Heiko Mell

Mit 65 noch gefragt?

Frage:

Leider muss ich mit Erreichen der Altersgrenze meinen langjährigen Arbeitgeber verlassen. Über die Altersgrenze hinaus wird kein Arbeitsverhältnis verlängert. Ich möchte gern in einem versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis weiter arbeiten. Einerseits um mehr Rente zu erwirtschaften, andererseits habe ich sonst keine Lebensinhalte mehr. Nun höre ich allenthalben, dass ich in dem Alter keine Chance mehr hätte und zum alten Eisen zählen würde.

Ist das wahr? Macht es keinen Sinn, sich zu bewerben? Ticken Personaler in Unternehmen tatsächlich so? Ich bin auf meinem Gebiet mit allen modernen Arbeitstechniken vertraut. Sollten diejenigen, die meinen, es sei absolut vergebens sich zu bewerben, tatsächlich recht haben?

Antwort:

Ein Teil der Antwort liegt schon im ersten Absatz Ihrer Zuschrift. Ihr eigener Arbeitgeber verlängert niemals Anstellungsverhältnisse über die Altersgrenze hinaus. Wie so oft im (Berufs-)Leben sind sich die Arbeitgeber in ihrem Verhalten bei Fragen grundsätzlicher Art ziemlich ähnlich. Sprich: Die anderen handeln genauso, von möglichen kleineren Ausnahmen abgesehen.

Nahezu alle Arbeitsverträge, die mir zu Gesicht kommen, enthalten den Passus: „Das Arbeitsverhältnis endet mit Erreichen des Renteneintrittsalters“ oder etwas in der Art. Die meisten Arbeitgeber sind froh, dass sie ihre Angestellten zu einem planbaren Zeitpunkt ohne einen der aufwendigen Kündigungsprozesse „automatisch“ loswerden. Gäbe es diese einfache Möglichkeit der Beendigung der Arbeitsverhältnisse nicht, würden einzelne Arbeitnehmer bis zum 70., andere noch bis zum 80. Lebensjahr bleiben. Man müsste ihnen jeweils arbeitgeberseitig kündigen und eine z. T. extrem hohe Abfindung bezahlen.

Dennoch kann Ihnen teilweise geholfen werden. Ich glaube zwar nicht, dass Sie nach einem Ausscheiden wegen Erreichens der Altersgrenze noch ein neues versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis begründen und damit Ihre Rentenansprüche erhöhen können (aber das wissen andere Fachleute wie Rentenberater besser als ich; Vorschriften sind nicht meine Welt). Aber „Lebensinhalte durch Arbeit“ in Verbindung mit der Erzielung eines zusätzlichen Einkommens sind möglich.

Bewerben Sie sich vorwiegend initiativ (also auch ohne Vorliegen einer Stellenanzeige), machen Sie deutlich, worum es Ihnen geht und bieten Sie eine Lösung an, mit der das angeschriebene Unternehmen leben kann. Vielleicht so:

„… (an dieser Stelle steht Ihre Berufs-/Tätigkeitsbezeichnung) sucht Chance zur Anwendung sehr fundierter Erfahrungen über das Rentenalter hinaus

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin … und musste nach langjähriger, sehr eingehender beruflicher Praxis wegen Erreichen der Altersgrenze bei meinem langjährigen Arbeitgeber ausscheiden.

Gern würde ich meine Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich der … bei entsprechendem Bedarf zur Verfügung stellen und zu Ihrem Nutzen einbringen.

Selbstverständlich bin ich zu einer vertraglichen Regelung bereit, die Ihren Vorstellungen entspricht, z. B. in Form einer Befristung, einer freiberuflichen/selbstständigen Tätigkeit etc. Ich arbeite gerne weiterhin in Vollzeit täglich im Büro, kann mir aber ebenso auch Teilzeittätigkeit, Mutterschafts-/Elternzeitvertretungen oder ein Arbeiten im Home-Office vorstellen.

Für mich steht die Weiterführung einer Tätigkeit im Vordergrund, bei der ich weiter in meinem Fachgebiet tätig sein kann, in der Frage der Vergütung werden wir uns sicher einigen können. Möglicher Dienstantritt wäre der …2020.

Gern stehe ich zu einem Vorstellungsgespräch zur Verfügung oder reiche weitere Unterlagen nach.

Mit freundlichen Grüßen

… …

Anlage: Lebenslauf“

Wenn Sie das breit streuen (mindestens ca. 30 – 50 Stück), sollten Sie eine Chance haben. Im Mittelstand haben Sie eher die Möglichkeit, dass man mit Ihnen ein spezielles personelles „Loch“ stopft. Im Großbetrieb denkt und handelt man eher nach festen Standards und geht nach starren Regeln vor. Dort kommt es eher selten zu individuellen Lösungen.

Frage-Nr.: 3.056
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 6
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2020-07-02

Von Heiko Mell

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