Heiko Mell

Rückkehr in den Fachbereich des Studiums

Frage:

Ich bin ein junger Ingenieur (Bachelor, 26) und komme aus dem Fachbereich Automatisierungstechnik. Nach dem Studium wollte ich unbedingt als Vertriebler arbeiten. Ein IT-Softwareunternehmen hat mir den Einstieg ermöglicht. Leider ist das Gehalt sehr niedrig.

Heute, nach einem Jahr, würde ich gern in die Automatisierungstechnik zurückkehren. Ist das zu früh? Ich würde gern auch noch den Master machen. Aber da ich weiß, dass ich nicht noch länger in meinem Unternehmen bleiben möchte, bleibt mir leider nicht mehr viel übrig als zu warten. Ich hoffe, dass Sie mir helfen können.

Antwort:

Name und einige sprachliche „Ecken und Kanten“ Ihrer Einsendung (von mir geglättet) weisen auf einen Migrationshintergrund hin. Leider machen Sie keine weiteren Angaben und fügen auch keine Dokumente (z. B. einen Lebenslauf) bei. So bleiben wichtige Fragen offen: Wo haben Sie den Bachelor gemacht, mit welchem Ergebnis haben Sie abgeschlossen? Und: Der vorletzte abgedruckte Satz (mit dem Hinweis auf das Warten als einzig verbleibende Lösung) bleibt mir unverständlich.

So muss ich an Informationen nehmen, was ich habe: Ein Bachelor der Automatisierungstechnik mit hoffentlich gutem Abschluss arbeitet seit einem Jahr offenbar branchenfremd im Vertrieb. Dabei ist ihm das Gehalt zu niedrig. Außerdem will er nun doch lieber in die angestammte Fachrichtung zurück, aber auch noch seinen Master machen.

Lösungsansatz: Nehmen Sie erst einmal das Thema „Geld“ aus diesem Argumentationswirrwarr heraus. Offenbar hängt das mit dem vermutlich für Sie nicht sehr glücklichen Berufswunsch „Vertrieb“ zusammen. Denn: Wer im Vertrieb nicht genug verdient, verkauft zu wenig. Kein Unternehmen, ob es nun Provisionen gewährt oder Fixgehälter zahlt, würde ein „Verkaufsgenie“ mit Rekordumsätzen wieder gehen lassen, weil es sich unterbezahlt fühlt. Also war Ihre damalige Entscheidung für den Vertrieb wohl nicht begabungsgerecht. Dann muss sie korrigiert werden, so schnell wie möglich.

Treffen Sie aber möglichst keine richtungweisende berufliche Entscheidung wegen vermeintlicher Unterbezahlung. Für dieses Problem würde die Lösung lauten: Wechsel in ein anderes IT-Softwareunternehmen, wieder in den Vertrieb.

Aber Sie wollen die Branche und vermutlich die Tätigkeit wechseln. So kurz nach dem Studium gilt: Korrigieren Sie einen erkannten Fehler dieser Art so schnell wie möglich. Einziges Problem dabei: Sie können diese „Notbremse“ später nicht noch einmal ziehen – im neugefundenen Job in der Automatisierungstechnik muss es dann „klappen“. Sie sind bei diesen Bemühungen um einen neuen Job praktisch wieder Berufsanfänger, das eine Jahr wenig erfolgreicher und unbefriedigender Tätigkeit zählt kaum etwas – vor allem dann nicht, wenn Sie auch noch den Vertrieb verlassen.

Falls Sie die Voraussetzungen mitbringen (guter Bachelor-Abschluss und gesicherte Finanzierung), wäre jetzt ein Vollzeit-Studium zum Master eine Lösung. Sie würden danach völlig neu – und hoffentlich besser geplant – anfangen, jenes eine Jahr „zwischen den Studien“ wäre dann weitgehend uninteressant für potenzielle neue Arbeitgeber.

Was auch eine Möglichkeit wäre: Sie suchen sich einen neuen Job in der Automatisierungstechnik und machen den Master nebenberuflich. Aber sagen Sie dem neuen Arbeitgeber, wenn das möglich ist, vorerst nichts davon: Er bekäme ja für sein Gehalt nicht 100% Ihrer individuellen Leistungskraft (für Skeptiker: Die Betonung liegt auf „Ihrer“) und er wüsste, dass Sie am Tage des Master-Abschlusses neue Aufgaben, mehr Geld, eine Beförderung oder alles zusammen haben wollten. Alle anderen nebenberuflich Studierenden haben das auch gewollt – und deren Chefs haben eingearbeitete Arbeitskräfte verloren. Also sind viele Vorgesetzte (nicht alle) wenig begeistert über ein nebenberufliches Zusatz-/Aufbaustudium.

 

Frage-Nr.: 2.980
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 46
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2018-11-16

Von Heiko Mell

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