Heiko Mell

Ausweg für Unglückliche

Wie immer habe ich Ihre Karriereberatung mit großem Interesse gelesen, habe aber zu Frage 2.834 („Alles läuft gut, aber ich bin unglücklich“) eine Ergänzung.

Ich bin Fachhochschulprofessorin im Maschinenbau. Der Kandidat aus jener Frage hat mich in seinen Schilderungen stark an meine eigene Situation in der Industrie erinnert. Es tat mir als junger promovierter Ingenieurin auch irgendwann leid, meine Fachkenntnis nicht mehr anwenden zu können und mich stattdessen in ermüdenden Ränkespielchen wiederzufinden. Mit der Promotion in der Tasche bot sich die Möglichkeit des eleganten Ausstiegs und der Rückkehr in Fachlichkeit über die Annahme einer Fachhochschul-Professur. Wenn ich lese, dass es dem Kandidaten ein Vergnügen war, anderen Kommilitonen die Aufgaben zu erklären, erkenne ich mich auch darin wieder. Das ist eine gute Voraussetzung für unseren Beruf.

Daher wäre mein Gedanke, dass er, wenn er nicht wirklich zu alt ist, doch noch quer durch die Republik nach einer Promotionsstelle suchen, die Promotion zügig durchziehen und dann irgendwann FH-Professor werden könnte. Kommunizieren muss er da auch, das kann er anscheinend auch, aber zumindest könnte er wieder richtig tief ins Fachliche eintauchen und damit glücklich werden.

Vielleicht habe ich auch nicht alle Aspekte dieses Falles präsent, aber ich möchte eine Lanze für unseren Beruf brechen – und auch für mehr Flexibilität. Die wenigsten von uns FH-Professoren haben ihren Lebenslauf geplant, ich glaube, deswegen werden wir vielleicht von manchen streng planerisch denkenden Menschen ein bisschen schief angeschaut. Wobei ich mehr als genug erfolgreiche Menschen kenne, die etwas völlig anderes tun, als sie sich mit Anfang 20 vorgestellt haben. Sehr viele sind aber aus ähnlichen Motiven wie ich aus der Industrie in diesen Beruf gewechselt und mit den damit verbundenen persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten doch sehr glücklich geworden. Tätigkeit in Lehre und Forschung, die Vertiefung in fachliche Details und der Umgang mit jungen Leuten werden von vielen als Privileg angesehen.

Das ist für mich übrigens auch ein Schlüssel zum Erfolg oder zu einem glücklichen Berufsleben, dass man eher nicht auf einem starren Plan beharrt, sondern offen bleibt und jede Möglichkeit zur Weiterentwicklung nutzt, die sich bietet und alles anzugehen wagt, was andere, Erfahrenere, einem zutrauen.

Erst mit den Jahren erkennt man selbst immer klarer, wo wirklich die persönlichen Stärken und Neigungen liegen, die einen vor anderen auszeichnen. Schön ist es, wenn man diese dann alle in seinem Beruf vereinen kann.

Antwort:

Sie haben mich in Versuchung geführt – und ich bin ihr erlegen, Schande über mich. Aber ich habe durch die Anonymisierung zumindest verhindert, dass Dritte, denen gegenüber Sie sich nicht selbst als Einsenderin outen, Rückschlüsse auf Ihre Person ziehen können.

Beginnen wir jedoch mit Ihrem Kernanliegen, eine Lanze für den Beruf des FH-Professors brechen zu wollen. Da kann ich Ihnen nur uneingeschränkt zustimmen: Wenn die Formal-Qualifikation und die Begabung passen, ist das eine sehr interessante berufliche Alternative.

Die übrigens noch vor wenigen Jahren bei den Kandidaten, die damals zu mir in die persönliche Karriereberatung kamen, eine große Rolle gespielt hatte. Viele leibäugelten mit diesem Weg – nachdem sie die Industrie kennengelernt hatten. Aus mir nicht bekannten Gründen hat in jenen Gesprächen die Nennung dieses beruflichen Zieles etwas nachgelassen. Daher ist es sicher angebracht, diese Möglichkeit wieder einmal ins Blickfeld zu rücken.

Soviel dazu. Ihrem vorletzten Absatz kann ich nur bedingt zustimmen oder nur, wenn man Ihr „für mich“ stark betont. Vor allem der letzte Teil dieses Absatzes ist potenziell gefährlich. Man kann – und soll – aus unterschiedlichen Gründen nicht (plan- und konzeptionslos!) „jede … Weiterentwicklung nutzen, die sich bietet und alles anzugehen wagen, was andere … einem zutrauen.“ Bitte bloß nicht.

Nun aber zur Versuchung, in die Sie mich geführt haben. Sie schreiben weiter vorn: „Es tat mir … irgendwann leid, mich … in ermüdenden Ränkespielchen wiederzufinden.“ Ich verstehe das gut, kenne ich doch solche Spielchen. Aber ich weiß auch, warum Sie damit nicht so gut zurechtkamen: Sie haben den „eingebauten Instinkt“ nicht, der Sie rechtzeitig vor speziellen Fettnäpfchen warnt. Das macht Sie nicht weniger sympathisch, zeigt aber deutlich, wie richtig Ihr Entschluss war (ich bin keinesfalls stolz auf die verschlungenen Pfade, auf denen wir uns im industriellen Umfeld bewegen, lebe aber damit – wie der Jäger im Urwald, der eben weiß, dass es da Schlangen gibt).

Nun muss ich konkret werden: Sie raten ausgerechnet dem damaligen Einsender zum Weg in die FH-Professur. Bitte lesen Sie doch noch einmal die ersten beiden Sätze, die der Kandidat in dem von mir als „Frage/4“ gekennzeichneten Block formuliert hatte: Was könnte einer von jenen allgegenwärtigen Mitmenschen, die nur auf eine Schwäche lauern, um dann gnadenlos zuzuschlagen, daraus alles machen?

Hätte ich diesen Bezug schlicht übersehen sollen? Ich habe auch so meine Kritiker, die nur auf eine solche Schwäche warten….

Frage-Nr.: 2868
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 9
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2017-03-02

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