Heiko Mell

Sind drei kurze Dienstzeiten noch „Pech“?

Ihre Meinung und Ihr Rat würden mir sehr viel bedeuten. Eine Kurzzusammenfassung der Geschehnisse:

1. Duales Studium bei Unternehmen A (1,2); Übernahme durch das Partnerunternehmen nicht möglich (Insolvenz);

2. Entwicklungsingenieur für gut 1,5 Jahre bei B, einem ehemals mittelständischen Unternehmen, das gerade von einem Konzern gekauft worden war; ich war dort total unterfordert;

3. Entwicklungsingenieur bei einem deutschen Top-Konzern (C) seit etwa einem Jahr; es gefällt mir sehr gut, nun wurde aber die Ausgliederung (geplanter Verkauf) meines Unternehmensbereichs angekündigt; die Belegschaft ist verunsichert, mit externen Wechseln von Kollegen ist zu rechnen, intern gilt eine inoffizielle Wechselsperre.

Externe Bewerbungen meinerseits sehe ich aufgrund der jeweils kurzen Dienstzeiten als sehr kritisch an. Andererseits komme ich so oder so nicht um einen Unternehmenswechsel herum. Was wäre Ihr Rat in dieser Situation? Welche Fehler sind mir unterlaufen?

Antwort:

„Dem Amte wohlbekannt“, das schrieb der preußische Verwaltungsbeamte auf einen Vorgang, wenn er festhalten wollte, dass der Antragsteller oder Delinquent der Behörde persönlich bekannt war. Und auch wir kennen uns: Ihre hier unter 2. genannte berufliche Station war hier schon einmal Gegenstand einer Frage (Sie haben selbst darauf hingewiesen).

Gehen wir kurz auf die einzelnen Stationen Ihres Werdeganges ein:

Zu 1.: Das ist harmlos, so etwas geschieht, dafür können Sie nichts. Wenigstens haben Sie Ihr Studium noch – mit tollem Ergebnis – abschließen können. Danach waren Sie in einer Situation, die für alle Standard-Studenten (also mit klassischem Studium ohne „duale“ Komponente) üblich ist: Das Examen ist erfolgreich abgeschlossen, Sie brauchen einen Job.

Bis dahin haben Sie kein Problem, auch nicht mit der Darstellung.

Zu 2.: Hier haben Sie einen großen Fehler begangen: Die Anzeige der damals ausgeschriebenen Position forderte einen „Ingenieur oder Techniker“, Sie als Ingenieur mit 1,x-Examen wollten unbedingt diesen Job – und wunderten sich über Ihre Unterforderung.Um einmal zu sehen, wie gerade diese Episode für Sie ausgegangen war, werfe ich einen Blick in das mir mitgesandte Arbeitszeugnis. Das heißt, ich wollte werfen, konnte aber nicht. Weil es kein solches Dokument gibt, sondern nur ein Zwischenzeugnis von genau einem Jahr vor Ihrem Ausscheiden. Und was haben Sie in jenen zwölf Monaten gemacht, waren Sie da überhaupt noch dort beschäftigt, sind Sie freiwillig gegangen oder doch noch gefeuert worden? Das geht so nicht!

Später haben Sie mir dann doch noch ein Endzeugnis nachgereicht. Es ist rundum erstklassig und klingt positiv-engagiert. Da ich aber nun auch noch das Zwischenzeugnis habe, lese ich auch das. Jetzt gibt es eine neue Überraschung: Das Endzeugnis, genau ein Jahr nach dem Zwischenzeugnis datierend, ist deutlich besser – oder andersherum: Das Zwischenzeugnis ist viel schlechter. Nicht nur Wertungen wurden jetzt verbessert, in sonst identischen Sätzen werden z. B. ganz andere Kriterien beurteilt.

Nun, wie immer Sie das gemacht haben: Werfen Sie das Zwischenzeugnis weit weg und nutzen Sie nur das spätere Dokument. Dann ist von dieser Seite her alles in Ordnung.

Zu 3.: Endlich sind Sie „angekommen“. Der Arbeitgeber ist erstklassig, Sie sind zufrieden. Aber man will Ihren Bereich verkaufen. Dass Mitarbeiter dieses Bereichs sich extern etwas Neues suchen und gehen, muss man hinnehmen. Aber dass diese Leute sich schnell noch im Konzern einen anderen Job besorgen, das muss und kann man verhindern – durch die konzerninterne Anweisung, diese Mitarbeiter nicht aufzunehmen. Hintergrund ist: Wenn die Leute dieses Bereichs alle weglaufen, hat man nichts mehr zum Verkaufen – für leere Schreibtische bezahlt niemand etwas.

Damit ist der Konzern so oder so für Sie erst einmal „tot“. Darüber würde ich mich nicht allzu sehr grämen – schließlich wollte (und will) dieses Unternehmen Sie verkaufen (was Sie ihm durchaus übelnehmen dürfen; niemand kann Sie zwingen, jemanden zu lieben, der Ihren Arbeitsplatz samt dort sitzender Person gegen Geld veräußern möchte).

Mein Rat mag Ihnen originell vorkommen, ist aber wohlüberlegt: Tun Sie gar nichts, bleiben Sie, warten Sie ab. Da auch ich mit vielen jetzt ausscheidenden Kollegen von Ihnen rechne, könnte die Personaldecke um Sie herum ziemlich dünn werden – was theoretisch zu diversen Chancen für die „Hinterbliebenen“ führt. Dann sammeln Sie durch schlichtes Dabeibleiben kostbare Dienstzeitmonate oder sogar –jahre. Schließlich gibt es ja wohl die klare Perspektive, unter der Regie des Firmenkäufers (und bei leicht bis massiv geänderten Strukturen) irgendwie weiterzumachen.

Übrigens wird der Verkauf für Sie kein Arbeitgeberwechsel im klassischen Sinne, Sie behalten ja Ihr komplettes Arbeitsumfeld, auch wenn die Firma dann anders heißt. Im Lebenslauf schreiben Sie später: „seit 0X/2014 Max Müller & Sohn GmbH (firmierte bis 2016 als Geschäftsbereich der XY AG)“, aber die gesamte Zeit dort zählt als eine zusammenhängende Phase.

Kurzantwort:

Man bewirbt sich als 1,x-Ingenieur nicht um eine Technikerstelle, man hat aus früheren Arbeitsverhältnissen anständige Endzeugnisse und man wartet beim (Teil-) Verkauf des Unternehmens erst einmal ab, wie sich alles entwickelt, statt in Panik auf den Markt zu gehen

Frage-Nr.: 2804
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 8
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-02-25

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