Heiko Mell

Vom großen Unternehmen ins Kleine und zurück

Frage/1:

Ich habe nach einer Berufsausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel ein Studium zum Master of Engineering (Maschinenbau) absolviert. Den roten Faden habe ich also erst drei Jahre später als meine Mitstreiter aufgenommen.

Bereits während des Studiums habe ich in großen, namhaften Unternehmen Praktika und Abschlussarbeiten absolvieren dürfen.

Nach dem Studium habe ich in einem kleinen, aufstrebenden Unternehmen meine Berufslaufbahn als Entwicklungsingenieur gestartet.

Nun weiß ich, dass ich gerne wieder in ein großes mittelständisches Unternehmen bzw. in einen Konzern wechseln möchte. Wie schätzen Sie meine Chancen dazu ein und vor allem, zu welchem Zeitpunkt sollte ich diesen Wechsel am besten forcieren? Ich denke, dass es Sinn machen würde, innerhalb der Branche zu wechseln?

Antwort/1:

Man darf sich durchaus auch einmal irren, darf einen Fehler machen. Aber bitte auf einem Gebiet immer nur einen! Jeder, so heißt es, habe eine zweite Chance verdient – von einer dritten ist nicht die Rede. Also erkennen Sie zunächst einmal eine eklatante Schwäche im Bereich Ihrer Entscheidungsgestaltung. Wenn Sie der weiter nachgeben, stehen am Ende Chaos und ein erheblicher Einbruch beim Wert Ihres Werdeganges auf dem Arbeitsmarkt.

Ihr erster Fehler war die nicht zum Studium passende Ausbildung. Aber gerade junge Menschen bekommen in der späteren Bewertung in solchen Fällen einen besonderen „Rabatt“. Schließlich weiß mancher Kandidat in jenem Alter noch zu wenig über „die Welt da draußen“ einerseits und seine eigenen Stärken und Schwächen, Vorlieben und Interessen andererseits. Auch die Prägung durch Eltern, Verwandte und Freunde spielt dabei noch eine Rolle. Schwamm darüber.

Sie entscheiden sich dann für „Ihr“ wahres Fachgebiet Maschinenbau. Gut. Dabei lernen Sie große Unternehmen kennen. Sehr gut. Dieses Kennenlernen dient – vereinfacht gesagt – Ihrer Orientierung für später: Passen diese Unternehmen zu mir oder besser passe ich dort hin? Sie haben die Frage negativ beantwortet: „Da will ich nicht hin.“ Auch gut.

Daraufhin sind Sie zu einem kleinen Unternehmen gegangen, das vielleicht 50 Mitarbeiter hat gegenüber den möglichen 50 000 in den aus der Studienzeit vertrauten Konzernen. Kann man machen, ist aber einerseits ein sehr radikaler Bruch mit den bisherigen Erfahrungen und gleicht einem Sprung in sehr kaltes Wasser.

Nur: Nun sind Sie im selbstgewählten Zielbereich angekommen – und haben nur einen Gedanken: Sie wollen zurück zu den Großen. Verstehen Sie, wie das auf kritisch denkende Bewerbungsempfänger wirken kann?

Mir liegt weniger an der Kritik Ihres bisherigen Weges und Ihres neuesten beruflichen Projektes. Immerhin kann ich mit dieser Darstellung vielleicht den einen oder anderen potenziellen Nachahmer nachdenklich stimmen. Wichtiger ist die Gefahr, dass Sie mit einem solchen beruflichen „Schlingerkurs“ weitermachen. Denn, das habe ich leider viel zu oft gesehen: „Sie tun es immer wieder.“ Und irgendwann gibt es keinen „Rabatt für jugendbedingtes Nichtwissen“ mehr.

Meine Empfehlung: a) Lesen Sie alles, was Sie über die „Spielregeln des beruflichen Systems“ in die Finger bekommen können. Sie haben ja keine neuen Wege erschlossen, sondern nur längst bekannte Fehler wiederholt. Allein auf meiner Homepage finden Sie über 100 frei zugängliche „Karriere-Basics“, von denen einige für Sie besonders interessant sein dürften.

  1. Bleiben Sie vorsichtshalber (wer garantiert, dass Ihnen der Konzern dieses Mal besser und endgültig gefällt?) etwa zwei Jahre beim heutigen Unternehmen. Diese Dienstzeit wird bei Berufseinsteigern in der Startposition allgemein toleriert. Später sollten die Dienstzeiten pro Arbeitgeber deutlich länger werden.
  2. Was ich weiter oben über Ihren bisherigen Weg schreibe, denken viele Entscheidungsträger in den großen Unternehmen auch; rechnen Sie also mit einem gewissen Misstrauen und geben Sie sich mit Bewerbungen besondere Mühe, insbesondere bei der Begründung für den angestrebten Wechsel.
  3. Der übliche Berufsweg führt von einem größeren Unternehmen zu einem etwas (!) kleineren bei gleichzeitiger Vergrößerung des Verantwortungsumfangs (Aufstieg). Denn: Der „Name“ des bisherigen Arbeitgebers wird Teil der Qualifikation des Bewerbers, das größere Haus, aus dem der Kandidat kommt, „imponiert“ dem kleineren Bewerbungsempfänger. Umgekehrt ist das aber nicht so.
    Sie können also bei Ihrem geplanten Wechsel nicht auf eine Vergrößerung des Verantwortungsumfangs hoffen, müssen eventuell sogar eine Einschränkung dabei hinnehmen. Konkret: Ihr Weg über das kleine Unternehmen war, wenn Sie jetzt in den Konzern gehen, ein Umweg mit Verlusten für Sie. Letztere sind allerdings noch tragbar, Sie könnten das wieder aufholen.
  4. Versuchen Sie es bei der Begründung für den angestrebten Wechsel ruhig einmal mit der Wahrheit. Und es gilt auch: Die Leute im Konzern verstehen sofort, dass man letztlich in so kleinen Betrieben nicht glücklich werden kann. Das gilt wiederum auch umgekehrt, man denkt oft so über die jeweils anderen Strukturen. Als Anregung:

„Ich hatte während des Studiums Gelegenheit, im Rahmen von Praktika und durch meine Abschlussarbeit große Unternehmen kennen zu lernen. Mir hat es dort sehr gut gefallen, ich bekam auch entsprechende Angebote für den späteren Berufsstart. Nach dem Examen habe ich mich dann aber von der Tätigkeit in einem aufstrebenden kleinen Unternehmen begeistern lassen, die mir als besonders interessant und vielseitig geschildert wurde. Inzwischen habe ich jedoch erkannt, dass ich in den Strukturen eines großen Hauses effizienter arbeiten und meine Stärken dort zum Nutzen des Unternehmens besser einbringen kann und bewerbe mich daher aus ungekündigter, völlig unbelasteter Position gezielt bei Ihnen.“

Frage/2:

Was halten Sie von meinem Lebenslauf, ist das Foto noch vertretbar, sagen Ihnen Layout und Inhalt zu?

Antwort/2:

Das kann ich zwar beantworten, aber nicht im Rahmen dieser Serie: Die „Karriereberatung“ bietet einer großen Anzahl von Lesern Information und auch Unterhaltung. Damit alle diese Zielpersonen verstehen könnten, was ich in dieser Angelegenheit schriebe, müsste ich Ihr Originaldokument einschließlich Foto hier abdrucken. Das aber verstieße gegen das Prinzip, unsere Einsender nicht so darzustellen, dass sie erkennbar werden.

Frage-Nr.: 2.940
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 15
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2018-04-13

Von Heiko Mell

Top Stellenangebote

Alois Kober GmbH-Firmenlogo
Alois Kober GmbH Konstrukteur / Techniker / Ingenieur (w/m) Bereich Nutzfahrzeuge Kötz
GOLDBECK Ost GmbH-Firmenlogo
GOLDBECK Ost GmbH Projektleiter (w/m) Verkauf Plauen, Chemnitz
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
TenneT TSO GmbH Projektingenieur (m/w) Umspannwerke Bayreuth
Stadt Köln-Firmenlogo
Stadt Köln Ingenieurin / Ingenieur beim Bauaufsichtsamt Köln
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Produktspezialist Industriegetriebe (w/m) Bruchsal
PETKUS Technologie GmbH-Firmenlogo
PETKUS Technologie GmbH Leiter Arbeitsvorbereitung/Produktionssteuerung (m/w) Wutha-Farnroda
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Entwickler Hochautomatisiertes Fahren – HiL/SiL Architekt (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Systemingenieur Bremssysteme für automatisiertes Fahren (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
EDAG Engineering GmbH-Firmenlogo
EDAG Engineering GmbH Entwicklungsingenieur (m/w) Simulation Automotive Fahrwerk / Fahrdynamik Böblingen
Suss MicroTec Lithography GmbH-Firmenlogo
Suss MicroTec Lithography GmbH Product Safety Compliance Engineer / Produktsicherheitsingenieur (m/w) Sternenfels

Zur Jobbörse

Das könnte sie auch interessieren