Heiko Mell

Prüf-Ingenieur vs. Anlagen-Konstrukteur

Frage:

Ich bin 25 Jahre alt, Maschinenbau-Bachelor. Mir liegen zwei Job-Zusagen vor:

  1. Als Kfz-Prüfingenieur: Dafür müsste ich sämtliche Führerscheine und eine achtmonatige Ausbildung machen.
  2. Als Anlagen-Konstrukteur

Mein Ziel ist es, nebenberuflich den Master zu absolvieren und mich weiter zu entwickeln.

Wie sind die Entwicklungsmöglichkeiten für Prüfingenieure? Kann ich aus einer solchen Position nach vier bis fünf Jahren in die Industrie wechseln? Ist der Job eines Kfz-Prüfingenieurs eintönig?

Ich möchte nicht die Entscheidung Ihnen überlassen, sondern ich brauche ein paar Informationen, die mir helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Antwort:

Ein wenig „blauäugig“ ist Ihre Frage nach der Eintönigkeit einer der beiden Tätigkeiten. Darauf kann ich ganz einfach keine Antwort geben. Teils, weil ich den Job nie ausgeübt habe (sondern auf meine subjektiv geprägte Vorstellungskraft angewiesen wäre), teils aber auch, weil die öffentliche Einstufung in derartige Kategorien durch einen Außenstehenden nicht zu verantworten wäre: Was dem einen Mitarbeiter als „eintönig“ (oder sonst weniger interessant) erscheint, das ist für den anderen „äußerst abwechslungsreich“, mit immer wieder neuen Kontakten zu interessanten Menschen verbunden oder begeistert ihn aus anderen Gründen. Nein, welche Art der Tätigkeit Sie fasziniert, das müssen Sie schon selbst herausfinden, da sind pauschale Aussagen nicht möglich. Die geführten Vorstellungsgespräche sollten Ihnen eine ausreichende Informationsbasis gegeben haben.

Mit Ihrer Kernfrage komme ich schon besser zurecht: Der Kfz-Prüfingenieur ist auf einem relativ engen Spezialgebiet tätig. Ein späterer Wechsel in die Industrie ist – falls überhaupt – auch nur vielleicht und in einem sehr engen Sektor denkbar. Als Beispiel: Einen späteren Wechsel in die Anlagen-Konstruktion würde ich eher ausschließen. Ob und ggf. welche weiteren Entwicklungsmöglichkeiten es für den Prüfingenieur gibt, müssen Sie den entsprechenden Arbeitgeber fragen, der solche Fachkräfte beschäftigt bzw. sucht.

Es gibt auf Fragen dieser Art keine pauschale Antwort. Außer vielleicht dieser: Steigen Sie bevorzugt in solche Tätigkeitsgebiete ein, die Ihrer fachlichen Zielsetzung möglichst nahe kommen. Wenn Sie bisher nur wissen, dass Sie eines Tages in der Industrie aufsteigen wollen, dann ist der Start jetzt im Industriebereich schon einmal vorzuziehen, selbst wenn Sie den Tätigkeitsbereich dort später noch einmal wechseln. Es heißt dann z. B. über einen Bewerber: „Der kennt zumindest schon einmal eine Firmenstruktur wie unsere.“

Dann Ihr Wunsch in Richtung Master: Ich kann nicht einschätzen, ob im Anforderungsprofil von Kfz-Prüfingenieuren der Master vorkommt oder welche internen Entwicklungschancen er Ihnen dort erschlösse. Zum Aufgabengebiet „Konstruktion/Entwicklung im Anlagenbau“ würde er jedoch hervorragend passen.

Ich versuche es einmal mit einem banalen Beispiel: Wenn Sie eine Meisterschaft im Schwimmen anstreben, dann schwimmen Sie, so oft und so viel Sie können. Natürlich könnten Sie auch sagen: „Ich werde erst einmal Radrennfahrer. Das trainiert schon mal die Beinmuskeln und die Ausdauer. Wenn ich das gepackt haben, steige ich ins Schwimmtraining ein.“ Es mag auch für diesen Weg Beispiele geben, aber der typische Meisterschwimmer trainiert vor allem intensiv seine Disziplin, am besten von früher Kindheit an.

Die Sache ist eigentlich ganz einfach: Aus dem beruflichen Ziel ergibt sich der optimale Weg dorthin nach den allgemeinen Regeln. Die Festlegung dieses nur für Sie, für Ihre Stärken und Schwächen, Ihre Sehnsüchte und Träume richtigen und angemessenen Ziels aber nimmt Ihnen niemand ab.

Oder anders gesagt: Ihre beiden aufgezeigten Wege liegen sehr weit auseinander; dass beide zu einem zentralen Ziel führen, ist kaum denkbar. Nicht der Weg ist das Ziel, der Weg ist nur das Mittel zum (vorher zu definierenden) Zweck.

Stellen Sie sich vor, jemand geht 40 Jahre lang auf einem Weg, ohne je ein Ziel gehabt zu haben. Für leistungsorientierte Menschen wäre das eine entsetzliche Vorstellung.

 

Frage-Nr.: 3.036
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 40
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2019-10-04

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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