Heiko Mell 21.05.2019, 09:53 Uhr

Schlechte Wirtschaftssituation: Soll ich vorbeugend wechseln?

Frage:

Ich bin Maschinenbauingenieur (Produktionstechnik), Anfang 30, und arbeite bei einem mittelständischen Unternehmen als Fertigungsingenieur. Vorher war ich bei einem Dienstleister, Hauptaufgabe hier war die Einführung eines ERP. Nun habe ich 1,5 Jahre Berufspraxis beim heutigen Arbeitgeber und davor 0,5 Jahre beim Dienstleister. Das ERP mit BDE ist eingeführt. Leider hat ein sehr wichtiger Großkunde den Vertrag mit uns nicht verlängert, in zwei Jahren ist es in unserem Fertigungsbereich vorbei.

Ich habe einfach einmal zwei Bewerbungen geschrieben und war auch jeweils in der zweiten Bewerbungsrunde. Mindestens eine der Positionen finde ich sehr interessant, es passt alles.

Soll ich wechseln oder nicht, wenn ich die Zusage bekomme? Grundsätzlich wollte ich mindestens zwei Jahre bleiben. Allerdings ist die wirtschaftliche Situation schlecht, es sollen in den nächsten zwei Jahren zahlreiche Leute gehen. Ich sehe keine Entwicklungschancen, es gibt kaum noch Investitionen.

Mein Ziel ist es, irgendwann eine Fertigung oder einen Bereich zu leiten.

Antwort:

Zur Klarstellung für die anderen Leser: Ihre Einstiegsposition beim Dienstleister war mit dem Einsatz bei einem völlig anderen Kundenunternehmen verbunden, das nichts mit Ihrem heutigen Unternehmen zu tun hatte. Ein Wechsel jetzt würde Ihnen also den dritten Arbeitgeber in zwei Jahren bringen. Blieben Sie dann bei dem neuen Unternehmen etwa fünf oder mehr Jahre, wäre alles gut. Wollten oder müssten Sie aber dort nach kurzer Zeit wieder weg, hätten Sie eine sehr kritische Dienstzeitbilanz aufzuweisen.

Pauschal gilt die Regel: Jedes neue Engagement kann schiefgehen! Es gibt sehr viele Arbeitnehmer in diesem Lande, die das schon erfahren mussten. Außerdem soll der Angestellte immer so planen, dass er auf irgendwelche Probleme am neuen Arbeitsplatz mit einem Arbeitgeberwechsel reagieren könnte. Sie könnten das nicht, wären weitgehend an das neue Unternehmen gefesselt. Das sollte man möglichst vermeiden (sofern man die Wahl hat).

Nach dem Grundsatz des „kleineren Übels“ empfehle ich: Bleiben Sie, solange Sie können, gehen Sie freiwillig (Zeugnisformulierung „auf eigenen Wunsch“), wenn das unausweichliche Ende naht – und Sie mehr Dienstjahre beim heutigen Unternehmen aufzuweisen haben.

Die sehr gute Akzeptanz Ihrer bisherigen zwei Bewerbungen zeigt, dass Sie vermutlich auch in einem Jahr ebenso entsprechend begehrt sein werden. Noch sind Sie ledig – die Welt steht Ihnen offen. Ihre Stadt ist übrigens für Ihre Tätigkeitsrichtung nicht optimal, das wissen Sie vermutlich (da gibt es nur wenige der für Sie geeigneten Industriebetriebe).

Wenn Sie sich dann ernsthaft bewerben, haben Sie mit der schlichten Wahrheit als Erklärung Ihres Wechselwunsches eine allseits akzeptierte Begründung.

Natürlich wären Ihre Arbeitsbedingungen in den nächsten Monaten nicht optimal, aber Sie könnten Ihr Verbleiben dort als „Investition in Ihre berufliche Zukunft“ sehen.

 

Service für Querleser:

Nach dem Prinzip des „kleineren Übels“ kann es langfristig sinnvoller sein, trotz nicht optimaler Arbeitsumstände noch eine Weile beim ungeliebten Arbeitgeber zu bleiben.

 

Frage-Nr.: 3.009
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 20
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2019-05-17

 

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Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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