerbungsbemühungen, bekommen. Nun, hier ist eine.

Mein Bewerbungsprozeß begann vor über zweieinhalb Jahren vor meinem Berufseinstieg. Eigentlich war das immer noch zu spät. Damals hatte ich ein Schlüsselerlebnis bezüglich eines Praktikantenplatzes, den ich nicht bekommen habe. Dadurch wurde mir klar, daß ich in Sachen Bewerbungsbemühungen etwas tun mußte (damals noch für eine Praktikumsstelle). Ich trat in den VDI ein, und Ihre Karriereberatung wurde bis heute zum treuen Begleiter. Zu diesem Zeitpunkt fing ich auch an, interessante Stellenanzeigen zu sammeln, Quellen für Firmeninformationen zu sichten (Bücher, Messekataloge), Artikel zum Thema Bewerbung zu lesen und Vorträge zu besuchen. Vor allem begann ich aber, mit offenen Augen für das Thema Bewerbung und Berufseinstieg durch das Leben zu gehen. Dadurch konnte ich mich schon während des Studiums darum kümmern, auch fachübergreifende Vorlesungen zu besuchen. Für ein Auslandssemester hat mein Aufwachen leider nicht mehr gereicht.

Ein Jahr vor Ende meines Studiums erfuhr ich, daß ich noch meinen Zivildienst ableisten muß. Nachdem ich mich mit dieser Tatsache abgefunden hatte, kümmerte ich mich rechtzeitig um eine sehr gute Zivildienststelle. Dieses Jahr hat mir persönlich sehr viel gebracht (soziale Kompetenz), und ich möchte es nicht missen.

Mir war natürlich klar, daß ich den Nachteil, ein Jahr lang aus meinem beruflichen Umfeld herauszukommen, irgendwie ausgleichen mußte. Daher habe ich neben dem Zivildienst noch Sprachkurse absolviert, einen Lehrgang in Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen und mich in der Programmierung weitergebildet.

Hier einmal kurz die positiven Punkte meines Werdegangs: Berufsausbildung vor dem Studium, sehr geradliniger Lebenslauf, sehr guter Studienabschluß an der FH, persönliches Engagement, breit angelegtes Wissen.Und nun die nicht so positiven Dinge zu diesem Zeitpunkt: keine Berufserfahrung (ich hatte nicht einmal die Semesterferien dazu benutzt, um in Firmen reinzuschnuppern), Zivildienst direkt nach dem Studium, Studium hatte länger als Regelstudienzeit gedauert, keine Auslandserfahrung, kein Spezialwissen auf einem bestimmten Gebiet.

Den Beginn der Bewerbungsphase habe ich so gestaltet, daß ich meine gesammelten Unterlagen über interessante Unternehmen und Branchen ausgewertet und eine Liste der Unternehmen, bei denen ich mich bewerben wollte, erstellt habe.Das Grundgerüst des Anschreibens und den kompletten Lebenslauf habe ich über mehrere Wochen hinweg erstellt, verbessert, kompetenten Personen vorgelegt und wieder überarbeitet. Bei jedem Anschreiben habe ich mich intensiv mit dem jeweiligen Unternehmen auseinandergesetzt, um möglichst auf die Produktbereiche, Schwerpunkte und Ansichten des Unternehmens einzugehen. Bis auf eine Ausnahme habe ich ausschließlich Initiativbewerbungen versandt. Hätte ich auf eine halbwegs passende Anzeige für Berufseinsteiger gewartet, in der weder Auslandserfahrung noch die eierlegende Wollmilchsau erwartet werden, wäre ich wohl noch heute ohne Job.

Bei jeder Einladung zu einem Vorstellungsgespräch habe ich mich nochmals intensiv mit dem jeweiligen Unternehmen befaßt, indem ich alle Informationen zusammengetragen, Fragen vorbereitet und über Datenbanken zusätzliche Informationen abgerufen habe.Letztendlich bin ich mit dem Ergebnis meiner Bemühungen mehr als zufrieden. Es hat mich viel Freizeit und Geld gekostet, aber es hat auch Spaß gemacht, da ich wußte, wofür ich es tue. Wenn ich unter hundert von für mich interessanten Unternehmen eines als Arbeitgeber hätte auswählen können, so hätte ich genau das genommen, bei dem ich heute einen Job habe. Dieses Unternehmen war schon seit längerem mein Traumarbeitgeber, aber ich hätte nie damit gerechnet, mich wirklich für eine solche Top-Adresse qualifizieren zu können. Schließlich habe ich weder Auslandserfahrungen noch ausgeprägte Kenntnisse in einem bestimmten Gebiet vorzuweisen.

Hier nun die Bilanz meiner Bewerbungen:

Antwort:

Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Außer „Danke + Glückwunsch“, beides ganz herzlich.

Und für andere Leser: Hier sehen Sie ein bißchen von dem, was den Kandidaten mit „sehr gutem“ Examen häufig ausmacht. Das ist seine Stärke nicht das bessere Wissen in „Mechanik II“.

Eines Tages aber wird jemand sagen: „Mell? Das war doch der mit den Kilos?“ Sollte das die Spur im Sand der Zeit gewesen sein, die mir zu ziehen vergönnt war? PS: Ich behaupte nicht, „Kilos“ sei ein schöner Plural. Ich zitiere nur genau das wird der genannte Jemand nämlich sagen. Und es wird sich scheußlich anhören.

Kurzantwort:

Wer sich mit voller Kraft um den Erfolg bemüht, wird ihn mit hoher Sicherheit erringen. Das gilt sogar für Berufseinsteiger.

Frage-Nr.: 1116
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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