Berufswegplanung

Raus aus der Komfortzone, rein ins Risiko?

Frage:

Nach dem Abitur (2,0) hatte ich ein duales Studium im allgemeinen Maschinenbau absolviert. Nach dem Bachelor (2,0) entschied ich mich dafür, den Master gleich dran zu hängen. Dazu hatte auch beigetragen, dass mich meine mittelständische Ausbildungsfirma nicht mehr reizte. Ich sah dort auch keine Chance, weiter gefördert zu werden. Meine Chefs waren aber sehr zufrieden mit mir, wie auch das erhaltene Arbeitszeugnis bestätigt.

Ich habe mich für den Master „Leadership in Industrial Sales und Technology“ entschieden, da ich mir ein breites Wissensspektrum aneignen wollte, hätte aber aus heutiger Sicht eine bessere Wahl treffen können.

Gerade schreibe ich meine Masterthesis bei einem anderen mittelständischen Maschinenbauunternehmen. Ich arbeite dort in der Forschung und Entwicklung wie schon im früheren dualen Studium. Hier liegt ganz klar meine Leidenschaft – in der Technik.

In Kürze werde ich ins Berufsleben einsteigen, von meinem jetzigen Unternehmen habe ich bereits ein Übernahmeangebot. Ich bin dort rundum glücklich, auch passt alles gut zu meinen privaten Belangen (u. a. gemeinsame Wohnung mit der Partnerin).

Jetzt könnte ich aber meinen Berufseinstieg auch bei einem direkten Wettbewerber realisieren, aber im technischen Vertrieb in den USA. Man würde mich als Führungskraft aufbauen wollen bis hin zum späteren Geschäftsführer (das würde über „Connections“ ermöglicht).

  1. Nun will ich zwar Führungskraft werden, arbeite aber leidenschaftlich gern in der Entwicklung. Im technischen Vertrieb habe ich keine Erfahrung, besitze jedoch durch mein Masterstudium die Voraussetzungen. Auf welcher Grundlage muss eine solche Entscheidung getroffen werden?

2. Falls ich jetzt in den technischen Vertrieb wechsle, verschließe ich mir damit selbst das Tor zurück in die Entwicklung?

Antwort:

Der unbedarfte Fast-noch-Schüler, der mit einer kleinen Ausbildungsfirma den Vertrag über ein duales Studium abschließt, ist schon nach dem Bachelor nicht mehr dieselbe Persönlichkeit. Es kommt öfter vor, dass ihm dann dieses Unternehmen klein und eng vorkommt. Außerdem kann ein solcher Betrieb meist keinen Aufstieg über mehrere Stufen hinweg zum richtigen Zeitpunkt bieten. Für aufstiegsorientierte Akademiker heißt „Karriere im Mittelstand“ stets auch „Bereitschaft zum Firmenwechsel“.

Ihre Fachrichtung beim Masterstudium war eine Fehlentscheidung. Man studiert, was man kann und später tun will, aber nichts in der Richtung, die dem ziemlich entgegengesetzt ist. „Über den Tellerrand“ zu blicken ist immer empfehlenswert – aber die berufliche Hauptzielrichtung bestimmt das Studienfachgebiet.

Leidenschaft für Technik ist eine sehr gute Basis für einen Berufsweg, Leidenschaft für Entwicklung ist dabei wiederum ein sehr gutes, tragfähiges „Feinziel“. Wenn dann noch Begabung und Interesse übereinstimmen, ist alles top oder super oder was auch immer in dieser Art.

Achtung: Vertriebs- und Entwicklungsbegabung sind nur selten in einer Person vereint. Dabei gilt: Aus der Entwicklung kann man insbesondere in jüngeren Jahren relativ leicht in den Vertrieb wechseln, umgekehrt ist es schwer bis unmöglich.

Dann gilt noch: Entwicklung als Beruf ohne entsprechendes Talent ist schlimm, aber Vertrieb als Beruf ohne Begabung ist irgendwann „tödlich“. Und: Ein bisschen Studium in Sachen „Sales“ ersetzt kein Vertriebstalent (das Sie vermutlich auch nicht haben).

Und da ich gerade so schön in Fahrt bin: Einem Berufseinsteiger eine Geschäftsführerposition (auch für später) zu versprechen, ist unseriös und nicht zu verantworten. Letztlich macht eine selbst aufgebaute Karriere noch mehr Spaß als eine, die wesentlich auf persönlichen Beziehungen fußt und die übrigens sehr gefährlich ist, wenn sie mittendrin platzt.

Ich gebe zu: Eine Versuchung wäre keine, wäre sie nicht reizvoll. Aber Sie sollten Ihrer ursprünglichen Leidenschaft treu bleiben (vielleicht gefällt dieser Schlusssatz sogar Ihrer Freundin).

Von Heiko Mell

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