Weniger als die Kollegen?

Frage/1: Seit acht Wochen bin ich nun in einem sehr guten Unternehmen tätig! Die Arbeit gefällt mir gut, allerdings musste ich jetzt feststellen, dass ich unter den finanziellen Bezügen meiner Kollegen hier tätig bin. Wann kann ich die Forderung stellen, dass ich zumindest auf das gleiche Level angehoben werde?

Antwort:

Antwort/1: Sie geben uns zu wenige Informationen über sich, Ihren Status und Ihr Umfeld. Ein zentrales Beispiel: Sind Sie Berufseinsteiger, sind jene Kollegen ebenfalls Anfänger, haben die eine deutlich hochwertigere Ausbildung, bessere Examensnoten oder verfügen die über mehrjährige Berufspraxis, während Ihre erst nach Wochen zählt? Allein die zumeist geltenden Tarifverträge sehen „automatische“ Höherstufungen bei längerer Beschäftigungszeit vor.

Ich will einmal Ihr Problem gewichten: Sie sind „in einem sehr guten Unternehmen tätig“ – 100 Punkte. „Die Arbeit gefällt mir gut“ – 75 Punkte. Sie waren bei der Einstellung mit Ihrem Gehalt einverstanden und also in den ersten paar Tagen auch mit diesem Aspekt einigermaßen zufrieden – weitere 50 Punkte. Damit haben Sie erst einmal 225 Punkte auf Ihrem Zufriedenheitskonto.

Nun kommt das Problem mit der Gehaltsdifferenz zu Kollegen. Absolut gesehen wird Ihnen dadurch nichts weggenommen – das Unternehmen ist immer noch sehr gut, die Tätigkeit gefällt Ihnen immer noch gut, das Gehalt ist unverändert jenes, mit dem Sie zufrieden waren. Allerdings haben Sie es jetzt mit dem zwar unvernünftigen, aber „real existierenden“ Gefühl einer Störung der relativen Gerechtigkeit zu tun. Sie waren zufrieden – bis Sie erfuhren, dass es anderen eventuell noch besser gehen könnte. Und schon ist in Ihren Augen „alles aus“, Sie erwägen (siehe Frage/2) gefährliche „Maßnahmen“.

Dieses Gefühl gibt es leider, es ist weit verbreitet. Unvernunft hin oder her: Es ist imstande, die eigene Zufriedenheit oder den gesamten Betriebsfrieden wirksam zu gefährden. Dennoch sollte dieser Aspekt eigentlich gering eingeschätzt werden: Ihre 175 „Punkte“ aus den beiden erstgenannten Kriterien bleiben Ihnen berufslebenslang erhalten, den Ärger über die – vermeintliche – Besserbezahlung der Kollegen lassen Sie endgültig hinter sich, wenn Sie eines Tages die Abteilung wechseln oder das Unternehmen verlassen. Also: Sie dürfen dafür 25 Punkte abziehen, es bleiben Ihnen aber 200 solide Pluspunkte, auf die Sie stolz sein können.

So, nun habe ich zumindest versucht, Ihnen die Maßstäbe wieder zurechtzurücken, Sie zu beruhigen und Sie von unüberlegten Reaktionen abzuhalten. Ob das dauerhaft hilft, bezweifle selbst ich, aber darauf verzichten durfte ich nicht.

Ich gehe aufgrund verschiedener Details Ihrer Darstellung einmal davon aus, dass Sie Berufseinsteiger sind. Auf dieser Basis gebe ich Ihnen einen sehr ernstgemeinten Rat: Erarbeiten Sie erst einmal die Fakten, auf denen Ihr Problem basiert: Listen Sie auf, über welche Kollegen Sie konkrete Informationen haben (Alter, Art der Ausbildung, Art der Hochschule, Examensnoten, Berufspraxis, Dienstjahre im Unternehmen, Art und Umfang der ihnen übertragenen Aufgaben im Vergleich zu Ihnen, Umfang der Einkommensdifferenz zu Ihnen). Dann analysieren Sie: Ein „sehr gutes Unternehmen“ hat für seine Gehaltshöhen Gründe. Versuchen Sie, aus Ihren Auflistungen über alle Fakten ein Muster, eine Art Gesetzmäßigkeit zu erkennen. Seien Sie dabei auch kritisch gegenüber Ihren eigenen Daten und Fakten: Gibt es Belastungen in Ihrem Lebenslauf, die andere so nicht haben (angefangene und ergebnislos abgebrochene Studien, sehr lange Studiendauer, Fachrichtungswechsel, auffallend schlechte Einzelnoten etc.)?

Wenn Sie damit nicht zu einer Erkenntnis kommen, gehen Sie zur Personalabteilung. Treten Sie dort vorsichtig, freundlich und zurückhaltend auf. Erwähnen Sie keine Details (reden Sie insbesondere nicht über konkrete Gehaltsgrößen von Kollegen), fragen Sie eher allgemein, worauf solche Unterschiede grundsätzlich beruhen könnten. Die Frage an die Personalleute hat aber nur Sinn, wenn Sie überzeugend sagen können: „Die Gegebenheiten bei meinen Kollegen sind absolut vergleichbar mit den meinen, aber ich habe den Verdacht/das Gefühl, sie bekommen ein höheres Gehalt als ich. Worauf könnte das zurückzuführen sein? Ich will es erst einmal nur verstehen.“ Ihren Chef lassen Sie vorerst besser damit in Ruhe.

Und bedenken Sie: Eigentlich werden Mitarbeiter für ihre Leistungen bezahlt. Berufsein­steiger mit acht Wochen Praxis leisten noch nichts, sie kosten vor allem (Einarbeitung). Also für „Forderungen“ fehlt noch jede Basis. Über Gehaltsverbesserungen redet man in günstigen Fällen erstmals nach Abschluss der Probezeit, sonst vielleicht nach dem ersten oder zweiten Beschäftigungsjahr – und stets auf der Basis erbrachter vorzeigbarer Leistungen.

Frage/2: Aus dem Freundeskreis ist mir in der Zwischenzeit ein neues interessantes Jobangebot hereingeflattert, mit deutlich besseren Bezügen, jedoch will ich den Job nicht wechseln. Kann ich dieses Druckmittel nutzen und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt?

Antwort/2: Es wäre höchst unvernünftig, jetzt schon den Arbeitgeber zu wechseln – bleiben Sie bei Ihrer Haltung dazu. Lehnen Sie überhaupt alle Angebote ab, die da „flattern“; Berufsausübung ist eine ernsthafte, so seriös wie irgend möglich zu handhabende Angelegenheit.Nehmen wir einmal an, Sie hätten eine Frau oder Freundin. Und die würde in einem bestimmten Punkt nicht so wollen wie Sie. Glauben Sie, es wäre eine gute Idee, ihr zu erzählen, Sie hätten zufällig ein hereingeflattertes Angebot von einer tollen Blondine, die würde Ihnen gern in jener Frage entgegenkommen?Als Warnung: Kontakte mit Arbeitgebern/Chefs unterliegen ähnlichen Regeln wie Kontakte zu Partnern im Beziehungsbereich.

Frage-Nr.: 2911
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 43
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2017-10-26

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