Heiko Mell

Von der Beratung in die Linie?

Ich bin in meiner ersten Anstellung seit mehreren Jahren bei einer mittelständischen Fachberatung tätig. Man schätzt hier meine Arbeit, grundsätzlich sind Aufstiegschancen vorhanden. Ich habe aber das Gefühl, mich zu stark in einer Nische zu bewegen (es gibt nur wenige potenzielle Arbeitgeber) und erwäge deshalb einen externen Wechsel.

Mein Ziel ist es, auf meinem Fachgebiet entweder bei einem der bekannteren Industrieunternehmen oder einem der großen Dienstleister zu arbeiten. Später würde ich dann gern dort oder bei einem kleineren Unternehmen ins untere oder mittlere Management aufsteigen.

Nun sind in meinem Metier deutlich mehr potenzielle Arbeitgeber und spätere Aufstiegsmöglichkeiten im operativen Geschäft vorhanden. Aber die logische Fortsetzung meiner aktuellen Tätigkeit wären Stabsstellen, von denen es deutlich weniger gibt.

Ist es akzeptabel, sich auch auf anspruchsvolle Einstiegspositionen (Anfänger) in diesem Bereich zu bewerben?

Antwort:

Nur noch einmal zur Erinnerung: Der klassische, unbedingt empfehlenswerte Berufsweg führt anlässlich von Arbeitgeberwechseln zum etwas kleineren Unternehmen (dem das größere Haus, von dem man kommt, in der Regel „imponiert“), wobei man den „Verlust“ an Arbeitgebergröße durch eine höhere Position im neuen Umfeld kompensiert.

Auch zu empfehlen sind in den ersten Berufsjahren Arbeitgeberwechsel auf gleicher Größenbasis, dann kommt man in den Augen des Bewerbungsempfängers immerhin „aus einem Haus, das mit unserem vergleichbar ist“. Auch dabei lässt sich der Wechsel zum Aufstieg nutzen – wenn auch die besondere Schubkraft fehlt, die eine Herkunft aus größerem Hause einem Bewerber verleiht.Sehr viel schwieriger ist schon auf gleicher Hierarchieebene (also ohne Aufstieg) der Wechsel vom kleineren ins deutlich größere Unternehmen. Strebt man dabei auch noch nach Aufstieg, beabsichtigt man einen „Doppelsprung“ (hoch in der Unternehmensgröße und hoch in der Hierarchieebene), der extrem schwierig ist, vorsichtig gesagt.

In Ihrem Fall wäre es fast ein „Doppelsprung“, weil Sie von einem sehr kleinen Arbeitgeber zu einem sehr großen wollen und „bei der Gelegenheit“ von der reinen Beratung ins operative Geschäft wechseln möchten. Das könnte auf Sachbearbeiterebene eventuell gerade noch klappen, der eigentlich nach fünf Berufsjahren schon legitime Wunsch nach direktem Aufstieg (Team-/Gruppenleiter) wird aber jetzt noch nicht zu realisieren sein.

Mein Vorschlag: Bewerben Sie sich parallel sowohl auf Stabs- als auch auf Linienpositionen (aber möglichst bei verschiedenen Unternehmen) bei den jetzt von Ihnen ins Auge gefassten potenziellen Arbeitgebern.

Parallel dazu könnten Sie sich bei wiederum anderen (größeren) Unternehmen um eher für Einsteiger gedachte Jobs bemühen. Lassen Sie in der Bewerbung nicht erkennen, dass Sie den Anfängerstatus der Position bemerkt haben, häufig wird das ja im Inserat gar nicht so deutlich dargestellt. Aber: Mit einem Jahr Praxis könnten Sie noch problemlos bei einem anderen Unternehmen wieder Anfänger „spielen“. Mit zwei Berufsjahren geht das noch problemarm, darüber hinaus werfen Sie zu viel an Berufspraxis weg (Überqualifikation) – und bekommen Sie massive Probleme in der Gehaltsfrage (wer Anfänger sucht, will vor allem auch nur Anfänger bezahlen).

Wenn das alles fehlschlagen sollte, müssten Sie versuchen, bei einem Unternehmen vom Typ der von Ihnen betreuten Kunden eine verantwortliche Position (Referent, Projektleiter etc.) zu erreichen. Auch das wäre in Ihrem Sinne ja bereits ein Fortschritt.

Kurzantwort:

Es ist legitim, beim Arbeitgeberwechsel einen beruflichen Fortschritt machen zu wollen. Ist das neue Unternehmen sehr viel größer als das heutige, liegt dieser Fortschritt bereits im neuen Arbeitgeberumfeld – bei vergleichbarer Position.

Frage-Nr.: 2817
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 19
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-05-13

Top Stellenangebote

TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
TenneT TSO GmbH Ingenieur (w/m) europäische Netzentwicklung (ENTSO-E) Bayreuth, Brüssel (Belgien)
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
TenneT TSO GmbH Advisor (m/w) Risk & Insurance Bayreuth
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Produktmanager Software Fokus Automotive (w/m/d) Bruchsal
Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI-Firmenlogo
Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI Werkstoff-/Maschinenbauingenieur/in Brugg (Schweiz)
Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM)-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) Ingenieur (m/w/d) Mainz
Stuttgarter Straßenbahnen AG-Firmenlogo
Stuttgarter Straßenbahnen AG Technischer Angestellter (m/w/d) Rechnungsprüfung Bau Stuttgart
Stadt Leer-Firmenlogo
Stadt Leer Leitung (m/w/d) des Fachdienstes 2.66 / Mobilität und Verkehr Leer (Ostfriesland)
Beckhoff Automation GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Beckhoff Automation GmbH & Co. KG Ingenieure (w/m/d) Software-Entwicklung Fokus Motion Control und Robotik Verl
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH Sachverständiger (w/m) Frankfurt am Main
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
TenneT TSO GmbH Ingenieur (m/w) für Gestängeentwicklung Bayreuth

Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell: B…