Heiko Mell

Zweimal ausgeliehen – und jetzt wohin?

Nach meinem Mechatronik-Studium entschied ich (27) mich für ein berufsbegleitendes Masterstudium in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurdienstleister A, eingesetzt bei dem namhaften Automobilhersteller O. Nach zwei für mich erfolgreichen Berufsjahren, in denen ich viel gelernt habe und eingearbeitet wurde, endete das befristete Anstellungsverhältnis (aufgrund des ebenfalls beendeten Studiums). Da bei meinem Arbeitgeber A keine Planstelle zur Verfügung stand, ich aber das begonnene Projekt bei diesem Hersteller O bis zum Abschluss fortführen wollte, entschied ich mich erneut für die Tätigkeit bei einem Dienstleister (B), der ebenfalls bei O tätig war und mich auch dort einsetzte.

Nach einem spannenden halben Jahr endete das Projekt, damit entfiel auch die komplette darauf abgestellte Struktur: Teams wurden aufgelöst, Abteilungen wussten nicht mehr, wofür sie zuständig waren etc. (Anmerkung: Man kommt nicht so recht dahinter, ob Sie von einem Chaos bei O oder bei Ihrem direkten Arbeitgeber B sprechen; ich habe mich für O entschieden; H. Mell). Daraus resultiert meine heutige Unzufriedenheit. Seit längerer Zeit fühle ich mich unterfordert. Nach anfänglichem Einsatz auch direkt für meinen Arbeitgeber B habe ich die Bindung zu ihm mittlerweile völlig verloren. Die zusätzlichen Aktivitäten, die ich bis dahin für B durchgeführt hatte, mussten aus Kostengründen eingestellt werden. Da ich den ganzen Arbeitstag beim Kunden O bin, unterscheiden mich nur die Behandlung „vor Ort“ und der Gehaltsnachweis noch von meinen Kollegen in Festanstellung bei O. (Das täuscht; H. Mell). Die Ausleihe meiner Person an O läuft noch über einige Monate, danach ist meine zukünftige Tätigkeit ungewiss. Die Erfahrung aus den letzten beiden Jahren und meine persönlichen Ziele lassen mich zu dem Entschluss kommen, den Arbeitgeber zu wechseln. Die Frage, die sich mir stellt, ist: Wohin?

Primär ist mir eine Firma mit Entwicklungsmöglichkeit wichtig (die Branche ist mir weniger wichtig als das Produkt). Daher schließe ich eigentlich einen weiteren Wechsel zu einem Dienstleister aus: Die „externe“ Anstellungssituation stellt mich auf Dauer nicht zufrieden. „Karriere“ möchte ich bei einem Dienstleister auch nicht machen. Gleichzeitig ist es für mich als Projektmanagement-„Fachmann“ schwierig, in adäquate Fachpositionen zu wechseln.

Antwort:

Der Arbeitgeber eines Angestellten (bei Ihnen erst A, dann B), sein Name, Image, seine Marktbedeutung wird Teil der Gesamtqualifikation dieser Person. Dieser Arbeitgeber steht im Lebenslauf neben der entsprechenden Zeitangabe („04/12 – 08/14“). Dieser Name steht auch (und allein) auf dem Briefkopf des Zeugnisses.

Der Name des Kunden des Zeitarbeits-/Arbeitnehmerüberlassungs-Unternehmens, bei dem der Arbeitnehmer eingesetzt war, taucht im Zeugnis sehr oft namentlich nicht auf – für die Behauptung des Bewerbers, er wäre „bei O“ eingesetzt gewesen, gibt es damit nicht einmal einen Beweis.Der Arbeitnehmer sucht sich bei einer Anstellung vor allem einen Arbeitgeber aus, auf den er baut. Die Details seiner Tätigkeit sind natürlich auch wichtig, aber Name, Image usw. des Arbeitgebers haben in der langfristigen Gesamtbedeutung schon einen hohen Stellenwert. Zu dieser Betrachtung gehört auch die Erkenntnis, dass man die Schilderung einer ausgeübten Tätigkeit im Lebenslauf durchaus „formulierungstechnisch gestalten“ kann, sogar die Darstellung der Hierarchieebene, in die man eingeordnet war. Aber Name, Branche und Image des Arbeitgebers sind reine Fakten, die man nur korrekt nennen kann.

Sie, geehrter Einsender, haben, wie offenbar viele andere auch, das alles ein wenig verdrängt, haben sich „eigentlich eher bei O“ angestellt gefühlt und sich vor allem auf das dort laufende Projekt konzentriert, zu dessen Bearbeitung Sie von Ihrem ersten Arbeitgeber ausgeliehen waren. Als dessen Kontrakt mit „O“ auslief, haben Sie das als lästiges, aber eher unbedeutendes Übel angesehen. Sie haben sich von einem zweiten Zeitarbeits-/Arbeitnehmerüberlassungs-Unternehmen anstellen lassen, das Sie an den „alten“ Kunden zur Mitwirkung am „alten“ Projekt auslieh.

Das war etwas gewagt – weil Ihnen diese Konzentration auf jenes Projekt jetzt niemand dankt. Ja, es ist nicht einmal jemand da, der Ihnen auch nur Ihre Mitwirkung an diesem „arbeitgeberübergreifenden“ Projekt bescheinigt.

Außerdem, so schreiben Sie, wäre das Projekt etwa ein halbes Jahr nach Ihrem Arbeitgeberwechsel abgeschlossen gewesen. Das nun war für Sie vorhersehbar! Ich wechsele doch nicht zu einem Arbeitgeber, der nur für wenige Monate Arbeit für mich hat. Das danach einsetzende „Beschäftigungschaos“ war doch nahezu auch vorhersehbar, zumindest musste man damit rechnen.

Damit niemand meint, ich gäbe hier etwa nur eine subjektive Meinung wieder, zitiere ich aus einer aktuellen Frage eines anderen Einsenders, in der ein Berufsanfänger sein Ringen um eine Entscheidung über den richtigen Einstieg schildert:„Kurzum: Es erscheint mir sehr attraktiv, nach dem Master-Studium den Einstieg bei einem Ingenieurdienstleister zu suchen und auf diese Weise Berufserfahrungen zu sammeln und weitere Unternehmen kennenzulernen. Hinzu kommt, dass diese Dienstleister – sofern man der Eigenwerbung glauben darf – viele … Vorteile in sich vereinen: Ein vielseitiges Aufgabenspektrum, eine große Anzahl von Standorten, gute Entlohnung und regelmäßige Weiterbildungen, um nur einige zu nennen.

Im persönlichen Gespräch mit Mitarbeitern der Unternehmen, in denen ich während des Studiums tätig war, bekam ich jedoch den Eindruck, dass den Dienstleistern im allgemeinen Bewusstsein ein Makel anhaftet nach dem Motto: ‚Dort bewirbt man sich, wenn man in einem richtigen Unternehmen nichts bekommt! Die Gründe dafür konnte ich nicht in Erfahrung bringen.“Warum diese festangestellten Mitarbeiter in jenen Kundenunternehmen der Zeitarbeitsunternehmen auch immer so denken mögen: Ein negativer Aspekt der Geschichte liegt auf der Hand: Die so häufig genährte Hoffnung auf Übernahme durch das Kundenunternehmen hat sich für viele Bewerber nicht erfüllt. Weil, so mag der eine oder andere Bewerbungsempfänger denken, man ihn bei jenem „O“-Konzern kennen-, aber eben nicht schätzen gelernt hatte (den Buchstaben O habe ich wegen des OEM-Status des Konzerns gewählt, nicht weil sein Name damit beginnt).

Sie, geehrter Einsender, wollen nun als Bewerber das Profil eines Projektmanagement-Fachmanns „verkaufen“, der zwei Anstellungen von ca. zwei Jahren bei zwei Arbeitnehmerüberlassern aufzuweisen hat, von beiden bei einem hochrenommierten Konzern eingesetzt war, die letzten 1,5 Jahre jedoch „nichts Vorzeigbares“ getan hat und vom Konzern nicht übernommen wurde. Das wird ohne Abstriche nicht möglich sein.Vermarkten Sie bei einem möglichst großen, möglichst namhaften Unternehmen Ihre Erfahrungen als Projektingenieur in einer so bezeichneten Position, der Aufstieg ins Projektmanagement kommt dann etwas später, Ihr Abschluss als Master liegt ja auch erst zwei Jahre zurück. Und Ihre ganze Zukunft liegt vor Ihnen.

PS: Von dieser Problematik sind solche Ingenieurdienstleister, die ausschließlich oder überwiegend in eigenen Räumen (an eigenem Standort) mit ihren festangestellten Mitarbeitern für Kunden komplexe Entwicklungsaufträge durchführen, nicht betroffen.

Kurzantwort:

Der Name des Arbeitgebers ist langfristig gesehen oft die bessere Investition in die eigene Karriere als die letzten Details der auszuübenden Tätigkeit.

Frage-Nr.: 2763
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 27
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-07-02

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