Heiko Mell

Als „Kleiner“ zum „Großen“ oder als „Großer“ zum „Kleineren“?

Frage/1: Ich bin nach meinem TU-Studium direkt in eine technisch orientierte Unternehmensberatung eingestiegen. Ich bereue diesen Schritt weder finanziell noch bzgl. der Aufgaben, diese machen mir bis heute großen Spaß. Nach bisher drei Jahren merke ich jedoch, dass mich auch das Tagesgeschäft in der Industrie – insbesondere auch die Möglichkeit einer Führung im operativen Bereich – reizt. Zudem habe ich die Sorge, dass bei einer längeren Beschäftigung in der Beratung ein solcher Wechsel kaum noch möglich sein wird.

Frage/2: Aktuell habe ich zwei Angebote:

1. Einstieg als „normaler“ Mitarbeiter bei einem Automotive-OEM,

2. Nachwuchsführungskraft bei einem größeren Mittelständler (ca. 10.000 MA).

Beide Positionen würden mir vermutlich großen Spaß bereiten.

Sie empfehlen ja häufig, möglichst im Konzern zu starten und sich bzgl. Unternehmensgröße dann „nach unten“ weiterzuentwickeln. Beim Einstieg in den Konzern habe ich die Sorge, dass eine Weiterentwicklung unwahrscheinlicher und schwieriger (interne Assessment-Center etc.) sein könnte als „Nachwuchsführungskraft“ beim Mittelständler? Zu welcher Position würden Sie mir raten?

Antwort:

Antwort/1: Alle diese Überlegungen sind „regelgerecht“: Der Start in der Unternehmensberatung ist ein durchaus empfehlenswerter Einstieg. Man sieht und lernt sehr viel und bekommt – nicht zu unterschätzen – im ständigen Kontakt mit anspruchsvollen Entscheidern bei den Kunden das, was man „Schliff“ nennen könnte. Und man lernt, sich und sein jeweiliges Konzept zu verkaufen (man beachte die Reihenfolge).

Und obwohl es immer wieder Extrembeispiele gibt, in denen altgediente Beratungsmanager im fortgeschrittenen Alter plötzlich in den Vorstand von Industrieunternehmen gerufen werden, gilt für die große Masse der Berater doch: Wechsel in die Industrie nach ca. zwei bis drei Jahren – wenn man schon viel gesehen hat, aber noch nicht so hoch aufgestiegen ist, dass der erreichte Status (der ggf. „teuer“ macht) den Wechsel behindert.

Und so wäre der Start in einer Beratung nahezu uneingeschränkt empfehlenswert, wenn nicht auch mindestens zwei Einschränkungen damit verbunden wären:

a) Nicht jeder ist bereit, den Preis für eine solche Anstellung zu bezahlen (hohe bis extreme zeitliche Belastung, ein Leben aus dem Koffer, weil man sich immer dort aufhält, wo der jeweilige Kunde seinen Sitz hat).

b) Nach jenen zwei bis drei Jahren ist ein Arbeitgeberwechsel angesagt (wenn man keine Beraterkarriere anstrebt). Das ist ein zusätzliches Risiko. Mit etwas Pech ist dann gerade Konjunkturkrise mit pauschalem Einstell­stopp. Und: Man muss sich für den Beraterjob eignen, sonst erleidet man Schiffbruch.

Wo Licht ist, ist eben stets auch Schatten – das Leben spielt so. Und andernfalls wollten alle jungen Akademiker Berater werden – und niemand mehr Kunde derselben.

Antwort/2: Zunächst zum Begrifflichen: Es gibt Definitionen, nach denen ab 1000 MA der Großbetrieb beginnt. Mit 10 000 MA ist man kein Mittelständler mehr (wichtig für den persönlichen Kontakt mit solchen Unternehmen, die sich als „Mittelständler“ unterbewertet fühlen könnten).

Und eine Startempfehlung beim Großunternehmen ist stets gebunden an die Voraussetzung, dass man sich für einen Konzern eignet (was man beispielsweise durch Praktika vorher herausfinden sollte).

Übrigens: Führungskräfte sind nicht etwa „unnormal“. Was Sie mit „normalen“ Mitarbeitern meinen, sind Sachbearbeiter, ausführende Mitarbeiter oder solche ohne Führungsfunktion. Und seien Sie auch etwas vorsichtig, was den „Spaß“ am beruflichen Tun angeht. Man spricht eher von reizvollen Aufgaben, herausfordernden Tätigkeiten oder Jobs, die man gern übernimmt. Das Berufsleben ist doch eher eine ernste Angelegenheit, „Freude“ dabei zu haben, ist gewünscht, mit dem „Spaß“ (Gegensatz zum „Ernst“!) ist das so eine Sache.

Und als letzten Begriff reden wir über die „Nachwuchsführungskraft“: Sie ist „Hoffnungsträger in Sachen Aufstieg“, näher dran als ein klassischer Sachbearbeiter, aber irgendeine Beförderungsgarantie hat sie nicht! Auch hier gilt: Es ist Bewährung in der ersten Position erforderlich. Die „Nachwuchsführungskraft“ ist eine Option, mehr nicht.

Und ich – soll einmal wieder das Genie spielen, das aus dem Kaffeesatz liest. Es gibt keine weiteren Informationen über Sie, keine Aussagen über Studiendauer und –noten, über Praktika und heutige Projekte/Kunden und schon gar nicht über Karriereziele (auch der Bergsteiger muss vorher wissen, ob er den Mount Everest oder den Feldberg im Schwarzwald bezwingen will).

Aus Ihren wenigen mir vorliegenden Aussagen leite ich den Schluss ab: Gehen Sie lieber nicht in den Großkonzern, der dürfte nichts für Sie sein. Der „Kaffeesatz“ sendet da ziemlich eindeutige Signale.

Kurzantwort:

1. Der berufliche Start in einer Unternehmensberatung ist durchaus empfehlenswert – sofern man sich dafür eignet und den Anforderungen gewachsen ist.

2. Ein als „Nachwuchsführungskraft“ eingestellter Mitarbeiter hat noch keine Aufstiegsgarantie, aber eine Art „moralischer Berechtigung“, darüber reden zu dürfen.

Frage-Nr.: 2849
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 46
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-11-17

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