In den Konzern über KMU oder direkt?

Frage/1: Ich bin Softwareingenieur, 29, und würde gern Ihre Einschätzung hören. Mein Ziel für die Zukunft wäre es, Gruppenleiter in einem forschungsnahen Feld der Informatik (z. B. Autonomes Fahren) zu sein. Ich kann mich schnell in neue Themen einarbeiten, aber wiederkehrende Aufgaben langweilen mich. Nach meinem Informatik-Bachelor (1,7) habe ich achtzehn Monate gearbeitet. Den Master (erwartet werden 1,4) mache ich berufsbegleitend, mit 30 werde ich fertig sein. Zusammenfassend sind das also fünf Jahre Berufserfahrung (inkl. ein Jahr fachfremd), ein doch recht guter Masterabschluss und Erfahrung in einem derzeit sehr angesagten Bereich. Persönlich bin ich zwar eher introvertiert, aber in der Regel bin ich bei Teamarbeiten derjenige, der die Führung übernimmt, ohne dass ich das jetzt unbedingt wollen würde.

Antwort:

Antwort/1: Haken wir erst einmal die „Nebenkriegsschauplätze“ ab: Ihre Art der Informationsaufbereitung ist noch steigerungsfähig.Was Sie wollen, wird zwar deutlich, aber was Sie mitbringen, bleibt im Dunkeln. Sie sprechen von achtzehn Monaten Berufspraxis und einem offenbar danach begonnenen berufsbegleitenden Masterstudium. Über die Art dieser „studienbegleitenden“ Berufstätigkeit erfahren wir nichts, außer der sehr allgemeinen Bezeichnung „Softwareingenieur“ in der Einleitung. Welche Software – z. B. eine für die Fertigungssteuerung?Plötzlich taucht in Ihrer Schilderung noch ein Jahr „fachfremder“ Berufspraxis auf, oben war davon nicht die Rede. Dann reklamieren Sie Erfahrungen in einem „derzeit sehr angesagten“ Bereich, womit Sie sich a) der Teen­agersprache bedienen und b) den Leser entweder zu Spekulationen zwingen oder ihn kopfschüttelnd zurücklassen.Unterschätzen Sie eine überzeugende Informationsaufbereitung nicht, gerade Großbetriebe sind auf diesem Gebiet recht anspruchsvoll. Als Tipp: Lassen Sie Darstellungen wie Ihre obige ca. 24h liegen, bevor Sie sie absenden und fragen Sie sich dann, ob ein Außenstehender das ohne großes Nachdenken problemlos verstehen und einordnen kann. Frage/2: Bisher war ich noch nicht in einem Konzern beschäftigt, sehe aber tendenziell die Gefahr, dass mein Wunschjob so nur in größeren Konzernen existiert. Ist es aus Ihrer Sicht sinnvoll, nach meinem Masterabschluss direkt in einen Konzern zu wechseln? Oder sind ein Aufstieg in KMU und ein späterer Wechsel in einen Konzern genau so einfach möglich? Antwort/2: Die Grundregeln dazu lauten:Wer irgendwann in einen Großbetrieb will, steige so früh wie irgend möglich in ein solches Unternehmen ein, am besten direkt nach Abschluss des Studiums.Spätere Wechsel zu „kleinen und mittleren Unternehmen“ (KMU) sind möglich, nach etwa drei bis fünf Konzernjahren sogar sehr gut möglich. Umgekehrt ist das sehr (!) viel schwerer, oft sogar unmöglich.Das Prinzip: Große (namhafte, bedeutende, international marktführende) Unternehmen, von denen ein Bewerber kommt, „imponieren“ kleineren Bewerbungsempfängern, umgekehrt ist das eher nicht der Fall. Außerdem arbeiten Großbetriebe oft nach Prinzipien, die man in KMU gar nicht kennt (Matrixorganisation, Prozessorientierung, Dienstwegpriorität etc.).Fazit: Es ist sehr gut möglich, seinen Berufsweg in einem Konzern als Sachbearbeiter zu beginnen und ihn über gezielte Wechsel eines Tages als Geschäftsführer in einem Mittelstandsunternehmen mit 300 Mitarbeitern zu beenden. Ein umgekehrter Weg vom Sachbearbeiter im Kleinbetrieb zum Top-Manager im Konzern wäre bereits eine seltene Ausnahme, diesen Weg sollten Sie nicht planen.Probieren Sie also nach Ihrem Studienabschluss (Master), ob Sie den Anforderungen eines solchen Konzerns gerecht werden können und dort akzeptiert werden. Über Ihren Gruppenleiter-Wunsch reden Sie bei den Bewerbungen besser erst einmal sehr zurückhaltend. Da Sie keine einschlägigen Berufserfahrungen aus solchen Konzernen haben, sind Sie für jenen Arbeitgebertyp zunächst eine Art „besserer Anfänger“; vor dem Aufstieg zum Gruppenleiter kommt erst die Bewährung als Sachbearbeiter in diesem Unternehmenstyp.Noch ein Wort zu Randbemerkungen von Ihnen:„Ich bin persönlich eher introvertiert“: Das ist für eine Karriere im Konzern nicht die ideale Basis. Man muss sich dort von Anfang an ein Netzwerk aufbauen, man arbeitet ständig in fachübergreifenden Projekten mit Leuten aus anderen Abteilungen, die andere Interessen und Ziele haben – und man muss „höheren Ortes“ (also bei Vertretern höherer Hierarchieebenen) auffallen, in deren Denken präsent sein, sich dort ins Gespräch bringen, man muss ggf. eines Tages in Assessmentcentern glänzen. Das alles setzt kommunikative Fähigkeiten und Kontaktstärke voraus.Ich weiß nicht, ob man gegen Introvertiertheit aktiv etwas tun kann. Aber mit Sicherheit ist es ratsam, sie nicht als „nun einmal gegeben“ hinzunehmen und sie auch noch zu pflegen.Reines Fachkönnen allein ist in KMU eher in beruflichen Erfolg umzusetzen.„Wiederkehrende Aufgaben langweilen mich“: Mich auch, aber sie sind in kommerziellen Unternehmen kaum ganz vermeidbar. erfreulicherweise ist dieser Aspekt zu einem großen Teil Definitions- bzw. Auffassungssache. Ich z. B. kann die 2.890. Frage dieser Serie als Teil einer endlosen Wiederholung einer im Grunde immer wieder ähnlichen Konstellation – oder als immer wieder neue, dem jeweiligen Einsender unvertraute Problemsituation empfinden und sie damit für mich als immer wieder neue Herausforderung einstufen, der ich mich begeistert stelle. Ich habe mich für die letztere Variante entschieden – und hoffe, man merkt das.

Kurzantwort:

Service für Querleser:

Wer in einen Großbetrieb strebt, realisiert das am besten so früh wie möglich, am besten gleich nach dem Studium. Spätere Wechsel in kleinere Häuser sind möglich bis sehr gut möglich, umgekehrt gilt das Gegenteil.
Frage-Nr.: 2888
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2017-06-15

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